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Vor EZB-Zinsentscheid: Nur Inflation kann die Zins-Spirale stoppen

EZB-Zinsentscheid  

Nur Inflation kann die Zins-Spirale stoppen

05.06.2014, 11:26 Uhr | bv, dpa, dpa-AFX, t-online.de

Vor EZB-Zinsentscheid: Nur Inflation kann die Zins-Spirale stoppen. EZB-Präsident Mario Draghi will eine Deflation verhindern (Quelle: Reuters)

EZB-Präsident Mario Draghi will eine Deflation verhindern (Quelle: Reuters)

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor einem historischen Schritt. Um 13.45 Uhr dürfte sie mitteilen, dass sie den rekordniedrigen Leitzins in der Eurozone weiter absenkt - von derzeit 0,25 auf vermutlich 0,15 Prozent. Für Sparer bedeutet der Schritt, dass sie noch weniger Zinsen für ihre Ersparnisse bekommen werden. Der Zinssatz für Tagesgeld liegt meist niedriger als die Inflationsrate. Lediglich mit langlaufenden Festgeldern lässt sich noch etwas Rendite erzielen. Doch welche Alternativen hat die EZB, wenn in der Eurozone weiter die gefürchtete Deflation droht?

Die EZB dürfte mehrere Schritte ergreifen, um ein Abgleiten in die Deflation zu verhindern. Noch sieht die Notenbank keine wachstumsschädliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und Löhnen. Sie will aber auf Nummer sicher gehen, dass es nicht dazu kommt. Deswegen wird sie wohl ein ganzes Bündel an Maßnahmen beschließen. Darauf deuten Äußerungen von Zentralbankern und Presseberichte hin. Die Erwartungen an den Finanzmärkten sind hoch - das Enttäuschungspotenzial ist es ebenfalls.

Der Euro ist zu stark

Ein Hauptaugenmerk dürfte auf dem starken Euro liegen, der die Konjunktur über teure Ausfuhren bremst und durch günstige Einfuhren Preisdruck ausübt. Nach Worten von EZB-Chef Mario Draghi kommt hier die konventionelle Zinspolitik zum Einsatz - eine Leitzinssenkung. Zudem könnte die EZB den Satz, zu dem die Banken für einen Tag Geld bei ihr deponieren können, ins Negative senken. Unter großen Notenbanken wäre dies ein Novum. In Dänemark hat dieses Vorgehen in der Eurokrise allerdings geholfen, den Aufwertungsdruck auf die Krone zu mindern.

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Unkonventionelle Schritte

Neben Zinssenkungen kommen weitere unkonventionelle Maßnahmen in Betracht. So könnte die EZB den Zeitraum verlängern, in dem sich Banken so viel Zentralbankgeld wie benötigt leihen können ("Vollzuteilung"). Bisher ist dies bis Mitte 2015 möglich. Auch könnte die EZB darauf verzichten, Zentralbankgeld abzuschöpfen, das sie einst mit Anleihekäufen krisengeschwächter Euroländer geschaffen hat ("SMP-Sterilisierung"). Dies würde die Liquidität im Handel zwischen den Banken auf einen Schlag um etwa 170 Milliarden Euro erhöhen.

Kreditvergabe ankurbeln

Als möglich gilt auch eine weitere Runde von Langfristkrediten für die Banken - vermutlich unter der Auflage, dass das Geld an kleine und mittelständische Unternehmen fließt und nicht wieder in Staatsanleihen angelegt wird. Dieser Schritt würde ebenso wie ein denkbarer Kauf besicherter Wertpapiere (ABS) darauf abzielen, die schwache Kreditvergabe anzuschieben. Ob dies gelingt, ist ungewiss: EZB-Experte Michael Schubert von der Commerzbank sagt, dass die zurückhaltende Ausleihungspraxis südeuropäischer Banken vor allem mit Kreditrisiken zu erklären sei. Banken trauen den Unternehmen also nicht zu, die Kredite wieder ordentlich zurückzuzahlen. Darüber hinaus erhalten die Banken wegen der Vollzuteilung ohnehin so viel Zentralbankgeld wie nötig.

Breitangelegte Anleihekäufe

Das nach Meinung vieler Beobachter schärfste Schwert im Kampf gegen Deflation - breitangelegte Käufe privater und öffentlicher Wertpapiere (Quantitative Easing, QE) - dürfte die Notenbank nicht zücken. Dieser geldpolitische Vorschlaghammer "bleibt für den Notfall in der Hinterhand", heißt es beim Bankhaus Lampe. Ähnlich äußerte sich Draghi vor einer Woche im portugiesischen Sintra: QE komme erst in Betracht, wenn sich die Inflation oder die Inflationserwartungen "zu lange" vom Ziel der Notenbank entferne. Ob es schon soweit ist, werden am Donnerstag die neuen Inflationsprojektionen der EZB-Volkswirte zeigen.

Inflation dank Wachstum

Die dringend benötigte höhere Inflation kann nur in einer Wachstumsphase entstehen. Bei Deflation droht jedoch eine sich verstärkende Abwärtsspirale aus zurückgehendem Konsum und aufgeschobenen Investitionen.

Ein Schlüssel könnten die Euro-Staaten sein. Sie streichen derzeit an allen möglichen Stellen ihre Ausgaben zusammen, um von zugegebenermaßen erdrückenden Schulden herunterzukommen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Doch das bremst eben auch die Konjunktur, denn Staaten sind gute Kunden, wenn es um Großprojekte wie etwa bei der Infrastruktur geht.

Der nötige und sinnvolle Schuldenabbau müsste also ein wenig verschoben werden, bis sich die Situation wieder entspannt hat. Rund zwei Prozent Inflation strebt die EZB an, als Puffer zur Deflation. Dann könnten auch Sparer wieder mit höheren Zinsen rechnen. Jedoch, darauf weist der Chef-Volkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, hin: "Zu behaupten, die EZB enteigne die europäischen Sparer, verkennt das Mandat der EZB. Ihre Aufgabe ist es nicht, Sparern selbst in Zeiten einer Finanzkrise einen gewünschten Ertrag auf risikoarme Anlagen zu sichern."

Ohne Risiko keine Rendite

Mit europäischen Aktien, spanischen Rententiteln oder guten Unternehmensanleihen konnten Sparer auch in der Krise auskömmliche Renditen erzielen - wenn sie bereit waren, Risiken in Kauf zu nehmen. Und nicht zuletzt sind Menschen ja nicht nur Sparer, sondern gleichzeitig auch Konsumenten und haben in der jüngsten Vergangenheit damit auch von niedrigen Zinsen bei der Baufinanzierung oder einem Autokredit profitiert.

Die Finanzmärkte hängen an den Lippen der Notenbankchefs, denn schon kleine Änderungen haben millionen- und milliardenschwere Auswirkungen. Eine schnelle Lösung der Euro-Misere ist nicht in Sicht, aber die EZB könnte an diesem Donnerstag eine Wende einläuten.

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