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Migration: Hochqualifizierte Ausländer meiden Deutschland


EU-Binnenwanderungen  

Hochqualifizierte Ausländer meiden Deutschland

03.09.2014, 13:48 Uhr | oca, dpa-AFX

Migration: Hochqualifizierte Ausländer meiden Deutschland. Seit 2009 nutzen immer mehr Menschen die Freizügigkeit am EU-Arbeitsmarkt (Quelle: dpa)

Seit 2009 nutzen immer mehr Menschen die Freizügigkeit am EU-Arbeitsmarkt (Quelle: dpa)

Die Krise in Europa macht die Menschen mobil. Seit 2009 nutzen immer mehr Menschen die Freizügigkeit am EU-Arbeitsmarkt: Sie suchen jenseits der Landesgrenzen einen Job. Vor allem Deutschland ist wegen seines stabilen Arbeitsmarktes beliebt. Trotzdem profitiert die Bundesrepublik nicht im hohen Maße von gut ausgebildeten Menschen.

Auf der Suche nach einem Arbeitsplatz ziehen nach einer Studie immer mehr Europäer in ein anderes EU-Land. Die Euro-Schuldenkrise habe die Wanderungsbereitschaft in den vergangenen Jahren verstärkt, vor allem Deutschland habe davon wegen seines robusten Arbeitsmarktes profitiert, sagte Berenberg-Volkswirt Jörn Quitzau bei der Präsentation einer gemeinsam mit dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) durchgeführten Studie.

Binneneinwanderung nimmt deutlich zu

Demnach sind die EU-Binnenwanderungen zwischen 2009 und 2012 um rund 20 Prozent gestiegen. Die Zahl der Zuwanderer aus anderen EU-Ländern nach Deutschland habe sich in diesem Zeitraum dank guter Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven sogar mehr als verdoppelt.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen das. Demnach wanderten 2009 knapp 348.000 Menschen aus den (heutigen) EU-Ländern nach Deutschland ein, 2013 waren es mehr als 727.000. Nach Herkunftsländern kamen dabei im vergangenen Jahr die größten Gruppen aus Polen (17,1 Prozent) und Rumänen (12,1 Prozent).

Stolpersteine für Hochqualifizierte

Doch trotz Erleichterungen beim Zuwanderungsrecht kommen weniger hochqualifizierte Menschen nach Deutschland. Sie gehen lieber nach Großbritannien, in die USA oder Australien, sagte Thomas Straubhaar, der scheidende Chef des HWWI, der Zeitung "Die Welt". Ein Grund: Die Sprache der hochqualifizierten Menschen ist Englisch - Deutsch oft ein Stolperstein.

Ein Problem ist auch wie Ausländerbehörden mit hochqualifizierten Zuwanderern umgehen. Spielräume würden hier seltener genutzt. Deutschland hat es also in der Hand, wer künftig hier her kommt, heißt es weiter.

Zuwanderer eher aus ländlichen Gebieten

Zudem suchen mehr Menschen aus ländlichen Gebieten mit oftmals geringer Qualifikation eine neue berufliche Perspektive in Deutschland, während Einwanderer in Großbritannien beispielsweise im Mittel jünger und besser ausgebildet sind und tendenziell eher aus städtischen Gebieten kommen, schreibt die Zeitung.

Des Weiteren sei es in den Krisenjahren zu einer Umlenkung von Wanderungsströmen gekommen, sagte Thomas Straubhaar: "Vormals beliebte Einwanderungsländer wie etwa Spanien haben sich unter der Krise zu Nettoauswanderungsländern entwickelt." Statt nach Spanien, Irland oder Italien seien Arbeitskräfte aus den osteuropäischen EU-Ländern in andere Staaten wie Deutschland oder Österreich gegangen.

Beschäftigungschancen wichtiger als Qualifikation

Zudem seien mehr Menschen aus den Krisenregionen in die europäischen Kernländer umgezogen. Haupttriebfeder der gestiegenen Mobilität seien Beschäftigungschancen und Einkommen, sagte Quitzau: "Die Menschen gehen dorthin, wo die Jobs sind. Zusätzlich wirkt das nach wie vor bestehende Einkommensgefälle zwischen den mittel- und osteuropäischen Staaten und Westeuropa als Hebel, der Wanderungen in Gang setzt."

Denn in Ländern wie Spanien, Griechenland oder Irland habe sich die Arbeitslosenquote in den Krisenjahren verdreifacht, in Portugal verdoppelt. In Deutschland sank sie hingegen.

Die Mobilität junger und gut qualifizierter Menschen habe ebenfalls zugenommen. Inzwischen sei rund ein Drittel der Einwanderer aus den zwölf "neuen" in die 15 "alten" EU-Ländern im Job im Zielland überqualifiziert, betonte HWWI-Forschungsdirektorin Christina Boll: "Die Überqualifikation im Job ist der Preis, den viele hochqualifizierte Migranten für eine Beschäftigung im Zielland zahlen." Andererseits seien die Jobaussichten für niedrigqualifizierte Arbeitskräfte aus den Krisenländern auch in anderen Staaten gering.

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