Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

EZB-Leitzins: Mario Draghi setzt mit Zinssenkung auf Angriff

Gastkolumne  

Mario Draghi setzt mit Zinssenkung auf Angriff

10.06.2014, 12:41 Uhr | Von Manfred Rath für T-Online.de

Notenbank-Chef Mario Draghi macht ernst. Nach der Sitzung des EZB-Rates Anfang Juni verkündete er nicht nur Zinssenkungen, sondern ein ganzes Bündel begleitender Maßnahmen zur Konjunkturbelebung. Die Senkung des Leitzinses auf jetzt 0,15 Prozent entsprach in etwa den Erwartungen im Markt. Dass die Kreditinstitute für Ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank jetzt sogar einen Strafzins von 0,10 Prozent zahlen sollen, hatte allerdings schon im Vorfeld Diskussionen ausgelöst.

In anderen Staaten (zum Beispiel Dänemark) war diese Strategie nicht erfolgreich gewesen. Nachhaltiger dürften die geplanten langfristigen Notenbankkredite (LTRO) wirken. Außerdem bereitet die EZB ein neues Programm zum Ankauf verbriefter Kredite vor. 

Die Aussagen der EZB-Spitze waren in den Wochen zuvor an Deutlichkeit kaum zu überbieten gewesen. Die europäische Notenbank hatte sich längst festgelegt, und der Zeitpunkt könnte nicht besser gewählt sein: Nach der Europawahl gleich den Euro-Kritikern wieder den Wind aus den Segeln zu nehmen - zumindest aus monetärer Sicht.

Starker Euro belastet

Draghi zeigte sich zuversichtlich, dass die ergriffenen Maßnahmen zu einer höheren Inflation führen werden. Die Teuerung lag im April bei nur 0,7 Prozent und damit weit weg von der Zwei-Prozent-Zielmarke der EZB. Der oberste Notenbanker wird auch weiter nicht müde, vor den Risiken einer zu lange niedrigen Inflation im Euroraum zu warnen.

Sorge bereitete auch der auf zwischenzeitlich fast 1,40 Dollar gestiegene Euro. Denn zum Einen könnte der hohe Außenwert vom Euro die Inflation weiter drücken, weil er die Importe verbilligt. Zum Anderen bremst der hohe Euro-Kurs die Exportchancen der südeuropäischen Länder. Das wäre Gift für den Arbeitsmarkt der krisengeschüttelten Staaten. Schließlich meldete die Statistikbehörde Eurostat, dass noch immer 24 Prozent aller jungen Menschen im Euro-Raum arbeitslos sind.

Allerdings hat EZB-Chef Draghi den gefühlt zu starken Euro auch selbst mit herbeigeredet. Im Sommer 2012 stabilisierte er auf dem Höhepunkt der Krise mit seiner legendären Aussage "whatever it takes" die Märkte. Nun wird er die Geister, die er damals rief, nur noch schwer los.

Nach der Party droht Enttäuschung

Die EZB hat nicht die Freiheiten der Notenbanken der USA oder Japans. Es bleibt die Frage, ob der Euro heruntergedrückt werden kann, wenn gleichzeitig die anderen namhaften Notenbanken dieser Welt ebenfalls eine Aufwertung ihrer Landeswährung unterbinden wollen.

AnzeigeTagesgeldvergleich
Konditionen vergleichen

Vergleichen Sie hier verschiedene Anbieter und finden so das beste Tagesgeld-Angebot für sich

In den vergangenen Monaten floss viel Geld nach Europa, die Zinsen für spanische zehnjährige Anleihen sind unter drei Prozent gefallen. Selbst die Griechen mussten bei ihrer Rückkehr an den Kapitalmarkt nicht mehr als fünf Prozent für ihre fünfjährige Anleihe bieten. Für Anleger erscheint diese Rendite nur vordergründig attraktiv - es droht immerhin noch ein weiterer Schuldenschnitt.

Die hohe Erwartungshaltung der Marktteilnehmer im Vorfeld der EZB-Entscheidung könnte nun auch einer Ernüchterung weichen, denn weiteren Zinssenkungen hat Draghi eine Absage erteilt. Derartige Perspektiven kommen an den Märkten häufig nicht gut an, auch wenn der EZB-Chef beteuert, dass die Möglichkeiten für außergewöhnliche Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft sind.

Manfred Rath, Portfoliomanager bei der KSW Vermögensverwaltung (Quelle: privat )Manfred Rath, KSW Vermögensverwaltung (Quelle: privat )

Der Autor, Manfred Rath, ist Portfolio-Manager bei der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg. Im Rahmen seiner gut 30-jährigen Tätigkeit im Vermögensanlagen-Geschäft arbeitete er zuvor bei der Bayerischen Vereinsbank und bei der BHF-BANK, dort zuletzt als stellvertretender Leiter der Niederlassung Nürnberg.

-- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal