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Russland-Sanktionen treffen deutsche Wirtschaft

Gastkolumne  

Russland-Sanktionen treffen deutsche Wirtschaft

12.09.2014, 17:47 Uhr | von Jörg Horneber für t-online.de

Russland-Sanktionen treffen deutsche Wirtschaft. Ausfuhren nach Russland sind bereits seit Anfang 2013 rückläufig, der Effekt könnte sich dieses Jahr aber noch beschleunigen (Quelle: dpa)

Ausfuhren nach Russland sind bereits seit Anfang 2013 rückläufig, der Effekt könnte sich dieses Jahr aber noch beschleunigen (Quelle: dpa)

Die Sanktionen der EU gegen Russland drücken die Stimmung in den deutschen Unternehmen. Die weitere Verschärfung und die kommenden Gegenmaßnahmen Russlands könnten sich zu einer veritablen Wirtschaftskrise hochschaukeln.

Schon auf dem Gipfel Anfang März 2014 hat die EU Maßnahmen gegen Russland verhängt, um deren Verhalten im Ukraine-Konflikt zu ahnden. Damals wurde ein dreistufiger Plan beschlossen.

Zuerst wurden Gespräche über eine weitere Annäherung Russlands an die Europäische Union gestoppt, geplante Verhandlungen über ein Wirtschaftsabkommen unterbrochen. Außerdem wurde der Club der führenden Wirtschaftsnationen wieder exklusiver: Aus den G8 wurden G7 - Russland wird nicht mehr zu den Tagungen eingeladen.

Im zweiten Schritt sperrten die EU-Staaten eine Reihe von Konten wichtiger Russen und Ukrainer. Zur Zeit stehen an die einhundert Personen auf der Sanktionsliste, die auch ein Einreiseverbot beinhaltet. Darüber hinaus können mehr als 20 Firmen und Organisationen nicht mehr auf ihre Konten in der EU zugreifen.

Die dritte Stufe der Wirtschaftsanktionen wurde erst Anfang August scharf gestellt, nachdem sich an dem Verhalten Russlands nichts geändert hatte. Beeinflusst wurde die Verschärfung durch den Abschuss der Malaysia-Airlines-Passagiermaschine am 17.Juli über dem Separatistengebiet.

Zugang zu EU-Finanzmärkten erschwert

Die Wirtschaftsbeschränkungen betreffen verschiedene Bereiche: EU-ansässige Unternehmen dürfen keine Hochtechnologie-Güter mehr an die russische Armee liefern; die Ausfuhr von Spezialtechnik zur Ölförderung wurde verboten und den russischen Banken der Zugang zu EU-Finanzmärkten erschwert.

Die Banken dürfen neue Wertpapiere nicht mehr an europäischen Börsen handeln. Für russische Banken wird es deutlich schwieriger, sich neue Gelder zu beschaffen. Weitere Sanktionen wurden beim letzten Wochenendgipfel der EU beschlossen, die am Freitag in Kraft traten.

Auch die US-Regierung verschärft die Sanktionen gegen Russland. Die am Freitag vom Finanzministerium verkündeten Strafmaßnahmen zielen auf die Banken sowie den Energie- und Verteidigungssektor des Landes ab und sollen Hand in Hand mit jenen der Europäischen Union laufen.

Russlands Banken ausgesperrt

Betroffen ist unter anderem das größte russische Geldhaus Sberbank. Ihm und fünf weiteren russischen Banken dürfen US-Bürger kein Kapital und Kredite mit einer Laufzeit von mehr als 30 Tagen mehr zur Verfügung stellen. Exporte an russische Energiekonzerne zur Ölförderung etwa in der Arktis wurden ebenfalls verboten. Zudem wurden die Konten von fünf staatlichen russischen Unternehmen für Verteidigungstechnologie in den USA eingefroren.

Wirtschaftlich wird das bereits angeschlagene Russland zwar am meisten unter den Sanktionen leiden, aber auch die Ukraine, welche enge Geschäftsbeziehungen zu Russland hat, wird entsprechende Bremseffekte spüren.

China profitiert

An Deutschlands Industrie geht das auch nicht spurlos vorüber. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Russland belief sich im letzten Jahr auf 76,5 Milliarden Euro. Nach Angaben des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft liefern wir hauptsächlich Autos, Maschinen und chemische Erzeugnisse an Russland. Ca. 300.000 Arbeitsplätze seien vom Russland-Geschäft abhängig. Somit rangiert Russland auf Platz 11 der wichtigsten Geschäftspartner Deutschlands.

Auffällig sei allerdings, dass die Ausfuhren nach Russland bereits seit Anfang 2013 etwas rückläufig waren, so die Bundesbank. Der Effekt wird sich dieses Jahr aber noch beschleunigen.

Inzwischen sucht Russland nach neuen Geschäftspartnern. China könnte davon am meisten profitieren. Die Produkte, die aus der EU und USA nicht mehr eingeführt werden können, liefert zukünftig u.a. das Reich der Mitte. Selbst wenn sich Russland doch wieder dem Westen annähern sollte, könnten diese Geschäftsanteile langfristig in Asien verbleiben.

Die Krisen in der Ukraine, der Dauerkonflikt in Nahost und der Eroberungszug der Islamisten im Irak dämpfen die Stimmung. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zum vierten Mal in Folge gefallen. Schon drei aufeinander folgende Rückgänge des Index zeigten in der Vergangenheit eine Trendwende an.

Jörg Horneber, Portfoliomanager der KSW Vermögensverwaltung AG (Quelle: KSW)Jörg Horneber, Portfoliomanager der KSW Vermögensverwaltung AG (Quelle: KSW)

Jörg Horneber ist seit 2012 als Portfoliomanager bei der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg tätig und mit der individuellen Betreuung von Vermögensverwaltungsmandaten betraut. Der studierte Bankfachwirt kann auf eine klassische, mehr als 20-jährige Bank-Karriere zurückblicken - u.a. bei der Deutschen Bank und bei der Commerzbank.

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