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Deutsche verplempern Milliarden im Ausland

Heimischer Investitionsmangel  

Deutsche verplempern Milliarden im Ausland

08.09.2014, 14:45 Uhr | Spiegel Online

Deutsche verplempern Milliarden im Ausland. Statt in  die heimische Infrastruktur zu investieren, versenken Deutsche ihr Geld oft im Ausland (Quelle: imago/Jochen Tack)

Statt in die heimische Infrastruktur zu investieren, versenken Deutsche ihr Geld oft im Ausland (Quelle: imago/Jochen Tack)

Sparen bringt nichts: Diese Botschaft wurde vergangene Woche einmal mehr in die Welt geschickt, als die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins auf Rekordniveau senkte. Angesichts der Mickerzinsen werden Sparbücher oder Tagesgeldkonten zum Verlustmodell. Dennoch stecken Anleger in Deutschland bislang rund vier Fünftel ihres Geldvermögens in solche zinsabhängigen Anlagen. Zu häufig fließt das Kapital der Deutschen dann auch noch in Investitionsprojekte im Ausland.

Ein erheblicher Teil dieses exportierten Kapitals fiel der Weltfinanzkrise 2008 zum Opfer. Die spanischen Bürotürme, die mit deutschem Geld errichtet worden waren, standen plötzlich leer, die Lehman-Zertifikate waren wertlos.

"Unternehmen wie Verbraucher haben in den vergangenen Jahren extrem schlecht gespart", sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, zu "Spiegel Online". Wenn Banken das Ersparte in anderen Ländern anlegten, dann oft mit Verlust: Seit dem Jahr 2000 machten die Deutschen nach DIW-Berechnungen auf die Nettoersparnisse im Ausland einen Verlust von fast 400 Milliarden Euro. Zugleich fehle es in Deutschland an dringend benötigten Investitionen, warnt Fratzscher in einem gerade erschienen Buch.

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Das soll nun anders werden. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat eine Kommission ins Leben gerufen, zu der auch Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen gehört und die von Fratzscher geleitet wird. Ihr Ziel: Mehr privates Kapital für Investitionen in Deutschland zu mobilisieren. Statt weiter nur stur ihre Sparschweine zu füttern, sollen die Bürger einen Teil des Geldes lieber in den Bau von Straßen und Brücken stecken.

"Die Bevölkerung finanziert ihre eigene Infrastruktur: Die Idee ist grundsätzlich richtig und höchst charmant", sagt Christian Ahlers, Finanzmarktreferent beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Konkrete Modelle soll die Kommission erst noch erarbeiten. Denkbar wäre unter anderem, dass sich Bürger über den Kauf von Aktien, Anleihen oder speziellen Fonds an Bauprojekten beteiligen.

Einzelbeteiligungen nicht sinnvoll

Sollten Privatanleger nun also auf eigene Faust Aktien von Bauunternehmen wie Bilfinger oder Hochtief erwerben? "Für den Großteil der Verbraucher sind Einzelbeteiligungen keine sinnvolle Option", sagt Ahlers. Wenn überhaupt sollten sie Aktienfonds kaufen, die unter anderem auch in die Baubranche investieren: "So ein Fonds könnte dann zum risikoreichen Teil eines Portfolios gehören."

Wenig Auswahl haben deutsche Anleger bislang auch bei Anleihen. In den USA finanzieren Städte seit Jahrzehnten mit sogenannten Municipal Bonds den Bau von Schulen oder Flughäfen. Auch in Kanada, Großbritannien und Australien wird Geld für Bauprojekte über spezielle Anleihen beschafft. In Deutschland sind Kommunalanleihen dagegen bislang die Ausnahme.

Als wahrscheinlichste Variante bleibt damit eine Beteiligung von Bürgern an speziellen Infrastrukturfonds. Die treibt auch die Europäische Union voran: Ab Herbst diskutiert sie einen Verordnungsentwurf für sogenannte Europäische Langfristige Investmentfonds, kurz ELTIF. Sie sollen Investitionen in Infrastrukturprojekte ermöglichen und sind ausdrücklich auch für den Verkauf an Kleinanleger vorgesehen. Doch die Verbraucherschützer überzeugt das Modell nicht. Diese Form der Anlage sei "vorrangig für professionelle Anleger geeignet", heißt es in einem Positionspaper des VZBV. "Die beabsichtigte Öffnung der neuen Produktklasse für Privatanleger sehen wir entsprechend mit Sorge." Der Verband fordert, die Fondsanteile nur ohne Werbung oder über Sekundärmärkte an Kleinsparer zu verkaufen.

Der Grund für die Sorge: Selbst gut informierte Anleger können die Risiken von Infrastrukturprojekten nach Ansicht der Verbraucherschützer kaum absehen. Nach dem jetzigen Stand seien die ELTIFs als geschlossene Fonds geplant - ein Modell, dessen Tücken in den letzten Jahren schon viele Käufer von verlustreichen Schiffsfonds kennenlernen mussten.

Risikobewertung schwierig

Besonders schwer sei die Risikobewertung zudem bei Fonds, die nicht an einer Börse gehandelt werden, warnt der VZBV mit Verweis auf den Windkraftfinanzierer Prokon. Der verkaufte trotz vieler Warnungen jahrelang erfolgreich sogenannte Genussrechte. Erst nach der Insolvenz merkten viele Käufer, wie wacklig das Geschäftsmodell von Prokon war und wie wenig Wert die gekauften Papiere hatten.

Verbraucherschützer Ahlers sieht noch ein zweites Problem: Die Frage, wo bei öffentlichen Infrastrukturprojekten eine regelmäßige Rendite herkommen soll. Denkbar ist zwar, dass die privaten Investoren für die von ihnen gebauten Straßen anschließend Nutzungsgebühren erheben. Doch das aktuelle Gezerre um die geplante Pkw-Maut zeigt auch, wie wackelig solche Modelle sind. Dass auf Einnahmen aus öffentlichen Projekten wenig Verlass ist, erleben derzeit auch Fluglinien und Ladenbesitzer, die eigentlich längst am Berliner Hauptstadtflughafen Geld verdienen wollten.

"Lasst den Sparer doch sparen wie er will"

Angesichts solcher Einwände könnte Gabriels Kommission zum Schluss kommen, dass die Bürger sich lieber indirekt beteiligen sollten - indem Banken oder Versicherungen ihr Erspartes verstärkt in Infrastrukturprojekte stecken. Nicht umsonst sitzen in der Fratzscher-Kommission Ergo-Chef Torsten Oletzky und Allianz-Vorstand Helga Jung. "Auch deutsche Versicherer sind im internationalen Vergleich sehr konservativ", sagt Fratzscher. "Sie investieren stark in Staatsanleihen, obwohl die kaum noch Rendite abwerfen." Die Branche hat bereits signalisiert, dass sie künftig gerne mehr Geld in die Infrastruktur stecken würde.

Verbraucherschützer Ahlers fände es richtig, wenn vor allem Profis in Bauprojekte investieren. "Lasst den Sparer doch sparen wie er will", kommentiert er die Kritik an den risikoscheuen deutschen Anlegern. "Es ist die Grundaufgabe des Finanzsektors, das Kapital wachstumsfördernd anzulegen."

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