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Bahn kündigt größtes Sanierungsprogramm ihrer Geschichte an


Hunderte Baustellen  

Bahn kündigt größtes Sanierungsprogramm ihrer Geschichte an

08.12.2014, 17:24 Uhr | AFP, dpa, rtr

Bahn kündigt größtes Sanierungsprogramm ihrer Geschichte an. ICE im Hauptbahnhof von Köln: Bahnreisende müssen ab 2015 mit Verspätungen wegen vieler Baustellen rechnen (Quelle: imago/Schoening)

ICE im Hauptbahnhof von Köln: Bahnreisende müssen ab 2015 mit Verspätungen wegen vieler Baustellen rechnen (Quelle: imago/Schoening)

Die Fahrgäste wird es zunächst wohl nicht freuen, aber dann wird es sich auszahlen: Die Deutsche Bahn hat das größte Investitionsprogramm in der deutschen Eisenbahngeschichte angekündigt - milliardenschwer und mit Hunderten von Baustellen. Dank einer Finanzspritze des Bundes will die Bahn allein im kommenden Jahr 3800 Kilometer Schienen erneuern oder warten. An manchen Tagen in den nächsten Jahren soll es bis zu 850 Baustellen gleichzeitig geben.

Für Bahnreisende bedeutet das, dass Züge umgeleitet werden müssen und dann bis zu eine Stunde länger brauchen. Die Fahrpläne sollen entsprechend angepasst werden.

Insgesamt sollen bis 2019 28 Milliarden Euro in die Sanierung maroder Strecken, Brücken und Signalanlagen fließen. Grundlage für die Investitionsoffensive ist eine kürzlich abgeschlossene neue Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung der Bahn mit ihrem Eigentümer, dem Bund. Sie soll sicherstellen, dass das Netz nicht weiter verfällt.

Die Bahn selbst steuert 11,4 Milliarden Euro bei, 16,6 Milliarden kommen vom Eigentümer Bund. Ab 2019 soll dann der von der Deutschen Bahn selbst auf 30 Milliarden Euro bezifferte Investitionsstau im Netz über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten abgebaut werden.

Marode Brücken

Der Sanierungsbedarf im Streckennetz ist gewaltig, wie vor allem die Brücken zeigen. So sind von den rund 25.000 Bauwerken rund 9200 älter als 100 Jahre. 1100 bis 1200 davon gelten als sanierungsbedürftig. Drei der insgesamt 28 Milliarden Euro will die Bahn deshalb bis 2019 in den Erhalt von 875 Brücken stecken. Für Stellwerke sind vier Milliarden Euro vorgesehen, für Gleise zwölf Milliarden Euro, für Tunnel eine Milliarde Euro und für andere Bauwerke wie Bahnhöfe weitere acht Milliarden Euro. 17.000 km Schiene werden insgesamt ausgetauscht, dazu 8700 Weichen.

Die Auswirkungen auf die Kunden will das Unternehmen so gering wie möglich halten. Wenn möglich werde an Wochenenden oder in der Nacht gearbeitet, sagte Bahn-Vertriebsvorstand Jörg Sandvoß. Außerdem würden Bauprojekte gebündelt, um Streckensperrungen so kurz wie möglich zu halten. Insgesamt seien rund 300.000 Züge von Fahrplanänderungen betroffen, davon die meisten wegen Verzögerungen im Bereich weniger Minuten.

Strecke Köln - Frankfurt wird zeitweise gesperrt

In manchen Fällen wird es Sandvoß zufolge allerdings auch zu erheblichen Verspätungen kommen. So wird die Schnellfahrstrecke Frankfurt - Köln an vier Wochenenden im April und Mai 2015 vollständig gesperrt. Für rund 300 Züge bedeutet das eine Reisezeitverlängerung von einer Stunde. Zwischen Hamburg und Hannover werden von Februar bis 2015 Fernverkehrszüge nachts über Rotenburg umgeleitet, was 20 Minuten mehr Zeit kostet. Auch Reisende von München nach Ingolstadt müssen im kommenden Jahr mit einer um 30 Minuten längeren Fahrzeit rechnen als derzeit.

Um die Zahl und Dauer baubedingter Sperrungen so gering wie möglich zu halten, bündelt die Bahn die größten Maßnahmen in sogenannte Korridore. 2015 sind laut Kefer in über 80 Korridoren mehr als 500 Einzelmaßnahmen geplant. Allein für nächstes Jahr kündigte die Bahn 12.750 Baufahrpläne an. Bei zweigleisigen Strecken wird wenn möglich an einem Richtungsgleis gearbeitet, während das andere noch für den Verkehr zur Verfügung steht.

Die wichtigsten Baustellen 2015

S-Bahn Berlin: Von Mitte Januar bis Anfang Mai wird auf der Nord-Süd-Verbindung der Oberbau, die Leit- und Sicherungstechnik und der Tunnel unter die Lupe genommen. In dieser Zeit ist die Strecke zwischen Gesundbrunnen und Yorkstraße gesperrt. Von Ende August bis Ende November wird außerdem eine Brückenkonstruktion am erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof saniert. Fernzüge halten dann im unteren Teil des Kreuzungsbahnhofs.

Hannover - Göttingen: Mitte Mai sollen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwölf Weichen erneuert werden. Während der Bauzeit wird die Strecke gesperrt. Der Fernverkehr wird von Hannover über die alte Strecke nach Göttingen umgeleitet. Das dauert 30 Minuten länger.

Köln - Frankfurt: Von Mitte April bis Mitte Mai werden auf der ICE-Strecke 44 Kilometer Schienenstrang ausgewechselt. Dazu wird die Strecke durch den Westerwald an vier Wochenenden gesperrt. Die Züge werden dann am Rhein entlang fahren. Die Fahrzeit verlängert sich um 60 Minuten.

Köln - Aachen: Die Strecke bekommt von Ende Juni bis Mitte August auf 22 Kilometern neue Gleise. Fernzüge fahren einen Umweg über Venlo und brauchen dafür 45 Minuten länger. Auf der Route Köln - Siegen werden im gleichen Zeitraum 35 Kilometer Gleise renoviert. Davon sind in der Bauzeit 77 Nahverkehrszüge betroffen, die durch Busse ersetzt werden.

Mannheim - Stuttgart: Von Mitte September bis Ende Oktober werden auf der Schnelltrasse Gleise und Weichen ausgetauscht. Dafür wird die Strecke zwischen Kraichtal und Stuttgart-Zuffenhausen zeitweise gesperrt. Die Umleitung über die alte Strecke kostet 40 Minuten Fahrzeit.

Nürnberg - Ansbach: Von Anfang März bis April wird ein zehn Kilometer langer Streckenabschnitt saniert. Zeitweise ist eine Sperrung nötig. Die Fernzüge der Linie Nürnberg - Karlsruhe werden über Treuchtlingen umgeleitet. Das dauert 40 Minuten länger als sonst.

München - Ingolstadt: Auf dieser Route wird voraussichtlich noch bis August 2015 die Schienentechnik erneuert, damit Züge künftig dort mit Tempo 200 fahren können. Dabei müssen ein alter Damm saniert, Gleise erneuert und neue Signalkabel verlegt werden. Ein Teil der Fernzüge muss über Augsburg umgeleitet werden. Das führt zu einer 30 Minuten längeren Fahrzeit.

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