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Burger King: Yi-Ko-Holding lässt alle 89 Filialen schließen


Yi-Ko ordnet Schließung an  

Bei Burger King gehen die Lichter aus - Yi-Ko-Pleite wohl unvermeidlich

24.11.2014, 15:02 Uhr | AFP, dpa, t-online.de

Burger King: Yi-Ko-Holding lässt alle 89 Filialen schließen. Immer mehr Burger-King-Filialen des betroffenen Franchise-Nehmers müssen schließen (Quelle: dpa)

Immer mehr Burger-King-Filialen des betroffenen Franchise-Nehmers müssen schließen (Quelle: dpa)

Was sich am Wochenende bereits abzeichnete, wird nun Gewissheit: Im Streit zwischen der Fastfood-Kette Burger King und ihrem Franchise-Nehmer Yi-Ko müssen alle Filialen schließen. Geschäftsführer Dieter Stummel habe die Filialleiter in einem Schreiben aufgefordert, alle 89 Schnellrestaurants vorerst dicht zu machen, berichteten "WAZ-Online" und hr-info übereinstimmend. Die Gespräche über eine "baldige Wiedereröffnung" der Filialen gehen demnach zwar weiter; die Gewerkschaft NGG rechnete jedoch mit einer Pleite von Yi-Ko.

Die 13 hessischen Burger-King-Filialen von Yi-Ko seien bereits dicht, hieß es. Ebenso geschlossen haben bereits ein Restaurant in Köln, zwei in Augsburg, drei in Essen und neun in München, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). In München seien zudem die beiden Burger-King-Filialen im Hauptbahnhof bis Sonntag noch mit Lebensmitteln aus den anderen Filialen der Stadt beliefert worden; dies sei nun auch "abgeschlossen".

Ein Gastronomie-Experte befürchtet, dass bereits viel mehr Restaurants dicht sind. "Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Betriebe schon geschlossen ist", sagte Guido Zeitler gegenüber dpa am Vormittag.

Starker Umsatz-Rückgang

Burger King hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass alle Verträge mit der Yi-Ko-Holding gekündigt seien und den Franchise-Nehmer aufgefordert, seine Filialen umgehend zu schließen. Der Franchise-Nehmer habe sich nicht an die vertraglich vereinbarten Arbeitsbedingungen für seine 3000 Mitarbeiter gehalten.

Yi-Ko-Geschäftsführer Stummel sagte der "Süddeutschen Zeitung", eine "Insolvenz-Anmeldung wäre unvermeidlich", wenn es nicht gelinge, geschlossene Filialen möglichst schnell wieder zu öffnen. Nach der Berichterstattung von Günter Wallraff über schlechte hygienische Bedingungen und ungerechte Arbeitsbedingungen ging der Umsatz demnach um bis zu 40 Prozent zurück. Zwar habe sich das Geschäft zuletzt erholt, der "Verlauf der vergangenen Tage" habe die Umsätze wieder einbrechen lassen.

Yi-Ko-Pleite wahrscheinlich

In München lud die NGG nach Angaben des Sprechers die betroffenen Mitarbeiter zu einer Versammlung, um sie über ihre Rechte zu informieren - etwa bei einer Insolvenz. Alle Seiten stellten sich auf eine Pleite von Yi-Ko ein, sagte der Sprecher.

Aus Sicht der Gewerkschaft sei eine Insolvenz auch eine Chance: Ein Insolvenzverwalter würde gemeinsam mit Burger King nach einer Lösung suchen, wie die Filialen schnell wieder beliefert werden könnten. Burger King sei in der Pflicht, eine faire Lösung für die rund 3000 betroffenen Beschäftigten zu finden, bekräftigte der Gewerkschaftssprecher.

Produktname "Whopper" und Außenwerbung verboten

Das Landgericht München bestätigte derweil den Erlass einer Einstweiligen Verfügung. Damit hatte die Fastfood-Kette Yi-Ko die Nutzung des Burger-King-Firmenlogos sowie von Produktnamen wie dem "Whopper" verbieten lassen. Auch die Arbeitskleidung und die Außenwerbung an den Filialen darf nicht mehr genutzt werden. Der Franchisenehmer habe dagegen Widerspruch eingelegt, sagte die Gerichtssprecherin. Darüber müsse nun mündlich verhandelt werden, ein Termin dafür stehe aber noch nicht fest.

Kritik an der deutschen Niederlassung der US-Fast-Food-Kette

Der Franchise-Experte Felix Peckert kritisierte gegenüber der Tageszeitung "Die Welt", die Kündigung des Vertrages mit dem größten deutschen Franchise-Nehmer sei zwar alternativlos gewesen. Im Vorfeld habe Burger King Deutschland aber einige Fehler gemacht.

Die Strategie von Burger King war, wie in anderen Ländern 100 Prozent der Filialen in Deutschland im Franchise-System zu betreiben. Beim Konkurrenten McDonald's gibt es zum Beispiel einen Mix aus eigenen und fremdbetriebenen Restaurants. So kam es, dass Burger King einen Franchise-Nehmer für die 89 zuvor in Eigenregie betriebenen Standorte suchte und sich dabei für die Yi-Ko-Holding entschied.

Peckert, der eine auf Franchising spezialisierte Unternehmensberatung betreibt, sagte dazu der "Welt", Burger King hätte die Läden besser in kleinen Gruppen an fünf oder zehn Franchise-Nehmer abgegeben, statt an einen einzelnen Betreiber, insbesondere nicht an einen Investor.

Unübliches Modell für Franchise

Auch der Deutsche Franchiseverband (DFV) nannte das Burger-King-Yi-Ko-Modell in der "Welt" "außergewöhnlich und vollkommen untypisch" für die Branche. Investoren als Franchise-Nehmer seien unüblich, die Anzahl der Betriebe eines einzelnen Franchise-Nehmers "eine absolute Ausnahme".

Der Deutschland-Geschäftsführer von Burger King, Andreas Bork, wies die Kritik zurück. Man sei damals davon ausgegangen, den richtigen Partner gefunden zu haben. "Klar ist aber auch, dass wir aus der Situation gelernt haben und es einen solchen Fall nicht noch einmal geben wird", zitierte ihn die Zeitung.

Schwierige Branche Fastfood

Der "Focus" rechnete derweil vor, warum es sich nicht lohnt, eine Fastfood-Filiale zu übernehmen. So seien die Umsätze in der Branche seit Jahren rückläufig, die Kosten für Lizenznehmer dagegen gestiegen. Bei McDonald's komme beispielsweise noch die Miete für das Restaurant dazu, die die Marge auffresse. Die Mitspracherechte der Franchise-Nehmer seien außerdem stark eingeschränkt.

Darüberhinaus komme auf die Branche ein Kostenschub zu. So habe etwa Yi-Ko seinen Mitarbeitern laut Wallraff-Recherchen 7,50 Euro in der Stunde bezahlt, ab Januar müssen es wegen des Mindestlohns aber 8,50 Euro sein.

Die Arbeitgeber haben deshalb den Manteltarifvertrag mit der NGG zu Ende Dezember gekündigt. Sie wollen das Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen sowie Zuschläge für Feiertage, Nachtarbeit und Überstunden und die Vermögenswirksamen Leistungen (VL) abschaffen. Die NGG bezeichnete es als nicht verhandelbar, dass die Mitarbeiter ihren Mindestlohn quasi selbst finanzieren sollen.

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