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Ifo-Chef Sinn: "Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen"

Ifo-Chef Sinn  

"Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen"

04.09.2014, 16:25 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de

Ifo-Chef Sinn: "Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen". Ifo-Chef Hans-Werner Sinn kritisiert die Zinspolitik der EZB (Quelle: dpa)

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn kritisiert die Zinspolitik der EZB (Quelle: dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturflaute erneut ein Anti-Krisenpaket aufgelegt: Sie senkt den Leitzins von 0,15 Prozent auf 0,05 Prozent und erhöht den Strafzins für Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken. Führende Ökonomen in Deutschland lassen kein gutes Haar an der Zinspolitik der Notenbank.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn kritisierte den Kurs der EZB. Die erneute Leitzinssenkung werde "wirkungslos" sein, teilte er in München mit. "Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun. Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zulasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten", sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts.

"Sparer dürften sich verraten fühlen"

Mit harschen Worten kommentierte auch Eugen Keller vom Bankhaus Metzler die Leitzinsentscheidung: "EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, warum auch immer. Für uns ist das nicht gerade eine glückliche Maßnahme. Alle Banken und Vermögensverwalter sind jetzt in noch größerer Not, ihre Liquidität irgendwo zu parken, ohne bestraft zu werden. Auch die Sparer dürften sich verraten fühlen und werden immer mehr ins Risiko gezwungen."

"Zinssenkung bringt konjunkturell nichts"

Marco Bargel, Chefvolkswirt von der Postbank, zeigte sich ebenfalls beunruhigt: "Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird. Die Deflationsgefahr lässt sich damit nicht vertreiben. Dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme aber, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden", sagte Bargel.

"Das letzte Aufbäumen"

"Das letzte Aufbäumen der EZB gegen die Krise hat begonnen. Ein breit angelegtes Wertpapierkaufprogramm ist nur eine Frage der Zeit. Es ist aber zu befürchten, dass diese Maßnahmen letztlich erst recht zu rezessiven Tendenzen führen", sagte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

"Wirkungen der Leitzinssenkung vernachlässigbar"

Der Chef des Bankenverbandes, Michael Kemmer, fand gemäßigtere Worte: Das beschlossene Kaufprogramm kann den europäischen Banken bei der Stärkung ihrer Bilanzen helfen. Die schwache Kreditexpansion in der Währungsunion liegt in vielen Euro-Staaten aber vor allem an der geringen Bonität der Schuldner. Hier kann das ABS-Programm keine Abhilfe schaffen. Die EZB wäre deshalb gut beraten, weiterhin mit Nachdruck wirtschaftspolitische Reformen anzumahnen, die den Euro-Raum wieder auf einen verlässlichen Wachstumskurs bringen. (...) Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering."

Unterschiedliche Auswirkungen

Für Sparer bedeutet die erneute Leitzinssenkung, dass die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld oder das Sparbuch weiter sinken - sofern das überhaupt noch möglich ist. Auto- und Hauskäufer oder sonstige Kreditnehmer können dagegen mit weiter sinkenden Schuldzinsen rechnen. An der Börse sorgte die Ankündigung der Leitzinssenkung für steigende Aktienkurse. Zwar kann billiges Geld in der Tat die Investitionstätigkeit ankurbeln. Ökonomen sehen das aber auch kritisch, denn es kann unter Umständen zu Fehlentscheidungen kommen, die sich nicht mehr rechnen, sobald die Zinsen wieder anziehen.

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