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Job-Kahlschlag droht: Finanzinvestor droht WMF kaputt zu sparen

Job-Kahlschlag geplant  

Finanzinvestor droht WMF kaputt zu sparen

01.08.2014, 14:19 Uhr | Rebecca Eisert - WiWo

Job-Kahlschlag droht: Finanzinvestor droht WMF kaputt zu sparen. WMF-Beschäftigte demonstrieren gegen den geplanten Stellenabbau: Der Finanzinvestor KKR will 700 der fast 6100 Arbeitsplätze streichen (Quelle: dpa)

WMF-Beschäftigte demonstrieren gegen den geplanten Stellenabbau: Der Finanzinvestor KKR will 700 der fast 6100 Arbeitsplätze streichen (Quelle: dpa)

Die US-Heuschrecke KKR bringt das verschlafene Städtchen Geislingen zum Kochen: Beim Topf- und Besteck-Hersteller WMF drohen Entlassungen und Sparpakete. Geht hier ein weiteres Traditionshaus aus Gier vor die Hunde? Oder beweisen die Investoren Weitblick?

Es scheppert und klappert, dass den Silit-Mitarbeitern nur so die Ohren klingeln. Den Schmerz nehmen sie gern in Kauf. Mit voller Wut schlagen die 600 Männer und Frauen mit Rührlöffeln auf Töpfe, lassen Deckel wie Orchester-Becken gegeneinander krachen. Kein "billiges Klump" wie man in dem schwäbischen Landstrich sagt, sondern Qualitätsgeschirr von Silit und WMF hält für die Kakophonie her. Auf den Plakaten der Demonstranten steht: "Holt den Kammerjäger, Heuschrecken KKR im Ländle."

30 Millionen Euro einsparen

Über 160 Jahre ist die Württembergische Metall Warenfabrik WMF alt. Die meisten kennen sie aus Sammelpunkte-Aktionen der Rewe-Supermärkte. 30 Kleber plus 10 Euro für eine Qualitätspfanne. Ein Schnäppchen. Der Riedlinger Ableger Silit kam in der 50ern dazu. Der Schnellkochtopf der Marke ist zum Gattungsbegriff geworden wie Tempo für Taschentücher.

In den von Streuobstwiesen umsäumten Städtchen am Fuße der schwäbischen Alb ging es bisher ruhig und beschaulich zu. Doch seit einigen Wochen hat man das Gefühl, in einem Sicomat zu stecken. Betriebsräte und Angestellte der Haushaltswarenhersteller stehen kurz vor dem Platzen.

Grund sind die Ankündigungen des WMF-Mehrheitseigentümers KKR. 30 Millionen Euro sollen die Geislinger und ihre Kollegen in Riedlingen, Wertheim und Altensteig pro Jahr einsparen. Die bisher 33 Logistikzentren sollen auf zwei Standorte gebündelt, 50 Filialen geschlossen werden. 100 der 300 Arbeitsplätze in Riedlingen werden gestrichen. Für die strukturschwache 10.000-Seelen-Gemeinde ein Schlag in die Magengrube.

Keine Zeit für besonnenen Umbau

500 Stellen sollen in Geislingen fallen - je nach dem wie man befristet Verträge und ausgelagerte Bereiche der WMF dazurechnet - ist damit rund ein Fünftel der in Geislingen Beschäftigten betroffen. Die Private-Equity-Truppe aus New York hat die langen Messer ausgepackt und schneidet tief ins Fleisch des Traditionshauses. Die Manager nennen die Maßnahmen notwendig für die neue Ausrichtung.

"Die Strukturen, die wir heute haben, lähmen uns", verteidigte WMF-Vorstandschef Peter Feld den Abbau. Die Zahl der Produkte will er von 40.000 auf deutlich unter 25.000 senken: "Wir brauchen nicht noch einen siebten Salzstreuer." Zudem benötigt er anderes Personal, um die asiatischen Wachstumsmärkte besser bearbeiten zu können.

Fakt ist: Investor KKR will den Wert der WMF so schnell wie möglich verdoppeln, um das Unternehmen gewinnbringend wieder zu verkaufen. WMF steckt in keiner Ertragskrise, auch wenn man 2013 etwas weniger Umsatz und Gewinn verbuchte. KKR fehlt schlicht die Zeit, die Strukturen langsam und sozialverträglich zu ändern, so wie es vielleicht ein mittelständisches Familienunternehmen tun würde. Auch die Bonusanreize der WMF-Manager sind darauf ausgelegt, jetzt möglichst schnell möglichst viel Rendite zu erwirtschaften.

Rendite maximieren und mit Gewinn abstoßen

2012 haben sich Kohlberg Kravis Roberts & Co. - so der vollständige Name der Finanzinvestoren - in Geislingen eingekauft. Zu der Zeit hatte die WMF bereits mehrere Investoren kommen und gehen sehen. Die Familie Siegle, fast hundert Jahre lang Mehrheitsaktionärin der WMF, hatte ihre  Anteile 1980 an die Rheinmetall Berlin verkauft, von dort gingen sie an die Helvetic-Gruppe und die Deutsche Bank, Munich Re und Württembergische Versicherungen.

2006 trat die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis an die Stelle der vier Mehrheitsgesellschafter und teilte sich das Sagen mit der österreichischen Fiba-Gruppe, die bis heute an der WMF beteiligt ist. Im Juli 2012 übernahm KKR die Capvis-Anteile und stockte mit Hilfe weiterer Fiba-Scheine seinen Anteil an den Stammaktien auf 72 Prozent auf.

KKR sind keine Unbekannten. Manche nennen sie Heuschrecken, andere Barbaren oder Haie. Sie kaufen sich bei meist schwächelnden Unternehmen ein, maximieren die Rendite und verkaufen wieder. Die Sanierungsmaßnahmen sind meist hart, haben aber auch manches Unternehmen gerettet. Den Gabelstaplerbauer Kion hat KKR erfolgreich an die Börse gebracht.

Anders beim Frankfurter Telefonanlagenbauer Telenorma. Dort hat KKR zwar gewütet, aber nichts bewegt. Die Werkstatt-Kette A.T.U haben die Investoren in die Fast-Pleite getrieben.

"Kleine Sparkasse kann auch groß"

Was kann, was darf man von einem solchen Investor also erwarten? Die Kreissparkasse Göppingen, die KKR einen 150-Millionen-Euro-Kredit für den Einstieg bei der WMF bewilligte, glaubte offenbar an das Gute in Kohlberg, Kravis und Roberts. Eine gewisse Naivität muss man den Vorständen wohl unterstellen. Denn dass die Investoren früher oder später den Kredit in Form von Schulden auf das Konto der WMF buchen würden und damit sowohl die Eigenkapitalquote als auch die Rendite stark belasten würden, hätte den Finanzexperten bewusst sein müssen. Sie aber hielten KKR für keine Heuschrecke, warben sogar damit, dass man als "kleine Sparkasse" auch "groß könne".

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