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Karstadt-Chef Fanderl: Weiteren acht bis zehn Filialen droht Aus


Radikaler Umbau bei Karstadt  

Weiteren acht bis zehn Filialen droht Schließung

24.10.2014, 14:45 Uhr | dpa, t-online.de

Karstadt-Chef Fanderl: Weiteren acht bis zehn Filialen droht Aus. Auf die beschlossenen Schließung von sechs Filialen könnten weitere acht bis zehn folgen. (Quelle: dpa)

Auf die beschlossenen Schließung von sechs Filialen könnten weitere acht bis zehn folgen. (Quelle: dpa)

Karstadts neuer Chef Stephan Fanderl geht davon aus, dass neben der angekündigten Schließung von sechs Häusern weitere Standorte dichtgemacht werden. "Bei weiteren acht bis zehn Filialen ist die Situation ähnlich", erklärte der 51-jährige Manager in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Karstadt werde dort individuelle Lösungen suchen, etwa mit den Vermietern sprechen, ob es andere Möglichkeiten zur Nutzung der Häuser gebe oder eine Chance bestehe, früher aus den laufenden Mietverträgen herauszukommen.

Von den bereits beschlossenen Schließungen sind die Karstadt-Warenhäuser in Hamburg Billstedt und Stuttgart betroffen, die Ende Juni 2015 ihre Pforten schließen sollen. Zu diesem Datum trifft es auch die beiden auf junge Kundschaft ausgerichteten K-Town-Filialen in Göttingen und Köln. Außerdem sollen zwei sogenannte Schnäppchencenter geschlossen werden - eines in Frankfurt (Oder) bereits Ende April und eines in Paderborn Ende Juni.

"Ziemlich große Nummer"

Das bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag beschlossene Sanierungsprogramm mit dem Namen "Fokus" sei "selbst für den deutschen Einzelhandel eine ziemlich große Nummer", räumte Fanderl ein. Aber er habe die "Erfahrung und Entschlossenheit, das Programm umzusetzen".

Die Signa-Holding des neuen Eigentümers René Benko werde "nach der erfolgreichen Sanierung" weiteres Geld in dreistelliger Millionenhöhe für das Zukunftskonzept zur Verfügung stellen. Die Filialen sollten bundesweit in zwei Kategorien eingeteilt werden. "Es gibt zwei Gruppen von Käufern in einem Warenhaus", erklärte Fanderl. "Die Kunden, die sich inspirieren lassen wollen, und die Kunden, die möglichst bequem ihren Bedarf decken möchten."

Massiver Stellenabbau

Direkt nach seiner Ernennung durch den Aufsichtsrat hatte Fanderl die Schließung der sechs Filialen verkündet. 240 Mitarbeiter in den betroffenen Filialen erhielten die Mitteilung, dass sie ihren Job verlieren. Der Abbau von 2000 weiteren Stellen in den übrigen Warenhäusern und der Zentrale ist geplant.

Karstadt-Gesamtbetriebsratchef Hellmut Patzelt sprach von einem "dunklen Tag für die Beschäftigten". Karstadt hat derzeit noch insgesamt 17.000 Mitarbeiter. Der für Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat sitzende Arno Peukes sagte, nach wie vor sei die Zukunft von 21 Warenhäusern, die rote Zahlen schreiben, ungewiss. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft würden alles daran setzen, diese Häuser zu erhalten. Die nächste Aufsichtsratssitzung sei für Anfang nächsten Jahres geplant.

Derweil kündigte der Karstadt-Chef an, mit der Belegschaft über mögliche Zugeständnisse verhandeln zu wollen "Wir müssen über Einsparungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sprechen und darüber, die Tarifpause über 2015 hinaus zu verlängern", so Fanderl gegenüber dem "Handelsblatt".

Neue Warenhaus-Konzepte

Fanderl betonte: "Die Sanierung wird uns viel abverlangen. Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen wie auch Filialschließungen wird es nicht gehen, um das Überleben des Gesamtunternehmens zu sichern." Man habe aber in kürzester Zeit ein Zukunftskonzept erarbeitet, mit dem das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet werden könne. Bereits im nächsten Jahr sollten einzelne neue Warenhaus-Konzepte an den Start gehen.

Verdi-Sprecherin Eva Völpel begrüßte die Entscheidung für den neuen Karstadt-Chef: "Herr Fanderl hat große Expertise im Handel und das ist genau das, was Karstadt jetzt auch braucht." Dennoch müsse nun offengelegt werden "wie man sich den Umbau tatsächlich vorstellt" und Karstadt "voranbringen will, statt ständig nur an der Kostenschraube zu drehen."

Verdi kontert die Pläne

Die geplante Schließung des Karstadt-Hauses in Stuttgart hat nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi allerdings nichts mit der schwierigen Lage des Konzerns zu tun. "Hier saniert sich der Immobilienbesitzer Benko auf dem Rücken der Stuttgarter Belegschaft", befand Verdi-Landesfachbereichsleiter Bernhard Franke mit Blick auf den Neu-Eigentümer René Benko. Karstadt Stuttgart gehöre schon immer zu den besten Standorten und entwickele sich seit Jahren besser als der Konzern, erklärte Franke.

In der Stuttgarter Innenstadt haben erst jüngst zwei Einkaufszentren eröffnet, die Umsätze von bis zu 350 Millionen Euro im Jahr erwarten - etwa ein Drittel der Erlöse, die derzeit in der Stuttgarter Innenstadt erzielt werden. "Wahrscheinlich wäre das Haus längst in schwarzen Zahlen, wenn der Ertrag nicht durch übermäßig hohe Mieten abgesaugt würde", sagte Franke.

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