Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Praktiker-Pleite schadet Baumarkt-Branche in Deutschland nicht

...

Ein Jahr nach der Praktiker-Pleite  

So steht es um die Baumarkt-Branche

10.07.2014, 12:10 Uhr | AFP, dpa

Praktiker-Pleite schadet Baumarkt-Branche in Deutschland nicht. Am 10. Juli 2013 meldete der Praktiker-Konzern, er sei überschuldet und zahlungsunfähig, am Tag darauf folgte der Insolvenzantrag (Quelle: dpa)

Am 10. Juli 2013 meldete der Praktiker-Konzern, er sei überschuldet und zahlungsunfähig, am Tag darauf folgte der Insolvenzantrag (Quelle: dpa)

Die Pleite der Baumarktkette Praktiker schockte vor einem Jahr die gesamte Branche. Heute sind Praktiker und die Tochtergesellschaft Max Bahr verschwunden. Anderen Baumärkten geht es dadurch besser.

Für Albrecht Hornbach, Chef der drittgrößten Baumarktkette in Deutschland, haben die Pleiten von Praktiker und Max Bahr auch ihre guten Seiten. "Das hat Druck aus dem Markt genommen", sagt Hornbach. Und weil die deutschen Heimwerker bei schönem Frühlingswetter eifrig pflanzten, hämmerten und sägten, konnte der Firmenchef für das erste Quartal des Geschäftsjahres ein Umsatzplus von 16 Prozent verkünden. Der Gewinn stieg noch deutlicher.

Ähnlich sieht es bei Hagebau aus: 16,7 Prozent flächenbereinigtes Umsatzplus der Märkte von Januar bis Mai. Mit den übernommenen Märkten von Praktiker und Max Bahr stieg der Außenumsatz um mehr als 35 Prozent. "Wir sind extrem gut in dieses Jahr gestartet", sagt Heribert Gondert, Sprecher der Geschäftsführung.

Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Stellenangebote

Wählen Sie die gewünschte Branche aus:


Rabattstrategie ruinierte Praktiker

Vor einem Jahr waren noch mehr als 300 Baumärkte unter den Namen Praktiker, Max Bahr sowie Extra-Bau+Hobby am Markt. Am 10. Juli 2013 meldete der Praktiker-Konzern, er sei überschuldet und zahlungsunfähig, am Tag darauf folgte der Insolvenzantrag. Der lange und kalte Winter 2013 hatte dem bereits ausgezehrten Unternehmen den Rest gegeben. Doch die wesentlichen Fehler hatten wechselnde Manager schon vorher gemacht. "20 Prozent auf alles" - die Rechnung ging nicht auf. Mit der Rabattstrategie ruinierte sich Praktiker das Image und die Marke und riss im Laufe langer Monate voller Rettungsversuche schließlich auch die Tochtergesellschaft Max Bahr mit in den Abgrund.

Das Insolvenzverfahren läuft noch und wird erst in einigen Jahren abgeschlossen sein. Wie hoch der Schaden ist und welche Insolvenzquote am Ende für die Gläubiger herauskommt, ist offen. Derzeit ermitteln die Staatsanwaltschaften Saarbrücken und Hamburg gegen ehemalige Vorstandsmitglieder wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, Thomas Reinhardt, der "Süddeutschen Zeitung". Unklar sei aber noch, welcher der zuletzt häufig wechselnden Vorstandschefs strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne. Dafür sei entscheidend, wann genau Praktiker zahlungsunfähig war. Dies soll nun ein Gutachten klären, Ergebnisse erwartet die Staatsanwaltschaft laut dem Bericht im Herbst.

Die meisten guten Standorte sind in die Hände anderer Betreiber übergegangen, oft ebenfalls Baumärkte. Obi und Bauhaus, Hagebau und Globus haben sich die Rosinen herausgepickt und die Märkte auf ihre Marken umgeflaggt. Auch Hornbach übernahm sechs Standorte. Zudem griffen andere Interessenten wie etwa Möbelhäuser, Küchenstudios oder Autohändler zu. Christopher Seagon, einer der drei Insolvenzverwalter, schätzt, dass von den 230 Märkten, für die er zuständig ist, bis zur Sommerpause 150 einen neuen Betreiber haben.

Max Bahr-Märkte komplett verkauft

Die Märkte von Max Bahr sind bereits komplett in neue Hände übergegangen. Mit dem Verkauf der Immobilie in Porta Westfalica seien im Zeitraum von sieben Monaten alle 67 früheren Max-Bahr-Standorte der Eigentümergesellschaft "Moor Park" verkauft, teilte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann in Hamburg mit. Vom Gesamtbestand wurde der größte Anteil von fast 40 Immobilien an Baumarktbetreiber abgegeben.

Mehrere der ehemaligen Max-Bahr-Immobilien seien bereits umgebaut und von den neuen Betreibern wieder eröffnet worden. "Durch den Verkauf von sämtlichen Moor-Park-Immobilien an renommierte Unternehmen aus der Baumarkt- und Möbelbranche sowie an einige Projektentwickler ist es gelungen, rund 2800 Arbeitsplätze neu zu schaffen", erläuterte Brinkmann. Damit sei ein Großteil der Arbeitsplätze erhalten worden.

Für die Arbeitnehmer steht die komplette Schlussbilanz jedoch noch aus. Sie soll Anfang August gezogen werden, bei einem Treffen der Geschäftsführer der Transfergesellschaften mit den Insolvenzverwaltern. Nach Erkenntnissen der Gewerkschaft Ver.di hatten 9500 Arbeitnehmer den Anspruch, in eine Transfergesellschaft übernommen zu werden. 7800 machten davon Gebrauch, von denen mehr als 60 Prozent in eine neue Arbeitsstelle vermittelt werden konnten. An manchen Standorten wurden die Mitarbeiter der Praktiker- oder Max-Bahr-Märkte einfach von den Nachfolgern übernommen, an anderen gab es ein Bewerbungsverfahren. Wie viele letztlich arbeitslos wurden, lässt sich nicht sagen. Unter dem Strich haben wohl die meisten einen neuen Job.

"Niemand vermisst Praktiker"

Für die Kunden ist das Verschwinden von Praktiker und Max Bahr ohnehin verkraftbar. "Niemand vermisst Praktiker, niemand hat Versorgungslücken", sagt Peter Wüst, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) in Köln. Auch steigende Preise müssen Verbraucher nicht fürchten, denn die Branche sei nach wie vor gesättigt und daher "preisagressiv" im Wettbewerb um die günstigsten Angebote, so Wüst im Gespräch mit t-online.de.

Die Branche werde insgesamt in diesem Jahr nicht oder nur wenig wachsen, trotz Umsatzplus von 8,5 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro im ersten Quartal. Auch das hat mit der Insolvenz zu tun. Zeitweise waren rund zehn Prozent der Baumarkt-Flächen in Deutschland nicht in Betrieb, ehe sie unter neuen Inhabern zum Teil wieder neu eröffnet wurden. Das bedeutet insgesamt gesehen Umsatzeinbußen.

Für den einzelnen Markt blieb aber mehr übrig. "Ein überwiegender Anteil der Umsätze der Praktiker-Gruppe kann aller Voraussicht nach in den aktiven Unternehmen der Baumarktbranche gebunden werden, die individuell mit deutlichen Zuwachsraten für das Geschäftsjahr 2014 rechnen", heißt es beim Verband. Wüst glaubt, dass die Zeit der Übernahmen erst einmal vorbei ist. "Wir hatten schon in den Jahren vor der Praktiker-Pleite eine schleichende Marktbereinigung durch Marktaustritte kleinerer Anbieter", sagt der Verbandsmanager. "Mir scheinen die Marktstrukturen jetzt erstmal stabil."

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018