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Ice Bucket Challenge: Kalte Dusche für Leichtgläubige

Ice Bucket Challenge  

Kalte Dusche für Leichtgläubige

02.09.2014, 13:42 Uhr | Von Axel Postinett, Handelsblatt

Ice Bucket Challenge: Kalte Dusche für Leichtgläubige. Die "Ice Bucket Challenge" bringt der ALS-Stiftung enorme Spendensummen: Wo fließen die überhaupt hin? (Quelle: dpa)

Die "Ice Bucket Challenge" bringt der ALS-Stiftung enorme Spendensummen: Wo fließen die überhaupt hin? (Quelle: dpa)

Dank der "Ice Bucket Challenge" hat die ALS-Stiftung mehr als 100 Millionen Dollar eingenommen. Davon geht einiges an deren Führungskräfte. Der Versuch, die Markenrechte an der "Challenge" zu sichern, sorgt endgültig für Unmut.

Mehr als 100 Millionen Dollar: Das ist seit Ende Juli das Spendenergebnis der "Ice Bucket Challenge" für die ALS Association, die sich dem Kampf gegen die seltene Nervenkrankheit verschrieben hat. Doch immer mehr Kritik wird am angeblich zu geringem Forschungsetat und ausufernden Kosten laut. Vor allem Top-Gehälter für die Führungscrew lassen aufhorchen. Und dann wollte sich das Management auch noch den Begriff "Ice Bucket Challenge" für sich schützen lassen, obwohl die Gesellschaft gar nichts mit ihrer Einführung zu tun hatte.

Ob Mark Zuckerberg oder Bill Gates, so mancher Prominente und/oder Milliardär schüttet sich derzeit einen Eimer Eiswasser für den guten Zweck über den Kopf. Wer diese Herausforderung besteht, muss nicht für den guten Zweck, die ALS-Stiftung, spenden, sondern darf drei weitere Kandidaten benennen. Die wiederum müssen kippen oder kneifen und dann zahlen. Eine Frage der Ehre, und Zuckerberg und Co. machen oft beides: Sie nehmen die Eisdusche und spenden. Nicht selten sechsstellige Beträge.

28 Prozent für Forschung und Entwicklung

Das weltweite Phänomen hat die bis dato eher unbekannte Gesellschaft schlagartig in das grelle Rampenlicht gezerrt. Da gibt es dann oftmals Dinge zu sehen, auf die man zuvor weniger geachtet hat. Im Jahresbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr 2013/2014 zum Ende Januar weist der Geschäftsbericht lediglich einen Anteil an Forschung und Entwicklung von 28 Prozent der Ausgaben auf. Dafür aber stoßen in der Steuererklärung Posten auf wie das Gehalt von Jane H. Gilbert, der Präsidentin und CEO, mit 339.475 Dollar oder von Finanzchef Daniel M. Reznikov mit 201.260 Dollar.

Insgesamt werden zehn Gehaltsempfänger mit blumigen Titeln wie "Chief Chapter Relations and Development Officer" und Gehältern weit jenseits der 100.000-Dollar-Marke aufgeführt. Zusammen mit den Ausgaben für die Spendensammlung und Verwaltung beläuft sich der Kostenblock ohne direkten Patientenbezug auf 21 Prozent der damals 29 Millionen Dollar Spendengelder.

"Ice Bucket Challenge" als Marke?

Die Anti-ALS-Stimmung breitete sich im Social Web dermaßen schnell aus, dass sich die ALS Association am Samstag mit einer öffentlichen Stellungnahme zu den Vorwürfen meldete. Sie verweist auf ihre vorbildliche Transparenz-Politik. Anders als andere Spendensammler veröffentliche sie alle ihre finanziellen Unterlagen. Insgesamt 79 Prozent der Gelder kämen der Gemeinschaft zu Gute, was nicht nur Forschung, sondern auch Patientenversorgung und öffentliche Information und Schulung von medizinischem Personal umfasse.

Die Gehälter lägen "im ortsüblichen Rahmen" der jeweiligen Arbeitsmärkte und "im Rahmen der Vergütungen anderer Non-Profit-Organisationen". Mit anderen Worten: Hauptberufliche Spendensammlung ist halt ein extrem gut bezahltes Geschäft. Was auch die selbsternannten Überwachungsorganisationen wie "Better Business Bureau", "Charity Navigator" oder "Guidestar Exchange" nicht verwerflich finden. Sie alle geben der ALS-Gesellschaft ihren Spenden-Segen.

Doch zumindest ein Vorhaben hat die schnell gegen ALS gekippte öffentliche Diskussion offenbar zügig aus den Angeln gehoben. Am Donnerstag vergangener Woche reichte die Geschäftsführung der ALS zwei Anträge auf Markenrechtsschutz für "Ice Bucket Challenge" und "ALS Ice Bucket Challenge" ein, wie die Webseite Boingboing.net berichtet.

Projekt Dollar Bucket Challenge ist gescheitert

Damit hätte die Organisation anderen gemeinnützigen Vereinen oder Privatpersonen die Nutzung des Begriffs der "Ice Bucket Challenge" untersagen und zum Beispiel von Werbepartnern Geld kassieren können. Die Eisdusche ist übrigens nicht neu in den USA. Seit vielen Jahren müssen Trainer von Football-Teams nach einem spektakulären Sieg die Dusche mit dem Wasser aus der Tonne ertragen, in dem während des Spiels die Wasserflaschen für das Team gekühlt werden.

Bereits am Freitag meldete sich die ALS zu Wort und verkündete das Aus für die Markenschutz-Anträge. Man habe nur "missbräuchliche Nutzung" verhindern wollen, hieß es später auf Facebook. Im Web kursieren zum Beispiel Videos wie die des kleinen Jungen, der zu einer Ice Bucket Challenge aufruft, weil ihm und seinen Eltern das Geld für seine dringend benötigte Herzoperation fehlt. Ob so etwas mit missbräuchlich gemeint war, ist nicht bekannt.

Zumindest Twitter-Nutzer Marc Hermann hat eine klare Meinung dazu: "The Dollar Bucket Challenge has failed", merkt er süffisant an. Das Projekt Dollar Bucket Challenge ist gescheitert.

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