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Ebola: Profitable Geschäfte mit der Virus-Angst


Arznei und Nahrungsmittel  

Profitable Geschäfte mit der Ebola-Angst

03.10.2014, 15:39 Uhr | dpa, AFP, t-online.de

Ebola: Profitable Geschäfte mit der Virus-Angst. Ebola-Opfer in Sierra Leone - es gibt auch Gewinner der Seuche (Quelle: Reuters)

Ebola-Opfer in Sierra Leone - es gibt auch Gewinner der Seuche (Quelle: Reuters)

Nicht nur in Westafrika sorgt das Ebola-Virus für Angst und Schrecken. Mittlerweile erfasst die Angst vor einer Ausbreitung der tödlichen Epidemie auch westliche Industriestaaten. An der Börse fallen die Kurse, weil Ebola die Wirtschaft weltweit belasten könnte. Doch während in den Ebola-Ländern tausende Menschen sterben und die Wirtschaft einbricht, profitieren einige Händler und Spekulanten von dem Leid.

Die Ebola-Epidemie hat der Wirtschaft in den betroffenen Ländern in Westafrika schon schwer geschadet. "Die Aussetzung von zahlreichen Projekten im Bereich von Entwicklung, Landwirtschaft, Bergbau, Tourismus, Bau, Handel und Verkehr auf unbestimmte Zeit untergräbt die Entwicklung unseres Landes", sagte der Außenminister von Sierra Leone, Samura Kamara, im Rahmen der UN-Vollversammlung in New York. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes werde in diesem Jahr laut Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 3,3 Prozent fallen.

In Westafrika bricht die Wirtschaft ein

In Liberia, dem am stärksten von Ebola betroffenen Land, sei das Wirtschaftswachstum bereits um 3,4 Prozent gesunken, sagte der Außenminister des Landes, Kpehe Ngafuan. Im nächsten Jahr könne das Wachstum sogar um zwölf Prozent sinken. Die Epidemie hänge wie eine "dunkle Wolke" über dem Land. Bereits am Freitag hatte Guineas Präsident Alpha Condé vor den Vereinten Nationen berichtet, dass das Bruttoinlandsprodukt seines Landes um 2,5 Prozent gesunken sei.

Westafrika und die Welt seien auf die Epidemie "extrem schlecht" vorbereitet gewesen, kritisierte Sierra Leones Außenminister Kamara, der wie auch seine Kollegen aus den anderen betroffenen Ländern mehr Hilfe forderte. "Der Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika ist eine Frage von Leben und Tod für die ganze Menschheit."

IWF sieht Risiko für die Weltwirtschaft

Nach Ansicht des IWF sind der Ebola-Ausbruch in Afrika sowie die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten auch ein ernstes Risiko für die Weltwirtschaft. IWF-Chefin Christine Lagarde forderte in einer Grundsatzrede verstärkte Anstrengungen für ein weltweit stärkeres Wachstum. Sechs Jahre nach der schweren Finanzkrise sei die Erholung nach wie vor "zerbrechlich, ungleich und von Risiken bedroht". Ausdrücklich kritisierte sie das laue Wachstum in der Euro-Zone.

Der Konflikt in der Ukraine, der die Wirtschaft dort sowie in Russland bereits ins Taumeln gebracht hat, könne die Finanzmärkte durcheinanderbringen, sagte Lagarde. Auch wenn der Ebola-Ausbruch nicht eingedämmt werde, könne dies ernsthafte Beunruhigung verursachen. Mit Blick auf das globale Wachstum sagte Lagarde, notwendig sei eine "neue Dynamik" der Volkswirtschaften und verstärkte internationale Zusammenarbeit.

Reis droht auszugehen

Doch diese kommt in Bezug auf Ebola nur sehr langsam in Schwung. Zunächst werden die betroffenen Staaten isoliert. Fluggesellschaften haben den Verkehr eingestellt, der Außenhandel ist zusammengebrochen, die Landwirtschaft steht vor dem Kollaps.

Liberias Handelsminister Axel Addy fordert deshalb raschere internationale Hilfe im Kampf gegen Ebola. "Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit", sagte er. Die Epidemie habe alle Bereiche der Wirtschaft erfasst, die voriges Jahr noch um acht Prozent gewachsen war. Die Ausfuhr von Eisenerz und Latex, den beiden Hauptexportprodukten, sei fast zum Erliegen gekommen. Gefährdet sei auch die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die Vorräte an Reis drohten Ende November auszugehen.

Felder werden zu Quarantänezonen - Hunger-Katastrophe droht

Ähnlich sieht es in Sierra Leone aus. Weite Teile des Landes wurden zu Quarantänezonen erklärt - in ihnen leben mehr als zwei Millionen Menschen. Bauern können ihre Produkte deshalb vielerorts nicht mehr auf die Märkte oder zu Zwischenhändlern bringen. "Diese Sachen verderben schnell, und wenn wir sie nicht verkaufen können, haben wir selbst bald nichts mehr zu essen", sagt die Bäuerin Kadiatu Kamara im isolierten Distrikt Port Loko. "Unser Geschäft liegt am Boden, das bisschen Essen, das wir noch haben, ist bald aufgebraucht", klagt der Kleinwarenhändler Alhaji Mansaray.

Jedoch gibt es in der Ebola-Krise nicht nur Verlierer. In Nigeria, dem mit mehr als 170 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas, boomt wegen Ebola der Online-Handel. Bei Jumia, dem größten E-Commerce-Unternehmen des Landes, haben sich die Auftragseingänge für Waren des täglichen Bedarfs seit dem Virusausbruch verdreifacht. Starke Zuwächse verbuchten auch die Konkurrenzfirmen Konga und Kaymu.

Online-Handel floriert

Zwar registrierte das Riesenland bislang nur wenige Ebola-Todesfälle. Aber die Schreckensbilder sterbender Menschen aus den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone, Monrovia und Freetown, hätten viele Nigerianer veranlasst, große Menschenansammlungen auf Märkten oder in Shopping Malls zu meiden, berichtete das Magazin "The Economist". Die Online-Händler profitieren nach eigenen Angaben auch durch eine stark gestiegene Nachfrage nach Sanitär- und Desinfektionsmitteln.

Einige Aktien steigen

Eine ganz besondere Sorte "Ebola-Gewinnler" sind auch jene, die in dieser Situation gezielt auf Aktien oder Optionen von Unternehmen setzen, deren Umsätze durch die Krise steigen könnten. Anteilsscheine der kanadischen Biotech-Firma Tekmira Pharmaceuticals etwa sind in den vergangenen Wochen um mehr als 20 Prozent nach oben gegangen. Tekmira gehört zu jenen Unternehmen, die an Impfstoffen gegen Ebola arbeiten. Zehntausende Dosen hofft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis spätestens Anfang 2015 bereitstellen zu können.

Beim Börsenbroker Lynx hieß es dazu, man drücke "natürlich weiterhin fest die Daumen, dass hier schon bald ein brauchbares, zuverlässiges und vor allem für die Bevölkerung günstiges" Mittel auf den Markt komme. Die Tekmira-Aktie befinde sich an der Nasdaq "technisch noch immer in einer sauberen Aufwärtsbewegung".

Einige Börsianer setzen auch auf weiter fallende Kurse an den Weltbörsen. Put-Optionsscheine oder -Zertifikate gewinnen, wenn die Kurse der Basis-Aktien oder -Indizes fallen.

Kakao-Preise schießen nach oben

Spekuliert wird auch mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln - über sogenannte Futures. Diese Terminmarkt-Produkte sind normalerweise wichtig für Produzenten und Bauern als Absicherung gegen Wetter-Kapriolen. Im Falle einer weiteren Ausbreitung der Epidemie dürften sie sich rapide verteuern. Deutlich gestiegen ist bereits der Kurs von Kakao - und das, obwohl derzeit so viel Kakao wie nie zuvor geerntet wird.

Dieses Jahr wird das westafrikanische Land die beste Ernte aller Zeiten einfahren, verkündet die Regierung stolz. Im fernen London, großer Handelsplatz für den Rohstoff, sind die Kakao-Preise Ende September auf das höchste Niveau seit mehr als drei Jahren geklettert. Wegen Ebola.

Angst vor Produktionsausfall

60 Prozent der weltweiten Produktion kommt aus den Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Zwar sind beide Länder bislang nicht von der verheerenden Epidemie betroffen - jedoch die Elfenbeinküste-Nachbarländer Liberia und Sierra Leone. Aufgrund unkontrollierter Grenzen zu den Ebola-Ländern Liberia und Guinea wächst die Angst, dass sich die Krankheit auf die großen Kakaoproduzenten ausbreiten könnte.

Viele Arbeiter auf den Kakaoplantagen kommen aus den Nachbarländern, wo Ebola schon grassiert, erläutert der Experte Thomas Pugh von der Londoner Beratungsfirma Capital Economics. "Und sind die Arbeitskräfte nicht da, ist der Nachschub gestört."

Der Kakao wird vor allem von Kleinbauern angebaut, gibt Edward George von der Ecobank zu bedenken. "Wir reden von Hunderttausenden von Bauern, mit Feldern, die 1,5 oder zwei Hektar groß sind." Entsprechend mühsam ist der Transport: "Das sind Leute, die mit dem Moped, mit dem Auto oder Kleinlaster die Bauern abklappern." Sollte sich Ebola ausbreiten, würde keiner mehr fahren, die Regierung würde ganze Landstriche unter Quarantäne stellen und Ausgangssperren verhängen.

"Stellen Sie sich das mal vor: 60 Prozent des weltweiten Angebots fallen einfach weg", ruft Rohstoffhändler George. "Da würden die Preise aber spektakulär steigen!"

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