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EZB kauft Ramschpapiere


Umstrittenes Programm  

EZB wird Ramschpapiere kaufen

02.10.2014, 19:43 Uhr | dpa-AFX, rtr

EZB kauft Ramschpapiere. Kann EZB-Chef Mario Draghi die Märkte beruhigen? (Quelle: Reuters)

Kann EZB-Chef Mario Draghi die Märkte beruhigen? (Quelle: Reuters)

Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit neuen Maßnahmen gegen Wachstumsschwäche und Niedriginflation im Euroraum. Dazu wird die Notenbank ab Mitte Oktober mit Forderungen gedeckte Anleihen (Covered Bonds) kaufen, wie EZB-Chef Mario Draghi nach der auswärtigen Sitzung des EZB-Rats in Neapel sagte. Ab dem vierten Quartal 2014 wird die Notenbank zusätzlich in den Kauf von Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities, ABS) einsteigen. Beide Programme haben eine Laufzeit von zwei Jahren. Die EZB will dazu bis zu eine Billion Euro in die Hand nehmen. Der deutsche Aktienmarkt geriet unter Druck. Der DAX rutschte soagr unter die 9200 Punkte-Marke.

Draghi versicherte, die Notenbank werde beim Erwerb von ABS-Papieren vorsichtig vorgehen. Die Verbriefungen sollen "einfach und transparent" sein, so der Notenbankchef. Allerdings sollen auch Papiere erworben werden, die aus Ländern mit einem Kreditrating von weniger als "BBB-" (Junk- oder Ramsch-Rating) kommen. Also auch aus Griechenland und Zypern.

Dies könnte den seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen der EZB und der Bundesbank zusätzlich anheizen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann lehnt das gesamte Kaufprogramm ab, weil er fürchtet, dass die EZB dadurch zu große Risiken auf ihre Bilanz nimmt. EZB-Präsident Mario Draghi will mit dem Programm erreichen, dass die Banken wieder mehr Kredite vergeben.

Ökonomen sind skeptisch

Das ABS-Kaufprogramm ist umstritten - schließlich gelten Geschäfte mit undurchsichtigen Kreditpaketen als Mitauslöser der Finanzkrise 2007/2008. "Wenn überhaupt, sollte die EZB nur risikoarme Papiere übernehmen - und das nach sorgfältiger Prüfung", mahnte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann jüngst im "Spiegel"-Interview. "Klar ist: Wenn sich die EZB, um das angestrebte große Volumen zu erreichen, eben doch riskante Papiere auf die eigene Bilanz lädt oder zu hohe Preise zahlt, dann belastet das letztlich den Steuerzahler."

Der Frankfurter Ökonom Jan Pieter Krahnen bezweifelt, dass die EZB mit dem angekündigten Ankauf von ABS-Papieren die Kreditvergabe der europäischen Banken wesentlich ankurbeln kann. "Dass die Erwartungen an dieses Programm sehr hoch sind, zeigt, wie dramatisch die Lage auf den Kreditmärkten insbesondere in den südeuropäischen Ländern wahrgenommen wird", erklärte Krahnen. Etliche Volkswirte sind überzeugt, dass das ABS-Programm für die EZB nur die Vorstufe zu einem umfassenden Kauf von Anleihen ("Quantitative Easing"/QE) ist.

ABS sind gebündelte Einzelkredite, die in Wertpapiere verpackt sind und damit handelbar gemacht werden. Seit der weltweiten Finanzkrise sind sie in Verruf geraten, weil sie entscheidend zur Eskalation der amerikanischen Hypothekenkrise beigetragen haben. Die EZB hält entgegen, dass europäische ABS viel seltener ausgefallen seien als US-Papiere. ABS-Papiere sind in verschiedene Tranchen mit unterschiedlichem Ausfallrisiko aufgeteilt.

Covered Bonds sind ebenfalls mit Krediten besicherte Anleihen. Allerdings gelten sie im Vergleich zu ABS als sicherere Anlage, weil neben den Sicherheiten grundsätzlich auch die ausgebende Bank im Fall eines Ausfalls haftet. Durch die Finanzkrise sind Covered Bonds jedoch auch nicht unbeschadet gekommen, weil Sicherheiten ausgefallen sind und die ausgebenden Banken ebenfalls Probleme bekamen. Das nunmehr beschlossene Kaufprogramm ist bereits das dritte seit der Finanzkrise, mit dem die Notenbank Covered Bonds kauft./

Zinsen bleiben auf Rekordtief

Europas Währungshüter machen indes das Geld im Euroraum nicht noch billiger. Nach der überraschenden Zinssenkung von 0,15 auf 0,05 Prozent im September bleibt der Leitzins nun zunächst auf diesem Rekordtief. Das beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB).

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