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Paul Singer: Hedge-Fonds-Manager steckt hinter Argentinien-Pleite


Hedge-Fonds-Manager Paul Singer  

Der Mann, der hinter Argentiniens Pleite steckt

31.07.2014, 19:16 Uhr | rtr, t-online.de, dpa

Paul Singer: Hedge-Fonds-Manager steckt hinter Argentinien-Pleite. Paul Singer gilt als knallharter Hedge-Fonds-Investor (Quelle: Reuters)

Paul Singer gilt als knallharter Hedge-Fonds-Investor (Quelle: Reuters)

Die zweitgrößte südamerikanische Volkswirtschaft Argentinien ist erneut in die Staatspleite gerutscht. Schuld daran ist ein Rechtsstreit mit US-Hedge-Fonds. Genau genommen ist es ein 69-jähriger Milliardär, der das Eintreiben ausfallbedrohter Forderungen zu einem Geschäftsmodell gemacht hat.

Für die einen ist er ein Aasgeier, für die anderen ein Kämpfer für die gerechte Sache, der Schuldenstaaten ihre Grenzen aufzeigt: Paul Singer - 69, Milliardär und gnadenloser Hedge-Fonds-Investor. Sein Geschäftsmodell ist einfach und erfolgreich: Taumelt ein Schuldner, kaufen Fonds wie NML Capital aus Singers Firmenimperium Elliott dessen Anleihen gerne zu Schnäppchenpreisen auf und klagen dann auf volle Rückzahlung - dank eines Riesenheers von Anwälten auch häufig mit Erfolg.

Länder wie Peru, der Kongo oder zuletzt Argentinien können ein Lied davon singen, wie Schulden eingetrieben werden. Weil Argentinien sich weigerte, ihn auszuzahlen, versuchte Singer jahrelang Vermögenswerte rund um den Globus pfänden zu lassen - vom Stand auf der Frankfurter Buchmesse bis zur Präsidentenmaschine. 2012 reichte der lange Arm seines Hedgefonds tatsächlich aus, um eine argentinische Marine-Fregatte in einem Hafen in Ghana festsetzen zu lassen.

Unterstützer der Republikaner und Homosexuellen

Singer selbst sieht sich eher als großer Spender und Samariter. Seine Stiftung, die "Paul E. Singer Family Foundation", setzt sich für wohltätige Projekte ein, unterstützt Schulen, Kinder und die Polizei von New York. Die Hedge-Fonds-Legende mit dem grauen Vollbart soll laut Forbes-Liste etwa 1,5 Milliarden Dollar schwer sein und steht politisch den Republikanern nahe. Singer förderte Ex-Präsident George W. Bush und den für seine Null-Toleranz-Linie bekannten ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani.

Der "Handelszeitung" zufolge kämpft der Manager für die Rechte von Homosexuellen. Singer versucht, die Republikaner zugunsten der gleichgeschlechtlichen Ehe zu beeinflussen. Das Konzept der Schwulen- und Lesbenehe passe wunderbar zu seiner Vorstellung von Freiheit, habe er der "New York Times" in einem seiner seltenen Interviews gesagt.

S&P erklärt Argentinien für pleite

Dreizehn Jahre nach dem ersten Zahlungsausfall ist Argentinien am Morgen erneut in die Staatspleite geschlittert: Das südamerikanische Land verweigerte im Rechtsstreit mit den klagenden Hedge Fonds in New York die fristgerechte Auszahlung von über 1,3 Milliarden Dollar samt Zinsen. Die Bonitätswächter von S&P reagierten prompt und erklärten das Land für pleite. Die globale Finanzwelt dürfte dies anders als 2001 jedoch nicht erschüttern, zumal Argentinien nach zwei Schuldenschnitten praktisch vom internationalen Kapitalmarkt abgekoppelt ist. Doch dem rezessionsgeplagten Land droht Ungemach: "Die Folgen der Insolvenz sind unvorhersehbar", prophezeite der vom Gericht bestellte Schlichter Daniel Pollack.

Obwohl die Hedge Fonds um Paul Singer nur eine kleine Gruppe der Gläubiger stellen, hat die gescheiterte Schlichtung weitreichende Folgen: Durch Anordnung des New Yorker Richters Thomas Griesa dürfen vorerst alle übrigen Gläubiger nicht ausbezahlt werden, die bei Schuldenschnitten auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichtet hatten. Wegen dieser "Automatik" wird das Land nun paradoxerweise als pleite eingestuft, obwohl es sich für zahlungsfähig hält.

Wirtschaftsminister Axel Kicillof verwies vor Reportern darauf, dass die fällige Zinszahlung für die Anleihenbesitzer geleistet worden sei, die den Schuldenschnitt akzeptiert hatten. Diese haben jedoch kein Geld gesehen. Die entsprechende Summe in Höhe von 539 Millionen Dollar wurde auf Anordnung des Richters auf dem Konto eines Treuhänders eingefroren.

Private Banken wollten einspringen

Letzte Hoffnungen auf einen Kompromiss hatten sich in der Nacht auf Donnerstag zerschlagen. Ein Plan, die Pleite mit Hilfe privater Banken noch abzuwehren, misslang. Die von Argentinien als "Geierfonds" verspotteten Finanzhäuser hatten die nach US-Recht ausgegebenen Anleihen mit einem kräftigen Preisnachlass erworben, einen Schuldenschnitt verweigert und dann auf volle Auszahlung geklagt. Mit der Mehrzahl der Gläubiger hatte sich Argentinien dagegen arrangiert.

Zuletzt überwies das Land zudem eine erste Tranche zur Begleichung seiner Schulden bei einer anderen Gläubigergruppe. Die im Pariser Club zusammengeschlossenen Staaten, darunter auch Deutschland, erhielten 642 Millionen Dollar. Im Mai hatte sich das Land mit dem Pariser Club geeinigt, seine Schulden in Höhe von etwa 9,7 Milliarden Dollar binnen fünf Jahren zu begleichen.

Ob die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas im Schuldenstreit ohne Blessuren davonkommen wird, bleibt offen. Das Land hat mit geschätzten 30 Prozent eine der höchsten Inflationsraten der Welt und könnte noch tiefer in die Rezession rutschen, womit auch der Lebensstandard der Argentinier weiter sinken dürfte. Durch den Makel der Zahlungsunfähigkeit dürften zudem Investoren abgeschreckt und die Landeswährung Peso ins Trudeln geraten.

Die Argentinier, die auf die Pleite Anfang des Jahrhunderts mit Unruhen und einem Ansturm auf die Banken reagiert hatten, hoffen dennoch auf ein glimpfliches Ende: "Wir waren schon einmal in der Klemme und werden es wieder durchstehen", sagte ein 27-jähriger Angestellter einer Automobilfirma trotzig. Auch der Staat ist nicht so klamm wie damals, da er Devisenreserven in Höhe von 29 Milliarden Dollar angehäuft hat. Die Regierung kann sich allein damit noch rund fünf Monate über Wasser halten.

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