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MAN verlagert Busproduktion von Sachsen nach Ankara


Enttäuschung über Entscheidung  

MAN verlagert Busproduktion von Sachsen nach Ankara

20.05.2014, 18:46 Uhr | dpa-AFX , t-online.de

MAN verlagert Busproduktion von Sachsen nach Ankara. MAN-Doppeldecker aus Plauen: Die Produktion soll an diesem Standort eingestellt werden (Quelle: dpa)

MAN-Doppeldecker aus Plauen: Die Produktion soll an diesem Standort eingestellt werden (Quelle: dpa)

Der Nutzfahrzeughersteller MAN macht die Busproduktion in Sachsen dicht und verlagert sie in die Türkei. Von März 2015 an sollen die Fahrzeuge der Marke Neoplan nicht mehr in Plauen, sondern in der türkischen Hauptstadt Ankara gebaut werden. Das teilte die Volkswagen-Tochter mit. Betroffen seien 420 Mitarbeiter, denen neue Arbeitsplätze bei VW Sachsen im rund 35 Kilometer entfernten Zwickau angeboten würden. Details sollten noch verhandelt. Politik und Gewerkschaft im Freistaat kritisierten die Entscheidung.

Die Neoplan-Mitarbeiter wurden auf einer Betriebsversammlung über die Pläne informiert. "Die Stimmung war aggressiv. Es herrschten Wut und Fassungslosigkeit", sagte Stefan Kademann von der IG Metall Zwickau. Die Entscheidung sei überraschend gekommen. "Wir weigern uns hinzunehmen, dass dieser Standort geschlossen wird." MAN müsse sich zur langen Busfertigungstradition in Plauen bekennen, forderte Neoplan-Betriebsratschef Marcus Galle.

MAN droht Rückforderung des Landes

Auch Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) reagierte enttäuscht und zeigte sich überrascht von den Plänen der MAN Gruppe. Sein Haus prüft nun eine Rückzahlungsforderung für Fördermittel, da das Unternehmen damit verbundene Zusagen nicht eingehalten habe. DGB-Landeschefin Iris Kloppich warf Morlok indes "Untätigkeit" vor. Er schaue der "Deindustrialisierung des Vogtlandes" tatenlos zu. Landrat Tassilo Lenk (CDU) hält die Werkschließung für inakzeptabel und sprach von "Vertrauensbruch an Menschen und Regionen". Zudem werde ein Standort preisgegeben, für den jüngst noch ein Spatenstich als Zeichen von Zukunft und Investition gesetzt worden sei.

Auf den laufenden Bau des neuen Logistikzentrums - eine Investition von rund 20 Millionen Euro - verwies auch Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (parteilos), ebenso wie auf Fördermittel von Land und EU. "Ich bin bestürzt, voller Unverständnis." Es sei "ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten" und zugleich ein neuerlicher Tiefschlag für Plauen, nachdem schon der MAN-Standort Plamaq liquidiert wurde. VW sei durch Zentralisierung des Vertriebs verantwortlich dafür, dass die Auslastung des Buswerks zuletzt nicht gewährleistet gewesen sei. Oberdorfer forderte von MAN die Schaffung neuer adäquater Jobs am "hochmodernen Industriestandort" und bat Land und Bund um Hilfe.

Neoplan-Geschäft macht Verlust

"Das Produktionsnetzwerk muss effizienter gestaltet werden", machte indes MAN-Nutzfahrzeug-Chef Anders Nielsen klar. Im Busgeschäft war der Konzern zuletzt auf keinen grünen Zweig gekommen, die Bussparte fiel 2013 tiefer in die roten Zahlen. Im Kerngeschäft standen 64 Millionen Euro Verlust - mehr als doppelt so viel wie 2012. Auch in den ersten drei Monaten 2014 wuchs das Minus von 20 auf 24 Millionen Euro. Immerhin konnte der Konzern wieder mehr neue Aufträge an Land ziehen als im ersten Quartal 2013.

Doch der leichte Hoffnungsschimmer reichte offenbar nicht, um dem Standort Plauen eine Zukunft zu sichern. Das Marktvolumen für Busse in Europa sei auf einem historischen Tiefstand, schrieb MAN. Weil vor allem weniger Fahrzeuge mit hochwertiger Ausstattung bestellt würden, lasse sich die Produktion dort nicht mehr aufrechterhalten. Für 2014 rechnet die Volkswagen-Tochter mit einem weiteren leichten Rückgang der Bus-Verkäufe in Europa.

Neoplan war bis 2001 eine Marke des Busherstellers Auwärter, der dann von MAN übernommen wurde. Das Stammwerk befand sich in Stuttgart-Möhringen - dort endete die Produktion 2005. Daneben gibt es noch eine Neoplan-Fertigung im bayerischen Pilsting und Werke für andere MAN-Busreihen unter anderem in Berlin und Ehrenhain (Thüringen).

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