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Opel schließt Bochum-Werk: Eine Ära geht zu Ende

Opel-Schließung in Bochum  

"Man hat uns hier verhungern lassen"

05.12.2014, 18:36 Uhr | dpa-AFX, dpa, t-online.de

Opel schließt Bochum-Werk: Eine Ära geht zu Ende. Geschasster Opel-Logistik-Mitarbeiter Antonio Gonzalez: sechs Kinder und herbe Lohneinbußen (Quelle: dpa)

Geschasster Opel-Logistik-Mitarbeiter Antonio Gonzalez: sechs Kinder und herbe Lohneinbußen (Quelle: dpa)

Am frühen Freitagmorgen gegen ein Uhr ist in Bochum der letzte Opel vom Band gelaufen - ein dunkelgrauer Zafira-Familienvan. Eine Ära ging damit zu Ende. "Das Herz von Opel hat aufgehört zu schlagen", sagt ein Mitarbeiter später, als er aus dem Werkstor kommt. Gut 3000 Beschäftigte verlieren ihren Job, die meisten wechseln im neuen Jahr erst einmal in eine Transfergesellschaft.

Das Opelwerk in Bochum hat seine Autoproduktion eingestellt. Jetzt folgen Aufräum- und Abschlussarbeiten. Nach der letzten Produktionsschicht war am Werkstor Enttäuschung, Resignation und Kritik am Opel-Management zu hören, das am Ende nicht einmal mehr das Dach der Bochumer Fabrik erneuert habe. Letzte Protestaktionen oder lautstarke Kritik gab es nicht, nicht einmal Transparente - der Kampf um Opel hat einfach schon zu lange gedauert.

"Das ist jetzt Neuland"

"Tja, man hat uns hier verhungern lassen", sagt Hans Skopek aus der Endmontage, der seit 40 Jahren bei Opel arbeitet. Die letzten zehn Jahre sei es mit dem Werk immer weiter bergab gegangen. "Das Management hat das Werk vor die Hunde gehen lassen." Am Ende habe es sogar reingeregnet.

Für den 55-Jährigen Anlagenelektroniker geht es 2015 in die zweijährige Transfergesellschaft - sieben Monate mit vollem Geld, dann mit 80 und im letzten Jahr mit 70 Prozent des Gehalts. "Das ist jetzt Neuland: vielleicht finde ich ja was in meinem gelernten Beruf." Doch Skopeks Zeit in diesem Beruf ist lange her.

Von den noch 3300 Beschäftigten müssen rund 2700 Menschen in die Transfergesellschaft wechseln. Etwa 300 können - freilich mit herben Abzügen - in die Altersteilzeit gehen. Weitere rund 300 wechseln in das Zentrallager, wo die Belegschaft aufgestockt wird.

Sechs Kinder und herbe Lohneinbußen

"26 Jahre habe ich hier gutes Geld verdient", sagt Antonio Gonzalez (48), der als Kolonnenführer Logistik bei Opel arbeitete. Er will nach dem Aus bei Opel versuchen, sich zum Ausbilder für Lagerfachkräfte umschulen zu lassen. Das bedeutet erhebliche Lohneinbußen für Gonzalez, der zusammen mit seiner Partnerin sechs Kinder versorgen muss. "Dennoch - das Leben ist nicht Opel", sagt er. Sein bewegendster Moment in den 26 Jahren? "Als ich eingestellt wurde. Da habe ich gedacht: Jetzt kann nichts mehr passieren - Rente, Du kannst kommen."

"Ich sag nix, mir reicht's"

Nicht alle am Werkstor sind so gelassen wie der gebürtige Spanier. Viele schütteln nur stumm den Kopf oder antworten kurz im Vorbeigehen Sätze wie "Was soll ich sagen - ich bin traurig" bis "Ich sag nix, mir reicht's". Einem Mitarbeiter schießen die Tränen in die Augen, als plötzlich eine Fernsehkamera auf ihn gerichtet ist.

Güler Nihat, der 1991 bei Opel gelernt hat, will sogar gegen Opel klagen, wenn er seine Kündigung bekommt. Er zählt zu den wenigen, die den Sozialtarifvertrag nicht unterschrieben haben. "Meine Zukunft?", sagt der Familienvater mit drei Kindern zögernd, "50:50 - ach, ich weiß nicht."

"IG Metall nicht richtig gekämpft"

Mike Szczeblewski ist nicht nur auf Opel, sondern auch auf die IG Metall sauer, die den Tarifvertrag für den Ausstieg ausgehandelt hat. "Ich bin tief enttäuscht", sagt er. "Die haben das Angebot aus Detroit von GM angenommen und nicht richtig für unsere Jobs gekämpft." Für seine Zeit draußen ist der 37-Jährige wenig optimistisch.

1994 hat er bei Opel Schlosser gelernt, wechselte aber schon 1998 in die Lackiererei. Nach der langen Zeit außerhalb des erlernten Berufs gelte er auf dem Arbeitsmarkt jetzt als Ungelernter, sagt Szczeblewski. "Meine Existenz ist zerstört."

Letzter Zafira für sozialen Zweck

Und was geschieht mit dem letzten produzierten Opel aus Bochum? Das letzte Auto, der dunkelgraue Zafira, soll nicht verkauft, sondern für einen sozialen Zweck verwendet werden.

Die Anlagen des Bochumer Werks werden weiter genutzt oder ins Ausland verkauft. Eine etwa 150-köpfige Auslaufbelegschaft demontiert die Maschinen und räumt die Hallen leer. Am 1. Juli 2015 soll das Gelände "besenrein" an die Entwicklungsgesellschaft "Perspektive Bochum 2022" übergeben werden, die in den kommenden Jahren auf dem Geländen neue Unternehmen ansiedeln will.

Da Opel noch 2010/2011 rund 175 Millionen Euro in die Modernisierung der Bochumer Fertigung gesteckt hat, sind viele Anlagen noch recht neu. Zum Teil gehen die Roboter und Werkzeuge nach Rüsselsheim oder an andere Opelstandorte. Anderes wird über einen Industrieanlagen-Vermarkter an Interessenten verkauft. Was dann übrig ist, wird Schrotthändlern angeboten.

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