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Branche unter Druck: Preiskampf bei den Fensterputzern

Branche unter Druck  

Preiskampf bei den Fensterputzern

04.08.2014, 09:36 Uhr | dpa

Branche unter Druck: Preiskampf bei den Fensterputzern. Gebäudedienstleistungen wie Fensterputzen sind ein Milliardenmarkt - entsprechend hart ist der Wettbewerb (Quelle: dpa)

Gebäudedienstleistungen wie Fensterputzen sind ein Milliardenmarkt - entsprechend hart ist der Wettbewerb (Quelle: dpa)

Kaum ein Unternehmen kümmert sich heute noch selbst um die genutzten Gebäude - das erledigen externe Dienstleister. Sie organisieren die Reinigung der Büros, das Putzen der Fenster, die Bewachung und den Betrieb der Kantine. Der Markt mit Gebäudedienstleistungen ist milliardenschwer, entsprechend viele Dienstleister wollen ein Stück vom Kuchen abhaben - und das geht meist nur noch über den Preis.

Fast zehn Milliarden Euro Umsatz haben die 25 führenden Anbieter 2013 im Inland erzielt, berichtet das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk. Putzen und Kochen war allerdings gestern - die Zukunft des "Facility Managements" liegt eher in der Energieberatung und der umfassenden Optimierung von Prozessen.

Die Anbieter bewegen sich in einem harten Wettbewerb. Bei den Großunternehmen seien die Möglichkeiten nahezu ausgereizt, sagt Ralf Hempel, Chef der Gebäudesparte beim mittelständischen Frankfurter Unternehmen Wisag. Die Konzerne hätten nahezu alle infrage kommenden Leistungen fremdvergeben und schrieben diese in immer größeren Bündeln aus, häufig etwa für alle Niederlassungen in Deutschland oder gar in Europa. "In dem Markt findet kein Wachstum mehr statt, nur noch Verdrängung."

Hohe Arbeitsbelastung

Die Folge sei einer mörderischer Preiskampf zulasten der Qualität. Eine Reinigungskraft müsse inzwischen pro Stunde mehr als 300 Quadratmeter Büro schaffen, sagt Hempel. Wisag will sich künftig auf den Mittelstand konzentrieren, der noch viele Tätigkeiten selbst erbringe und zudem bereit sei, für gute, verlässliche Dienstleistungen anständig zu bezahlen. Die Kunden proaktiv zu möglichen Verbesserungen zu beraten, lautet ein weiterer Tipp aus einer aktuellen Trendstudie der Universität Koblenz-Landau.

Eine andere Antwort ist die Konzentration - auch wenn die Bedeutung von Zusammenschlüssen und Übernahmen 2013 etwas zurückgegangen ist, wie Lünendonk-Experte Jörg Hossenfelder berichtet. "Nach vielen Übernahmen und Fusionen in den zurückliegenden Jahren setzte eine Konsolidierung ein. In den kommenden Jahren werden Übernahmen und Fusionen indes wieder zunehmen."

Branchengrößen oft im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt

Viele führende Unternehmen haben ihr Hauptquartier oder ihre Deutschlandzentrale im Rhein-Main-Gebiet: Dazu gehören der britische Weltmarktführer Compass Group in Eschborn, der in Deutschland rund 16.000 Mitarbeiter vor allem im Catering-Bereich beschäftigt, aber auch Reinigung und Transportdienstleistungen anbietet.

Für einen umfassenden Auftrag an acht deutschen Standorten des Energieriesen Alstom hat Compass mit der Kölner Cofely eine Kooperation vereinbart, um das gesamte Spektrum anbieten zu können. Ein Modell mit Zukunft, meint Compass-Manager Oliver Ringleben.

Ein ähnliches Portfolio wie die Briten bietet der französische Konkurrent Sodexo, der mit 428.000 Mitarbeitern 2013 weltweit 18,4 Milliarden Euro umsetzte und im Juli seine Umsatzerwartungen zusammenstreichen musste. Von Rüsselsheim bei Frankfurt aus werden rund 17.000 Mitarbeiter in Deutschland gesteuert.

Baukonzern will lieber Dienstleister sein

Radikal auf Dienstleistung umgetrimmt wird der mehr als 120 Jahre alte vormalige Baukonzern Bilfinger SE. Der 2011 in Mannheim angetretene Vorstandschef Roland Koch will die Bausparten des Traditionsunternehmens lieber heute als morgen weitgehend loswerden und setzt stattdessen auf den Betrieb von Kraftwerken oder Industrieanlagen. Mit der Bilfinger Facility Services GmbH ist zudem die Immobilienbewirtschaftung im Angebot. Gewerbeparks, Einzelhandelszentren, Rechenzentren oder Krankenhäuser werden von Frankfurt aus betrieben und unter anderem energetisch optimiert.

Der forsche Kurs des früheren hessischen Ministerpräsidenten bei Bilfinger erlitt vor wenigen Tagen aber einen herben Rückschlag. Koch musste wegen Problemen in der Kraftwerkssparte seine Gewinnprognose zusammenstreichen und wurde in der Folge von der Börse mit einem kräftigen Kursrutsch abgestraft. Im von familiengeführten Unternehmen wie Dussmann aus Berlin oder Piepenbrock aus Osnabrück geprägten deutschen Markt ist Bilfinger FS immer noch das einzige Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Zu den Familienunternehmen zählt auch die 1965 von dem Frankfurter BWL-Studenten Claus Wisser als Ein-Mann-Unternehmen gegründete Wisag. Mit zuletzt über 800 Millionen Euro Jahresumsatz gehört der Konzern mit mehr als 30.000 Beschäftigten inzwischen zu den führenden Immobilien-Dienstleistern in Deutschland.

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