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"Wettrüsten von Aldi und Lidl": kein Ende des Discounter-Kriegs in Sicht


"Wettrüsten von Aldi und Lidl"  

Experten sehen kein Ende des Discounter-Kriegs

02.12.2014, 11:50 Uhr | t-online.de, dpa-AFX

"Wettrüsten von Aldi und Lidl": kein Ende des Discounter-Kriegs in Sicht. Aggressive Preis-Attacken von Aldi und Lidl umfassen immer mehr Produktbereiche (Quelle: dpa)

Aggressive Preis-Attacken von Aldi und Lidl umfassen immer mehr Produktbereiche (Quelle: dpa)

Deutschlands Discounter zeigen sich in diesem Jahr besonders angriffslustig. Marktführer Aldi schockte in den vergangenen Monaten die Wettbewerber teilweise im Wochentakt mit Preissenkungen. Indessen griff Konkurrent Lidl unter anderem den Weinhandel und den Spielwaren-Fachhandel mit großen Marketingaktionen an. Angesichts der aggressiven Attacken spricht das Fachblatt "Lebensmittel Zeitung" bereits von einem "Wettrüsten von Aldi und Lidl". Ein Ende ist nicht in Sicht - zur Freude der Verbraucher.

Egal ob Fruchtsäfte, Milchprodukte oder Wurstwaren: Es gibt kaum ein Produkt bei dem Aldi in diesem Jahr nicht den Rotstift angesetzt hat. Wie die "Lebensmittel Zeitung" unter Berufung auf den Wirtschaftsinformationsdienst Preiszeiger berichtet, verbilligte der Discounter in den ersten zehn Monaten dieses Jahre mehr als ein Viertel seines Sortiments. Zwar gab es auch Preiserhöhungen, doch deren Zahl war deutlich niedriger als die der Rotstiftaktionen.

Spielraum durch niedrigere Rohstoffpreise

"Letztlich muss sich Aldi seinen nach wie vor guten Ruf immer wieder durch neue Preissenkungen erkaufen", erklärt Handelsexperte Matthias Queck vom Marktinformationsdienst Planet Retail die Strategie des Marktführers. Und der Rückgang vieler Rohstoffpreise gebe dem Discounter dafür den nötigen Spielraum.

Allerdings zogen die Konkurrenten bei den Aldi-Preissenkungen in den vergangenen Monaten in der Regel rasch nach, um sich keine Blöße zu geben. "Wegen des harten Preiswettbewerbs verdienen selbst die Discounter bei vielen Eckprodukten nicht viel Geld", meint Queck. Dafür seien aber die Preise für Randprodukte und saisonale Angebote nach oben gegangen. Da werde dann versucht etwa mit Raclette-Käse im Winter und Erfrischungsstäbchen im Sommer wieder hereinzuholen, was im Preiskampf anderorts verloren ging.

Lidl setzt auf Spielwarenklassiker

Konkurrent Lidl setzte dagegen mehr auf Profilierung durch Aktionen. Im aktuellen Weihnachtsgeschäft etwa steigt der Discounter im großen Stil ins Spielwarengeschäft ein und offeriert in einem eigenen 36-seitigen Prospekt Spielzeugklassiker wie Carrera-Autorennbahnen, Barbie-Puppen und Lego-Sets. Lidl greift damit nicht nur den Spielwaren-Fachhandel an, sondern auch die Drogeriemarktkette Müller, die schon länger diese Marktnische für sich entdeckt hat.

Doch beschränkt sich die Angriffslust von Lidl nicht auf diesen Bereich. Dass der Discounter mehr als nur billig kann, bewies er bei einer großen Weinaktion im Herbst, die ganz unverhohlen auch auf wohlhabendere Kunden zielte. Waren doch unter anderem etliche edle rote Bordeaux-Weine zu Preisen zwischen 30 und 90 Euro je Flasche im Angebot. Teuerste Offerte war ein Sauternes von Chateau d'Yquem 2011 zum Preis von 349 Euro, dem der Prospekt faszinierende Geißblattnoten, Aromen von weißem Pfirsich und karamellisierten Aprikosen, subtile Vanillenoten und einen unvergesslichen Abgang bescheinigte.

Preiskampf geht 2015 weiter

"Das hat bei Lidl eine neue Qualität angenommen", urteilt denn auch Wolfgang Adlwarth, Handelsexperte bei der Gesellschaft für Konsumforschung. Auffallend sei dabei, dass der Aldi-Rivale die Aktionen gezielt nutze, um sein Ladengeschäft ins Internet zu verlängern und sein Online-Standbein zu stärken.

Gewinner des scharfen Wettbewerbs sei der Verbraucher, meint Adlwarth. Und der kann nach Einschätzung des Handelsexperten auch 2015 mit weiteren angenehmen Überraschungen rechnen. Zwar würden die Rotstiftaktionen im kommenden Jahr wohl nicht mehr die Ausmaße dieses Jahres haben, da der Spielraum geringer geworden sei, meint der Branchenkenner. "In einigen Sortimentsbereichen wird es aber sicher noch weiter runtergehen." Für Adlwarth steht fest: "Deutschland als Billiglebensmittelland wird seinem Ruf erneut gerecht."

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