Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Aktien >

Anlagestrategien: Wer Gewinner jagt, verliert


Anlagestrategien  

Wer Gewinner jagt, verliert

10.11.2014, 11:22 Uhr | Von Jürgen Lutz für t-online.de

Anlagestrategien: Wer Gewinner jagt, verliert. Wer zuletzt auf Gewinner setzte, lag eher daneben (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer zuletzt auf Gewinner setzte, lag eher daneben (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nach dem fulminanten Vorjahr war für die meisten Analysten sonnenklar: Auch 2014 wird sich die Anlageklasse der Aktien hervorragend entwickeln. Doch Ende Oktober lagen nicht die Dividendentitel deutlich vorn, sondern Staatsanleihen. Auch Gold in Euro hatte sich besser entwickelt als erwartet. Gegen solche Fehlprognosen hilft nur ein wirklich breit gestreutes Depot.

Seit Jahren sagen Finanzexperten vorher, dass die Zinswende bei den Anleihen unmittelbar bevorstehe. Ihr Argument: Die Zinsen seien so niedrig, dass ein weiteres Absinken kaum noch vorstellbar ist. Genau in dieses Schema passt eine Umfrage von Bloomberg vom Frühjahr dieses Jahres. Die Nachrichtenagentur hatte von 67 US-Ökonomen wissen wollen, wie sich die langfristigen Zinsen im nächsten halben Jahr ihrer Meinung nach entwickeln würden. Nicht ein einziger Befragter ging von fallenden Zinsen aus! Vielmehr glaubten alle Wirtschaftswissenschaftler, dass die Zinsen 2014 steigen und die Kurse der Anleihen damit fallen würden.

Ökonomen liegen bei Zinsen komplett daneben

Doch es kam genau anders - auch in Deutschland. Bis Ende Oktober gab der Zins für die zehnjährige Bundesanleihe von 1,9 auf 0,8 Prozent nach. Im Gegenzug gewann das Papier acht Prozent an Wert. Noch weitaus mehr Freude hatten Anleger, die sich mit 30-jährigen Staatsanleihen gegen Deflation und Konjunkturabkühlung gewappnet hatten: Weil der Zins von 2,8 auf 1,7 Prozent einbrach, spülte ihnen die Anleihe bis zum Ende des goldenen Herbstmonats einen Kursgewinn von mehr als 24 Prozent ins Depot.

Christian Fischl, Geschäftsführer bei der bankenunabhängigen Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung mit Hauptsitz in München, zieht ein für Privatanleger wichtiges Fazit: "Es ist gefährlich, sich auf den Konsens der Finanzexperten zu verlassen. Insbesondere dann, wenn alle sich einig sind, ist mit Überraschungen oder sogar dem Gegenteil zu rechnen." Viel wichtiger sei es, eine eigene fundierte Meinung zu haben, die man schlüssig begründen kann, so Fischl.

Gold in Euro schneidet besser ab als gedacht

Auch in Sachen Gold bekleckerten sich die Analysten 2014 nicht gerade mit Ruhm - zumindest was die Eurozone betrifft. Ende Oktober stand hier für Goldanleger ein Plus von knapp sieben Prozent zu Buche, obwohl das in US-Dollar gehandelte Edelmetall um zwei Prozent nachgegeben hatte.

Bedingt ist der Unterschied in der Wertentwicklung durch den Wechselkurs von Euro und US-Dollar: Die Gemeinschaftswährung wertete im Jahresverlauf von 1,37 auf 1,25 Dollar ab, also um neun Prozent. "Das verschaffte Goldanlegern in der Eurozone trotz des leicht sinkenden Goldpreises einen Gewinn", sagt Dr. Andreas Schyra von der PVV Private VermögensVerwaltung mit Sitz in Essen. Sein Fazit: "Euro-Anleger, die sich mit dem Goldanteil im Depot gegen einen Schwinden der Kaufkraft absichern wollten, haben ihr Ziel aufgrund der Währungsentwicklung erreicht."

Gemischte Entwicklung bei Aktien

Eher durchwachsen ist bislang die Prognose-Performance der Analysten bei Aktien. Nach einer Auswertung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) erwarteten 23 Banken im Januar durchschnittlich einen Jahresendstand von 10.100 Punkten beim DAX und von 3350 Zählern beim Euro Stoxx 50. Doch Ende Oktober stand beim DAX ein Jahresminus von drei Prozent und beim europäischen Aktienbarometer ein Verlust von einem Prozent zu Buche. Um das Konsensziel zu erreichen, müssten die Indizes bis Silvester immerhin noch sieben bzw. acht Prozent zulegen.

Mix aller Anlageklassen ist entscheidend

Ob sie das schaffen? Christian Fischl will es nicht ausschließen, doch hält der Münchner Vermögensverwalter ebenso wie sein Essener Kollege einen anderen Aspekt für weitaus bedeutender: "2014 zeigt deutlich, wie wichtig es ist, ein breit gestreutes Depot über alle Anlageklassen zu führen, das zum Profil des jeweiligen Anlegers passt", so Fischl. Sein Fazit: "Wer nur Gewinner jagt, verliert."

In der Tat sahen Investoren, die 2013 Gold kauften, weil das Edelmetall zuvor hervorragend gelaufen war, im Vorjahr 30 Prozent ihres Geld dahinschwinden. Und Anleger, die im vergangenen Jahr langlaufende Staatsanleihen ins Depot nahmen, weil diese in den drei Jahren zuvor fantastische Kursgewinne geliefert hatten, büßten 2013 rund zehn Prozent ein. "In diesem Jahr", so Andreas Schyra, "ist eine Jahresendrallye nötig, damit europäische Aktien nicht schlechter abschneiden, als nach dem guten Vorjahr erwartet wurde."

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal