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Gastkolumne: Australien findet sein Glück


Gastkolumne  

Australien – Ein Kontinent findet sein Glück

25.08.2014, 14:58 Uhr | von Ekkehard Wiek für t-online.de

Der Gelehrte Donald Horne, einer der herausragenden Intellektuellen Australiens schrieb vor einem halben Jahrhundert über den fünften Kontinent: "Australien ist ein glückliches Land, das größtenteils von zweitklassigen Typen regiert wird, die hoffen, dass sein Glück auf sie abfärbt." Nun steht es uns nicht zu, die Qualität der australischen Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten zu beurteilen, so wie es Professor Horne einst tat. Doch muss man festhalten, dass es zeitweise durchaus Tendenzen gab, mit dem Glück des Landes nicht angemessen umzugehen.

Segen und Fluch des Reichtums

Australien ist unfassbar reich an Bodenschätzen. Auf dem fünften Kontinent liegt mehr Kohle, Erz, Gold und Uran als in den nächsten hundert Jahren verkauft werden könnte. Hinzu kommen riesige Mengen an unkonventionellem Gas, die gerade erst exploriert werden und deren Vorkommen noch nicht abgeschätzt werden können. Und genau dieser Reichtum hat das Land lange Zeit verführt und nachlässig gemacht.

Im menschenleeren entlegenen Nordwesten des Landes, dort wo die großen Lagerstätten der Rohstoffe überwiegend zu finden sind, konnte man in den letzten Jahrzehnten steinreich werden. Dazu musste man nicht Minenbesitzer sein, es reichte, wenn man einen Führerschein besaß. Handwerker oder Lastwagenfahrer konnten im Outback hohe sechsstellige Gehälter verdienen, wenn sie bereit waren, den Staub, die Hitze und die Einsamkeit rund um die Minen zu ertragen.

Die Anziehungskraft der Rohstoff-Eldorados war so groß, dass man Sydney oder Melbourne wochenlang auf einen Klempner oder Elektriker warten musste, denn die meisten Handwerker zogen die lukrativen Verträge im Bergbau vor. Krankenschwestern oder Lehrer litten unter den Verhältnissen, vom Rohstoff-Boom spürten sie vor allem die steigenden Preise für Lebenshaltung und die explodierenden Immobilienpreise.

Das Riskanteste an der einseitigen Ausrichtung auf die Rohstoffexporte aber war das Ausgeliefertsein an die wirtschaftliche Entwicklung in den Importländern – vor allem an die in China. Das Land saugt wie Schwamm alles auf, was Australiens roter Boden hervorbringt. Jeder Anstieg, aber auch jede Abschwächung in Chinas Entwicklung war bei den Minengesellschaften zu spüren.

Australien bietet mehr als Rohstoffe

Doch mittlerweile besinnt sich Australien darauf, dass es noch weit mehr zu bieten hat, als die Unmengen von Rohstoffen, nach denen die aufstrebenden Ökonomien Asiens dürsten. Dominiert wird Australiens Wirtschaft längst nicht mehr vom Rohstoff-Sektor. Vielmehr trägt der Dienstleistungssektor zu knapp 80 Prozent zum BIP bei. Größte Einzelbereiche sind Finanzen, Immobilien und Unternehmensdienstleistungen.

Landwirtschaft und Bergbau standen zuletzt für einen BIP-Anteil von zehn Prozent. Aufstrebende Branchen sind die Informations- und Kommunikationstechnologie, E-Commerce, Bio-, Nano- und Medizintechnologie.

Der vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium herausgegebene Informationsdienst "German Trade & Invest" sieht in diesen Bereichen regelmäßig die größten Chancen für deutsche Unternehmen die auf dem fünften Kontinent investieren wollen.

Kaum ein anderes Land ist zudem so rührig wie Australien, wenn es darum geht, bilaterale Freihandels-Allianzen zu schmieden. Natürlich steht hier der boomende asiatische Raum in Vordergrund. Nachdem bereits ein Freihandelsabkommen mit Südkorea geschlossen werden konnte, unterzeichnete die Regierung Abbott vor wenigen Tagen nach schwierigen Verhandlungen ein Abkommen mit Japan. Jetzt zielen die Bemühungen auf ein Freihandelsabkommen mit China ab. Es könnte der australischen Wirtschaft zu einem ungeahnten Aufschwung verhelfen.

Schatten der Vergangenheit

Aber natürlich ist auch in Down Under nicht alles Gold, was glänzt. So fehlt es dem Land beispielsweise an einer leistungsfähigen Industrie. Grund dafür war lange Zeit die starke Währung, die im Gleichschritt mit den steigenden Rohstoffexporten auf Höhen stieg, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit abwürgte. Vor allem die Automobilindustrie leidet darunter. Ford hat nach 90 Jahren seine Produktion in Australien eingestellt, Holden (GM) hat den gleichen Schritt angekündigt. 30.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Zwar ist der Außenwert des Austral-Dollar zuletzt stark gefallen –und die Notenbank tut ihr Mögliches um die Währung weiter zu schwächen – für diesen Wirtschaftsbereich aber kommt die Entwicklung zu spät. Auch die australische Fluggesellschaft Qantas, eine Ikone des Landes, meldete Anfang des Jahres den Abbau von 5000 Stellen.

Es ist keine Frage, Australien leidet noch unter den Versäumnissen der Vorgängerregierungen und es wird noch einige Zeit dauern, bis die Volkswirtschaft die starke heterogene Struktur erlangt hat, zu der das Land schon längst fähig gewesen wäre. Langfristig jedoch sind Aussichten für den kleinsten der fünf Kontinente hervorragend.

Australischer Aktienmarkt mit Potenzial

Auch an den Börsen wird die Zukunft gehandelt und so nimmt es nicht Wunder, dass der australische All Ordinaries Index (ASX) seit rund drei Jahren einen Aufwärtstrend aufweist und sich auch nicht mehr von chinesischen Wachstumsspekulationen beeinflussen lässt. Aktuell notiert der ASX auf dem höchsten Niveau seit Anfang 2008 - und das bei einem Bewertungsniveau, das sowohl absolut als auch historisch gesehen ausgesprochen niedrig ist.

Europäische Anleger haben den entwickelten australischen Markt kaum im Blick. Selbst vergleichsweise riskante Schwellenländer wie Brasilien oder Argentinien werden von mehr Fonds abgedeckt als Australien. Dabei dürfte Australien derzeit einer der interessantesten Aktienmärkte der Welt sein.

Vermögensverwalter Ekkehard Wiek, W&M Wealth Managers (Asia) (Quelle: V-Bank)Ekkehard Wiek, W&M Wealth Managers (Asia) (Quelle: V-Bank)

Der Autor, Ekkehard Wiek, ist promovierter Vermögensverwalter und Fondsmanager der Straits Invest Pte Ltd. in Singapur mit deutschen Wurzeln. Im Jahr 2007 hat er seinen Wohn- und Geschäftssitz nach Singapur verlegt. Wiek verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Beratung und Betreuung vermögender Privatkunden und Investoren und kennt die asiatischen Märkte seit gut 25 Jahren.

Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de.

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