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Die Preis-Illusion: Echte und gefühlte Inflation

Echte und gefühlte Inflation  

Die Preis-Illusion

03.07.2014, 07:52 Uhr | Spiegel Online

Die Preis-Illusion: Echte und gefühlte Inflation. In den vergangenen 23 Jahren ist Milch 48 Prozent teurer geworden (Quelle: dpa/Spiegel Online)

In den vergangenen 23 Jahren ist Milch 48 Prozent teurer geworden (Quelle: Spiegel Online/dpa)

Die Inflation ist in Deutschland so niedrig wie selten zuvor. Doch viele Verbraucher sind misstrauisch: Gefühlt steigen die Preise für Produkte wie Milch stärker, als es die Statistik zeigt. Woran liegt das? Und was ist wirklich teurer geworden?

An diesem Donnerstag werden im 36. Stock des Frankfurter Eurotowers 22 Männer und zwei Frauen zusammensitzen und vermutlich leidenschaftlich über die Inflation diskutieren. Alarmierend schwach seien die Preise in der Eurozone zuletzt gestiegen, meinen viele Mitglieder im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Einige fürchten sogar sinkende Preise, also eine Deflation. Bei ihrer letzten Sitzung Anfang Juni hatten die Notenbanker deshalb die Zinsen erneut gesenkt. Ob das hilft, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Preise wieder stärker steigen zu lassen, ist offen.

Am Inflationsproblem jedenfalls hat sich erst mal nichts geändert. Im Juni lagen die Verbraucherpreise in der Eurozone gerade mal noch 0,5 Prozent über dem Vorjahreswert. In Deutschland betrug der Anstieg zwar ein Prozent - doch auch das liegt deutlich unter dem von der Notenbank angestrebten Ziel von knapp zwei Prozent. In der EZB dürfte also weiter Alarmstimmung herrschen.

Notenbanker-Sorgen klingen wie Hohn

Für viele Menschen klingen die Sorgen der Notenbanker wie Hohn. Wenn sie Sonntagsmorgen zum Bäcker kommen und feststellen, dass die Vollkornbrötchen schon wieder zehn Cent teurer geworden sind. Wenn ihre Miete gerade wieder erhöht wurde. Oder wenn sie versuchen, in München, Hamburg oder Frankfurt eine Eigentumswohnung zu kaufen. Sinkende Preise? Hier sind sie ganz weit weg.

Manche wittern gar eine Verschwörung. Werden die offiziellen Inflationszahlen manipuliert, um die Verbraucher zu beruhigen? Das legt zum Beispiel der ehemalige Börsenmakler und populäre Angstmacher Dirk Müller nahe. Er vermutet "eine Menge Tricks", mit der man die Teuerungsrate beeinflussen könne.

Ganz so dramatisch ist es glücklicherweise nicht. Die Experten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden berechnen den sogenannten Verbraucherpreisindex, und man darf ihnen glauben, dass sie dies mit großem Aufwand und viel Sorgfalt tun. Jeden Monat ermitteln sie dazu rund 300.000 Einzelpreise der gleichen Produkte. Alle fünf Jahre führen sie zudem eine große Einkommens- und Verbrauchsstichprobe bei etwa 60.000 Haushalten durch.

Kühlschränke sind billiger geworden

Und dennoch gibt es Gründe dafür, dass viele Verbraucher nicht an die offizielle Inflationsrate glauben. "Teilweise ist das eine verzerrte Wahrnehmung", sagt Günther Elbel, zuständiger Referatsleiter beim Statistischen Bundesamt. "Bei Dingen, die man selten braucht, nimmt man auch die Preisentwicklung nicht so intensiv wahr." Das gelte zum Beispiel für Kühlschränke oder Autos. Gerade bei solchen Produkten sind die Preise allerdings nur moderat gestiegen oder sogar gefallen. Ein Laptop etwa kostet laut den Statistikern heute rund ein Drittel weniger als noch 2010, Kühlschränke sind immerhin fünf Prozent billiger geworden, und der Preis von Neuwagen ist in den vergangenen vier Jahren zumindest nahezu gleich geblieben.

Ein Grund für die statistische Verbilligung gerade bei technischen Produkten ist auch die sogenannte Qualitätsbereinigung. Hat ein neuer Laptop einen schnelleren Prozessor oder mehr Speicherplatz als das Vorgängermodell, wird dies von den Statistikern als Preissenkung gewertet, auch wenn der eigentliche Verkaufspreis gleich bleibt. Ähnlich ist es bei Autos, deren Standardausstattung sich verbessert. Sie werden vielleicht nominal teurer, es gibt aber auch mehr Qualität fürs Geld. All das rechnen die Statistiker mit ein - selbst wenn der Kunde nicht die Wahl hat, das Auto wirklich für weniger Euro zu kaufen.

Umgekehrt werden zwar auch Qualitätsverschlechterungen berücksichtigt - also zum Beispiel wenn beim Flugticket kein Essen mehr inklusive ist - allerdings sind die meist schwerer zu erfassen als Verbesserungen. Welche Fluggesellschaft meldet schon gerne freiwillig, dass sie Beinfreiheit für die Passagiere eingeschränkt hat.

Jeder Verbraucher hat seine eigene Inflationsrate

Eine weitere Erklärung für die Abweichung von gefühlter und gemessener Inflation sind unterschiedliche Konsumgewohnheiten. Um die Veränderung der Verbraucherpreise zu erfassen, stellen die Statistiker einen Warenkorb zusammen. Darin sind zum Beispiel Wohnkosten, Lebensmittel, Reisen und Kulturangebote vertreten. Alle fünf Jahre wird die Gewichtung der Produkte angepasst. So hat sich im Laufe der Zeit zum Beispiel der Anteil der Lebensmittel deutlich verringert. Mittlerweile machen sie in dem Rechenmodell nur noch gut zehn Prozent der Ausgaben aus. Ein deutlich größerer Anteil, knapp 32 Prozent, wird dagegen für Miete und Nebenkosten kalkuliert (siehe Grafik).

Ganz genau trifft dieser Warenkorb natürlich auf keinen Verbraucher zu. Bei manchen sind die Abweichungen sogar enorm. Wer insgesamt wenig Einkommen zur Verfügung hat, gibt zum Beispiel einen deutlich größeren Anteil seines Geldes für Lebensmittel und deutlich weniger für Reisen, Opernbesuche oder ein neues Auto aus. Entsprechend wird sich seine persönliche Inflationsrate von der durchschnittlichen deutlich unterscheiden. Um einen ungefähren Eindruck zu bekommen, wie stark die Abweichungen sind, kann man auf den Internetseiten des Statistischen Bundesamts seine persönliche Inflationsrate berechnen.

Manche Dinge schließlich fallen bei der offiziellen Inflationsberechnung völlig raus. Dazu gehören zum Beispiel alle Transaktionen zwischen Privatpersonen. Ob das Auto, dass ich gebraucht vom Vorbesitzer kaufe, teurer geworden ist, wird ebenso wenig berücksichtigt, wie der Preis für eine Eigentumswohnung oder ein Einfamilienhaus. Dabei sind gerade die in vielen Regionen zuletzt stark gestiegen.

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