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Experten beurteilen das Thema Finanzkrise unterschiedlich


Steht der nächste Crash bevor?  

Experten beurteilen das Thema Finanzkrise unterschiedlich

05.08.2014, 19:14 Uhr | t-online.de

Experten beurteilen das Thema Finanzkrise unterschiedlich. Die Anlage-Experten Markus Steinbeis (li.) und Frank Wieser sind beim Thema Finanzkrise keineswegs einer Meinung (Quelle: V-Bank/dpa)

Die Anlage-Experten Markus Steinbeis (li.) und Frank Wieser sind beim Thema Finanzkrise keineswegs einer Meinung (Quelle: V-Bank/dpa)

Die sogenannten Crash-Propheten sahen sie schon häufiger kommen: Die nächste Finanzkrise. Blutig wird sie sein, das sagte Marc Faber unlängst. Auch die Ukraine-Krise steuerte ihren Teil zu dieser Meinung bei. Doch passiert ist bisher nichts. Steht die nächste Finanzkrise nun bevor oder nicht?

In unserer exklusiven Experten-Debatte stehen sich Markus Steinbeis, Leiter Fondsmanagement bei Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München, und Frank Wieser, Geschäftsführer der Packenius, Mademann und Partner GmbH, gegenüber und liefern Argumente, die dafür und dagegen sprechen, dass ein neuer Crash bevorsteht. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.


PRO CRASH: Schulden mit Schulden begleichen führt zur Destabilisierung

Markus Steinbeis (Quelle: V-Bank)

Von Markus Steinbeis

Die Finanzkrise scheint vorbei zu sein. Die Mehrheit der Anleger erwartet eine Art Normalisierung der US-Wirtschaft nach dem schwachen ersten Quartal. Im Windschatten - so die weitläufige Meinung - sollte sich Europa stabilisieren und Asien zu alten Wachstumsraten zurückkehren. Die Folge wäre neben anziehenden Inflationsraten und Zinsen eine Aufwärtsbewegung der Unternehmensgewinne, die wiederum höhere Aktienkurse rechtfertigen würden.

Wir sind etwas zurückhaltender bei der Beurteilung der makroökonomischen Aussichten und einige Indikatoren bestätigen unsere Sichtweise. In den USA enttäuscht weiterhin die Investitionsgüternachfrage und der für den US-Konsum so wichtige Häusermarkt zeigt erste Schwächen. In Europa bereiten mittlerweile auch wichtige deutsche Frühindikatoren Sorgen. Der Ifo-Index ist im Juli zum dritten Mal in Folge gefallen. Offensichtlich läuft die Konjunktur auch in Deutschland nicht mehr ganz so rund wie zu Jahresbeginn. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr auf 3,4 Prozent nach unten korrigiert. Als Begründung nennt der IWF das abgeschwächte Wachstum von China bis zu den Vereinigten Staaten und das zunehmende Risiko eines Sprungs bei den Ölpreisen aufgrund von militärischen Konflikten.

Keine Frage, die Weltwirtschaft hat sich stabilisiert, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Notenbanken stellen weltweit frisch gedrucktes Geld in noch nie gesehenem Ausmaß zur Verfügung und drücken damit die Zinsen. Was die Sparer ärgert, hält marode Staaten und Unternehmen am Leben. Der Zins als Korrektiv einer Marktwirtschaft wurde außer Kraft gesetzt.

Und jetzt sind wir beim Thema. Waren nicht Schuldenexzesse Ursache der Verwerfungen? Leider muss man feststellen, dass die Schuldenquoten in den vergangenen Jahren nicht gesunken, sondern deutlich gestiegen sind. So ist die Schuldenquote in Euroland von 66,3 Prozent in 2007 auf 92,6 Prozent in 2013 geklettert, in den USA von 60,8 Prozent auf 111,8 Prozent. Das Problem der Überschuldung wurde also mit noch mehr Schulden bekämpft. Die Notenbanken haben Zeit gekauft und Symptome bekämpft. Die nächste Krise startet also auf einem höheren Schuldenberg als im Jahr 2007 und die Möglichkeiten des Gegensteuerns sind dann limitiert. Die Zinspolitik der Notenbanken hat ihre Grenzen erreicht und den meisten Staaten fehlt es an fiskalpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten.

Wir befinden uns also in einer Phase der Stabilisierung, doch dieses instabile System schreit irgendwann nach einer Lösung. Noch basiert vieles auf Vertrauen. Auf das Vertrauen, dass die Notenbanken als Geldgeber der letzten Instanz das Schlimmste verhindern. Da die politische Klasse sich weiterhin hartnäckig den nötigen Strukturreformen verschließt, wird das auch auf absehbare Zeit so bleiben. Die Krise ist also keineswegs vorbei und man tut weiterhin gut daran an das Undenkbare zu denken. Nur das Timing bleibt schwierig.

CONTRA CRASH: Warum die Crash Propheten irren

Frank Wieser (Quelle: V-Bank)

Von Frank Wieser

Jetzt ist auch noch die Ukraine Krise dazugekommen und in Portugal wackelt eine der größten Banken – steht Europa vor der nächsten Krise? Ich meine, dass viele Fakten gegen den "Weltuntergang" sprechen:

Die Eurozone insgesamt macht Fortschritte. Griechenland ist kein Thema mehr und Spanien, Portugal und Irland haben ihre Hausaufgaben gemacht. Deren Strukturreformen zeigen erfreuliche Erfolge, die man an der Dynamik der Frühindikatoren ablesen kann. So ist das Wirtschaftsklima in Spanien in etwa wieder auf einem Stand vor Ausbruch der Krise. Portugal hat inzwischen sogar einen Leistungsbilanzüberschuss und Spanien eine Schuldenbremse in der Verfassung. Italien hat mit Strukturreformen begonnen, die insbesondere den Staatshaushalt betreffen. Wer fehlt, ist noch Frankreich, dort gibt es immerhin durch einen reformfreudigeren neuen Premier neue Hoffnung.

Doch sollte Frankreich weiterhin der Nachzügler bleiben, so wäre das bedauerlich. Dieser Fakt würde das Wachstum der Eurozone aber nur leicht dämpfen. Man stelle sich vor, Frankreich würde sich bald zu echten Reformen durchringen...

Bis auf Zypern haben alle europäischen Staaten, die unter dem Rettungsschirm waren, die Rezession hinter sich gelassen. Der Arbeitsmarkt der Eurozone dreht zwar im Schneckentempo. So ist die Arbeitslosenquote seit Februar lediglich um 0,1 Prozent zurück gegangen. Das ist aber eher saisonalen Gesichtspunkten geschuldet. Aber gerade der Arbeitsmarkt ist auch ein gutes Zeichen dafür, dass durchgeführte Reformen wirken. Als positives Beispiel sei Spanien genannt. Dort ging die absolute Zahl der Arbeitslosen binnen Jahresfrist um ca. fünf Prozent zurück. Die Dynamik nimmt weiter zu.

Die Inflation ist unverändert auf niedrigstem Niveau und es zeigt sich immer mehr, dass im Nachgang großer Finanzkrisen Verbraucher und Unternehmen Liquidität suchen. Die Notenbanken behalten dadurch unverändert Spielraum und einem moderaten Wirtschaftswachstum steht weiterhin nichts im Wege. Die niedrige Inflation und die mangelnden Anlagemöglichkeiten treiben den Konsum und damit das Wachstum. Der deutsche Konsumklimaindex steht auf dem höchsten Stand seit Dezember 2006 und die Wachstumsprognosen für die Eurozone sind um etwa 0,5 Prozent höher als für 2014.

Mein Fazit: Die OECD hat in ihrem jährlichen Bericht "Going for Growth" konstatiert, dass die Krise als Katalysator für Strukturreformen gewirkt hat. Die gesamte Eurozone profitiert heute davon und in Kombination mit einem erfreulichen Wirtschaftswachstum gibt es keine echten Gründe, warum das nicht auch in Zukunft so sein sollte.

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