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Zalando: Mehr Schatten als Licht beim Online-Händler


Online-Händler  

Zalando: Mehr Schatten als Licht

01.10.2014, 18:11 Uhr | t-online.de, dpa-AFX, rtr

Zalando: Mehr Schatten als Licht beim Online-Händler. Zalando verteilte zum Börsen-Debüt viele Kartons auf dem Frankfurter Parkett (Quelle: dpa)

Zalando verteilte zum Börsen-Debüt viele Kartons auf dem Frankfurter Parkett (Quelle: dpa)

Das mit Spannung erwartete Börsendebüt des Online-Modehändlers Zalando ist durchwachsen verlaufen. Die Zalando-Aktie schwankte am Mittwoch nach Handelsbeginn an der Frankfurter Wertpapierbörse, gewann aber über den Tag nicht an Wert. Der Schlusskurs lag mit 21,50 Euro genau beim Ausgabepreis. Offenbar trennten sich viele institutionelle Anleger schon frühzeitig wieder von dem Online-Versandhändler. Experten warnen gar vor der Zalando-Aktie.

Seit Bekanntwerden der Börsenpläne diskutieren die Fachleute darüber, ob Zalando auch unter dem Augenmerk der Investoren an seinem Geschäftsmodell mit uneingeschränkten kostenlosen Retouren festhalten kann. Am Umsatz gemessen liegt die Rücksende-Quote bei 50 Prozent der bestellten Artikel. Die Zalando-Manager betonen aber, ohne die lockere Retouren-Politik funktioniere das Geschäft schlechter.

Kundenzahl soll wachsen

Dank massiver Marketing-Aufwendungen und kulanter Rücknahme-Regelungen hat es Zalando geschafft, in kurzer Zeit zur führenden Online-Mode-Plattform aufzusteigen und sich im hochlukrativen Modegeschäft mit einem Stamm von 14 Millionen Kunden zu etablieren. Das klingt nach viel, ist aber in Zeiten des schnelllebigen Internets wohl zu wenig, um kontinuierliches Wachstum zu generieren. Zalando will deshalb seine Kundenbasis erweitern, die Umsätze beim einzelnen Käufer steigern und auch in neue regionale Märkte vordringen.

Darüber hinaus wollen die Berliner ihr Sortiment ausbauen. "Der Fokus bleibt auf Mode und Lifestyle. Mikrowellen und Waschmaschinen werden wir nicht verkaufen", sagte Zalando-Vorstand Rubin Ritter in der vergangenen Woche. Potenzial sieht er etwa bei Sportbekleidung für Frauen, bei Bademode und Unterwäsche. Hier zu wachsen sei durchaus aus eigener Kraft möglich.

Kennzahlen zuletzt verbessert

In Zukunft könne man sich aber auch Zukäufe vorstellen, sagte Ritter. Besonders im Technologiebereich könnten Übernahmen interessant werden. Als Beispiel nannte Ritter Anwendungen, mit denen Kunden die passende Kleidergröße errechnen könnten oder solche, mit denen sich das Angebot besser auf den einzelnen Kunden zuschneiden lasse.

Analyst Daniel Großjohann von Getinsight Research führt die Leistungskennziffern der letzten Quartale an: Das Unternehmen weist in seiner Gruppe die zweithöchste Bruttomarge auf. Außerdem hätten Bestellzahl, aktive Kunden und auch Bestellungen pro Kunde zugelegt, während das Verhältnis Marketingaufwand zu Umsatz sich von 25 Prozent (im zweiten Quartal 2012) auf 13,3 Prozent (Q2 des laufenden Jahres) verbesserte. Zalando arbeitete sich nach hohen Anlaufverlusten allerdings gerade erst in die schwarzen Zahlen vor, zuletzt gab es im zweiten Quartal einen bescheidenen Gewinn von 29 Millionen Euro.

Noch kein positives Jahresergebnis

Im vergangenen Jahr schrieb das erst 2008 gegründete Unternehmen noch rote Zahlen. Vorstand Ritter wollte sich nicht konkret dazu äußern, wann das Unternehmen erstmals ein positives Jahresergebnis einfahren werde. Indirekt schloss er jedoch nicht aus, dass Zalando unter Umständen schon das Jahr 2014 positiv abschließen könnte, nachdem das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Nettogewinn geschafft hatte. Das erste Halbjahr sei traditionell eher schwächer als das zweite, sagte er. "Somit werden wir sehen, wie wir uns entwickeln." Eine Dividende werde es aber zunächst nicht geben.

Privatanleger haben an der Zalando-Aktie dennoch Interesse. Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) berichtet von vielen Anrufen aufgeregter Interessenten, die noch nie zuvor Aktien besaßen und nun Zalando-Anteile wollen. Schon kommen Erinnerungen an den Internet-Börsen-Hype vor 14 Jahren auf. Die DSW rät deshalb von Zalando-Papieren und des Internet-Konglomerats Rocket Internet ab.

"Vorsicht vor einem neuen Neuen Markt. Das ist nichts für sicherheitsbewusste Privatanleger", sagte DSW-Vize-Präsident Klaus Nieding. "Es ist ein spekulatives Investment." Der Kauf von Zalando-Aktien berge große Risiken, sagte Nieding. Noch kritischer sieht Nieding den für Donnerstag geplanten Börsengang von Rocket Internet; die Firma ist weltweit an Dutzenden Start-Ups beteiligt. Die meisten von ihnen schreiben rote Zahlen.

Max Otte: Finger weg von Neuemissionen

Wirtschaftsprofessor Max Otte rät in einem Interview mit "Finanzen.net" grundsätzlich von Neuemissionen ab, weil Anleger in Summe hier immer Geld verlieren. "Die wenigen phantastischen Emissionen bleiben im Gedächtnis haften, das andere vergisst man", so Otte. Konzerne wie eBay, Google oder Amazon blieben im Kopf, die Verlustunternehmen nicht. Von der Zalando-Aktie würde er besonders deutlich abraten, selbst wenn es möglich sei, dass die in den ersten Tagen nach der Emission noch steige.

Otto Group warnt vor Marktbereinigung

Pünktlich zum Börsengang des Modehändlers sagt der deutsche Marktführer Otto Group dem Online-Versandhandel eine Marktbereinigung voraus. Die notwendigen erheblichen Investitionen fördern "den Konzentrationsprozess auf einige wenige große Player", prognostizierte der stellvertretende Otto-Vorstandschef Rainer Hillebrand der "Börsen-Zeitung". Der Wettbewerbsdruck in der Branche wachse, und viele Anbieter müssten nach ihrer Startphase irgendwann profitabel wirtschaften. Der Online-Handel werde zwar in den kommenden Jahren weiter wachsen, aber langsamer als zuletzt.

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