Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Anleihen >

US-Richter ordnet an: Argentinen soll mit Hedge Fonds reden


US-Richter ordnet an  

Argentinen soll mit Hedge Fonds reden

02.08.2014, 13:37 Uhr | AFP, rtr, t-online.de

US-Richter ordnet an: Argentinen soll mit Hedge Fonds reden. 83-jähriger Richter Griesa verordnet Argentinien Gesprächsbereitschaft mit Hedge Fonds (Quelle: Reuters)

83-jähriger Richter Griesa verordnet Argentinien Gesprächsbereitschaft mit Hedge Fonds (Quelle: Reuters)

Im Schuldenstreit zwischen Argentinien und zwei US-Hedge-Fonds hat ein Bundesgericht in New York eine Wiederaufnahme der Verhandlungen angeordnet. Richter Thomas Griesa wies bei einer Anhörung zudem einen Antrag der Anwälte von Buenos Aires ab, einen neuen Schlichter zu benennen.

Die Verbindlichkeiten hätten sich weder aufgelöst noch verringert, sagte Griesa. Zugleich kritisierte er die Entscheidung der Regierung in Buenos Aires scharf, die Forderungen mehrerer Hedge Fonds über 1,33 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) zuzüglich Zinsen nicht zu erfüllen und als Folge in die Staatspleite zu rutschen.

Schon vor der Anordnung des Richters hatte Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof erklärt, offen für weitere Gespräche mit den klagenden Hedge Fonds zu sein. Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner signalisierte jedoch, in der Sache weiter hart bleiben zu wollen.

Anleihen mit Abschlag aufgekauft

Der Streit um die Schuldenrückzahlung ist eine Spätfolge der argentinischen Staatspleite vor zwölf Jahren. Während in den folgenden Jahren die meisten Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichteten und ihre Anleihen umtauschten, kauften die Hedge Fonds NML Capital, Elliott Management und Aurelius Capital Management die ursprünglich ausgegebenen Bonds mit einem kräftigen Abschlag und verlangen jetzt die komplette Auszahlung. Argentinien kann sich dies nach eigener Darstellung nicht leisten.

Wie Richter Griesa argumentierte, hätten Argentinien und die Fonds die Pflicht, weiter mit dem von ihm bestellten Schlichter Daniel Pollack zusammenzuarbeiten. Die Regierung in Buenos Aires hatte den Anwalt zuvor als "inkompetent" bezeichnet.

Zudem forderte der Richter von den Anwälten Argentiniens, Schritte zu unternehmen, um irreführende Informationen von Buenos Aires zu beenden. Damit spielte er auf Aussagen argentinischer Regierungsvertreter an, die behauptet hatten, ihr Land komme allen Verpflichtungen als Schuldner nach.

So ist nach Auffassung Argentiniens keine Staatspleite eingetreten, weil das Land fällige Zinszahlungen auf ein Treuhandkonto überwiesen hatte. Griesa hatte diese Zahlung im Juni gestoppt und entschieden, dass es zuerst eine Einigung mit den Hedge Fonds geben müsse. Diese hat die Regierung mehrfach als "Aasgeier" bezeichnet. Die Fonds bekommen trotz ihres Erfolges vor Gericht vorerst kein Geld.

Versicherte Anleihe-Inhaber dürfen hoffen

Aufatmen können unterdessen Inhaber von Kreditausfallversicherungen. Der Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (Isda) stellte fest, dass es sich bei dem lateinamerikanischen Land um einen Zahlungsausfall handele. Dieser sei bereits am Mittwoch eingetreten, weil fällige Zinsen für bestimmte Anleihen nicht gezahlt worden seien. Die Entscheidung des 15-köpfigen Gremiums der Isda fiel einstimmig. Experten schätzen den Wert der Versicherungen (Credit Default Swaps) auf eine Milliarde Dollar.

Die Finanzmärkte in Argentinien fingen sich am Freitag wieder. Der Aktienindex Merval verzeichnete im Mittagshandel ein Plus von 1,7 Prozent. Der Londoner Anleihen-Fondsmanager Ander Faergemann sagte, die Marktteilnehmer schätzten es als sehr wahrscheinlich ein, dass sich Argentinien in den kommenden sechs Monaten mit den Hedge Fonds einigen werde: "Die Auswirkungen auf den Markt könnten von kurzer Dauer sein."

Banken-Vereinbarung gescheitert

Kurz vor der Zuspitzung des Konfliktes hatten sich noch argentinische Banken zusammengetan, um das Geld an die Hedge Fonds auszuzahlen und so eine Staatspleite abzuwenden. Die Vereinbarung scheiterte aber. Argentinischen Medienberichten zufolge gibt es inzwischen neue Versuche von JP Morgan Chase und anderen Banken. Das Geldinstitut kommentierte die Berichte nicht.

Nachdem Ratingagenturen Argentinien als "eingeschränkt zahlungsunfähig" eingestuft hatten, erklärte die argentinische Präsidentin: "Man hat den eingeschränkten Zahlungsausfall erfunden, er existiert nicht."

Die drittgrößte lateinamerikanische Volkswirtschaft hinter Brasilien und Mexiko steckt in der Rezession. Die Inflation zählt zu den höchsten der Welt. Zwar befürchtet kaum jemand in dem Land, dass es wie 2002 zu Unruhen kommt und Bürger die Banken stürmen. Doch die Regierung wird voraussichtlich die Importe beschränken und Kapitalkontrollen verschärfen, um ihre Devisenreserven zu schonen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
New Collection - Daisies & Stripes
bei TOM TAILOR
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal