Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Fonds und ETF >

Nachhaltige Geldanlage – Modethema oder Investmenttrend?


Experten-Kolumne  

Nachhaltige Geldanlage – Modethema oder Investmenttrend?

18.08.2014, 15:50 Uhr | von Marc Pietzonka für t-online.de

Nachhaltige Geldanlage – Modethema oder Investmenttrend?. Studien zufolge erzielen Unternehmen, die Nachhaltigkeitskriterien einhalten, oft eine überdurchschnittliche Rendite (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Studien zufolge erzielen Unternehmen, die Nachhaltigkeitskriterien einhalten, oft eine überdurchschnittliche Rendite (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Würden Sie beim Stichwort "nachhaltiges Investment", also Geldanlage nach ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien, sofort an Aktien von Ölkonzernen oder Banken denken? Wahrscheinlich eher nicht. Dennoch zählen zum Beispiel die Aktien von Total S.A. und Banco Santander zu den größten Positionen im Nachhaltigkeitsindex "Dow Jones Sustainability Europe Index". Etikettenschwindel?

Nachhaltiges Investieren ist kein neues Prinzip. Bereits im 18. Jahrhundert gab es religiöse Gemeinschaften, die Abstand nahmen von Beteiligungen an bestimmten Unternehmen, zum Beispiel Waffenhändlern. Aber erst die Gründung erster "Ökobanken" und "Ökofonds" in den 1980er und 1990er Jahren machte das Thema populär.

Produktpalette wächst

Die Diskussionen um die Globalisierung und den Klimawandel lassen das Konzept des verantwortungsbewussten Investierens aktueller denn je erscheinen. Die Finanzbranche hat längst reagiert, bietet ein breites Spektrum nachhaltiger Anlageinstrumente, von der Aktie, über Anleihen und Fonds bis zu Einlagen bei "Ökobanken". Welche hohe Bedeutung dem Thema zugemessen wird, zeigt sich in der wachsenden Zahl von Nachhaltigkeits-Ratings, Studien und Datenbanken.

Allein der Wirtschaftsdienst Thomson Reuters stellt Nachhaltigkeits-Ratings für über 4000 Firmen zur Verfügung und beschäftigt mehr als 120 Angestellte speziell für dieses Thema. Aus Reputationsgründen geben viele Unternehmen die Daten in eigenen CSR-Berichten ("Corporate Social Responsibility") freiwillig preis.

Nachhaltigkeit ist gut für die Rendite

Studien zufolge erzielen Unternehmen, die Nachhaltigkeitskriterien einhalten, oft eine überdurchschnittliche Rendite. Dies ist auch leicht nachvollziehbar: Firmen, die sozial und ökologisch verantwortlich handeln, genießen einen guten Ruf bei Kunden und Kreditgebern, was wiederum die Motivation der Mitarbeiter und des Managements fördert. Verstöße gegen ethische und ökologische Normen werden dagegen weltweit verstärkt mit Auflagen und Geldstrafen geahndet.

Fondsmanager und Index-Betreiber stellen ihr Nachhaltigkeitsportfolio aber nach sehr unterschiedlichen Methoden zusammen. Die einen arbeiten mit Negativlisten, die zum Beispiel Engagements in bestimmten Branchen wie Waffenhandel ausschließen. Andere Produktanbieter setzen auf positives Screening. Dazu gehört auch der bei vielen Nachhaltigkeitsindizes, wie dem "Dow Jones Sustainability Europe Index“, angewandte “Best-in class"-Ansatz. Hier werden jeweils die nachhaltigsten Unternehmen der einzelnen Branchen identifiziert. Bei einigen Branchen führt dieser Ansatz dazu, dass das "am wenigsten schädliche" Unternehmen ausgewählt wird.

Der "Nachhaltigkeitsstempel“ wird damit aber in der Investmentbranche vielen Produkten leichtfertig aufgedrückt, meist aus Marketinggründen, um den lahmenden Vertrieb anzutreiben. Kurios wird es, wenn sogenannte Carbon-Overlays angeboten werden: Dabei kauft der Anleger Emissionsrechte, mit denen er das Portfolio CO2-neutral stellen kann. Dies ist schon sehr weit weg von der Grundidee des nachhaltigen Investierens und hilft eher den Banken als der Umwelt.

Unübersichtlicher Markt fordert den Anleger

Das Angebot nachhaltiger Anlageprodukte wächst weiter. Was fehlt ist leider mehr Übersichtlichkeit und Transparenz. Hilfreich für Verbraucher wäre ein verlässliches Qualitätssiegel für nachhaltige Investmentprodukte, wie es das Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. schon seit geraumer Zeit plant.

Letztendlich bleibt aber jeder Einzelne gefordert, für sich zu entscheiden, wie er Nachhaltigkeit definiert. Anleger sollten Produktstrukturen und Anlagebedingungen hinterfragen sowie bei Bedarf Beratung in Anspruch nehmen. Nur so kann das Depot neben der Rendite auch nach ökologischen und ethischen Kriterien nachhaltig werden.

Marc Pietzonka (Quelle: V-Bank)Marc Pietzonka (Quelle: V-Bank) Marc Pietzonka ist seit Juli 2014 bei der KSW Vermögensverwaltung AG, wo er für Compliance-Themen der KSW zuständig ist. Außerdem bringt er seine analytischen Fähigkeiten und Erfahrungen bei der Betreuung von Vermögensverwaltungsmandaten ein. Der studierte Diplom-Kaufmann (FH) und "Chartered Financial Analyst" arbeitete mehrere Jahre in verschiedenen Abteilungen von Großbanken, unter anderem bei der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank AG in Frankfurt.

 -- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal