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Luftfahrtindustrie stellt Fluglärm-Portal ins Internet


Neues Internetportal zu Fluglärm  

Hier dröhnt es

08.07.2014, 13:53 Uhr | Spiegel Online

Luftfahrtindustrie stellt Fluglärm-Portal ins Internet. Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen: Jets können Dächer abdecken und Anwohner um den Schlaf bringen (Quelle: dpa)

Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen: Jets können Dächer abdecken und Anwohner um den Schlaf bringen (Quelle: dpa)

Wie sehr stören Flugzeuge die Anwohner in Frankfurt, Berlin oder Weeze? Eine neue Internetseite der Luftfahrtindustrie verspricht Aufklärung. Doch Fluglärmgegner misstrauen den Werten. Sie messen auf eigene Faust.

Wer im Norden von Hamburg eine Wohnung mieten oder im Süden von Frankfurt ein Haus kaufen will, für den ist es oft eine entscheidende Frage: Wie schlimm ist der Fluglärm? Seit Jahrzehnten protestieren Bürger in der Nähe von Flughäfen gegen die Belastung durch startende und landende Maschinen. Neuerdings können sie sich dabei verstärkt auf medizinische Studien und Gerichtsurteile berufen.

Nun versucht die deutsche Luftfahrtbranche, in der Debatte selbst mehr Bürgernähe zu demonstrieren. Am Dienstag startet der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) unter der Adresse www.fluglärm-portal.de eine Informationsseite. "In der Diskussion um Fluglärm klaffen öffentliche Meinung und Fakten häufig weit auseinander", sagt BDL-Chef Klaus-Dieter Siegloch. Der Verband wolle "zu einer sachlicheren Debatte über das Thema beitragen".

Wie viele fühlen sich belästigt?

Die Motivation der im BDL zusammengeschlossenen Flughäfen und Airlines ist klar: Um weitere Einschränkungen wie das gerichtliche Nachtflugverbot in Frankfurt zu verhindern, beteuern sie ihren guten Willen. "Fluglärm ist bereits erfolgreich gemindert worden", sagt Siegloch unter Berufung auf das Umweltbundesamt. Dessen Umfragen zufolge sei die Zahl der Bürger, die sich von Fluglärm belästigt fühlten, innerhalb von zwölf Jahren von fast 15 auf sechs Prozent gesunken.

Berücksichtigt man allerdings auch Bürger, die sich nur "etwas" belästigt fühlen, ist fast ein Viertel der Deutschen betroffen. "Die Zahlen sind immer noch hoch", sagt René Weinandy, Lärmexperte beim Umweltbundesamt. Beim Rückgang könne verbesserter Lärmschutz eine Rolle gespielt haben. "Es könnte aber auch andere Erklärungen geben, etwa Rückgänge des Luftverkehrsaufkommens." Besonders der Frachtverkehr war infolge der Finanzkrise zeitweise deutlich zurückgegangen.

Gesundheitsgefahren durch Fluglärm

Das Umweltbundesamt hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Fluglärm gesundheitliche Risiken wie eine erhöhte Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen mit sich bringt. Auch der Deutsche Ärztetag kritisierte erst im Juni, die Politik habe in den vergangenen zwei Jahren keine Verbesserungen im Schutz gegen Fluglärm bewirkt. Zwar gibt es auch auf dem Fluglärmportal einen Abschnitt zu gesundheitlichen Gefahren. Allerdings heißt es dort, die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus seien "unter Wissenschaftlern noch umstritten".

Hilfreich ist die Seite dennoch, vor allem die Rubrik "Wo geschieht was". Hier sind für 22 deutsche Flughäfen von Friedrichshafen bis München wichtige Informationen zum Fluglärm gebündelt: In welchen Zeiten darf geflogen werden? Wie entwickelt sich die Zahl der Flugbewegungen? Wer ist der örtliche Lärmschutzbeauftragte?

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Wer über ein neues Heim in Flughafennähe nachdenkt, dürfte sich besonders für die Lärmkartierungen interessieren: Sie zeigen welche Dezibel-Belastungen im Umfeld eines Flughafens im Durchschnitt zu erwarten sind. Fluglärmgegner kritisieren allerdings, dass es sich dabei um errechnete Durchschnittswerte handelt. Der von Privatpersonen gegründete Deutsche Fluglärmdienst dokumentiert deshalb seit Langem über private Messstationen auch Spitzenwerte - schließlich sind gerade sie es, die Menschen aus dem Schlaf reißen. Auch Lärmexperte Weinandy sagt, Maximalpegel müssten stärker berücksichtigt werden.

Starts und Landungen live am Computer

Einen realistischeren Eindruck als die Lärmkarten bieten verschiedene Flugvisualisierungssysteme, die ebenfalls über das Portal erreichbar sind. Mit nur geringer Zeitverzögerung lassen sich hier alle Starts und Landungen an einem Flughafen interaktiv verfolgen. In Frankfurt, München und Hannover zeigen verschiedene Messstationen zudem, wie laut die vorbeifliegenden Maschinen gerade sind - nicht selten werden dabei "Fluglärmereignisse" jenseits der Grenzwerte registriert. Auch für die übrigen deutschen Airports zeigt die Visualisierung "Stanly_Track" der Deutschen Flugsicherung die Routenverläufe, allerdings ohne Lärmdaten.

Potenziellen Hauskäufer oder Neumietern könnte die Flugbeobachtung am Rechner bei der Entscheidung helfen. Was aber ist mit all jenen, die längst in der Nähe eines Flughafens leben und leiden? Sie könnten sich damit trösten, dass die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Fluglärm laut Wienandy auch eine Frage des Zeitgeists ist: "Früher hat man Lärm als Musik des Wohlstands verstanden."

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