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Die Eurokrise kommt zurück - zu einem ungünstigen Zeitpunkt


Analysten warnen  

Die Eurokrise kommt zurück - zu einem ungünstigen Zeitpunkt

10.12.2014, 14:10 Uhr | Martin Mrowka mit Material von dpa und rtr

Die Eurokrise kommt zurück - zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Kommt eine neue Euro-Krise? (Quelle: dpa)

Kommt eine neue Euro-Krise? (Quelle: dpa)

Mitten in der Vorweihnachtszeit gehen in Sachen Schuldenkrise wieder die Alarmlampen an. Griechenland könnte schon bald eine neue Eurokrise auslösen. Das würde wohl weltweite Auswirkungen haben - in Zeiten hoher Verschuldung keine gute Entwicklung. Zumal am Devisenmarkt eine Billionen-Bombe tickt.

In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage in Euroland eigentlich beruhigt. Die Konjunktur dümpelte zwar nur dahin, das Wort "Schuldenkrise" tauchte aber kaum mehr auf. Doch das hat sich plötzlich geändert. Griechenland rückt wieder in den Fokus.

Griechen könnten neue Schuldenkrise auslösen

Die Regierung in Athen hat die Präsidentenwahl vom Februar auf den 17. Dezember vorgezogen. Das schürt bei den Investoren Ängste vor einer politischen Instabilität und einer Abkehr vom Sanierungskurs des Landes. Parlaments-Neuwahlen drohen, die das Linksbündnis Syriza gewinnen könnte. Und das wäre schlecht für die Eurozone. Der Fortgang der zum Jahresende auslaufenden Hilfen wäre gefährdet, die Schuldenkrise könnte zurückkehren.

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Aus Furcht vor einer politischen Dauerkrise sind die Anleger in den vergangenen Tagen aus dem griechischen Markt geflohen. Der Leitindex der Athener Aktienbörse stürzte in zwei Tagen um rund 15 Prozent ab.

Krisensignale vom Anleihenmarkt

Auch am Anleihemarkt fielen die Kurse. Das trieb die Rendite der zehnjährigen Titel am Mittwoch auf 8,216 Prozent nach 8,064 Prozent. Bei den dreijährigen Staatsanleihen kletterte die Rendite auf 8,549 Prozent, den höchsten Stand seit der Emission im Juli. Damit liegt die Rendite der kurzfristigen Verbindlichkeiten über der von langfristigen Titeln, was allgemein als Krisensignal gilt. In Portugal, Spanien und Italien gerieten die Staatsanleihen ebenfalls unter Druck.

Durch eine neue Eurokrise würde "der Druck auf Italien und Frankreich, die beiden großen Sorgenkinder in Europa, vehement zunehmen", sagte Fondsmanager Jens Ehrhardt in einem Interview mit dem Magazin "Der Aktionär".

Die Kurse der als besonders sicher geltenden deutschen Staatsanleihen stiegen hingegen. Der Bund-Future als Barometer für den Anleihenmarkt markierte am Dienstag ein neues Allzeithoch über 154 Euro.

"Wir werden in den kommenden Monaten starke Schwankungen bei Griechen-Titeln sehen, bis sich die politische Lage stabilisiert", prognostiziert Analyst Diego Iscaro von IHS Global Insight. Und Charles Robertsons von Renaissance Capital ergänzt: "Griechenland könnte in den nächsten sechs Monaten für die weltweiten Märkte wichtiger werden als es Russland und die Ukraine zuletzt waren."

Schuldenschnitt wird diskutiert

Wolfgang Schäuble beschwichtigt hingegen. Der Bundesfinanzminister zeigt sich zuversichtlich, dass neue Probleme bei den griechischen Staatsfinanzen überwunden werden können. Notfalls müsse das Hilfsprogramm der Europäer verlängert werden, sagte der CDU-Politiker.

Doch auch dem Rest Europas geht es nicht gut. Deutschlands Konjunktur schrammte gerade an einer Rezession vorbei, Frankreich und Italien dümpeln ebenfalls ohne Kraft. "Zunehmend wird ein Schuldenschnitt diskutiert, damit die verschuldeten Länder aus der Krise kommen", sagt Metzler-Chefvolkswirt Edgar Walk. Dabei sieht er das Problem, dass die Banken sehr viel Staatsanleihen halten. Beispiel Griechenland: "Im Falle eines Schuldenschnitts müssten die Banken rekapitalisiert werden."

Gefahr droht auch aus Amerika. In den USA brummt die Konjunktur derart stark, dass eine Leitzinserhöhung dort nur noch eine Frage der Zeit ist. Schon in etwa sechs Monaten dürften die rekordniedrigen US-Zinsen steigen. Walk befürchtet in einem Risikoszenario, dass die Zinsen dort aufgrund eines erhöhten Lohndrucks sogar stärker als erwartet steigen könnten.

Höhere Zinsen locken Kapital an, der Dollar wird weiter erstarken. Einer der größten Verlierer dieser Entwicklung dürfte 2015 der Euro werden. "Der Euro dürfte Richtung 1,10 Dollar gehen", prognostiziert Walk.

Crash der Ölpreise

Das kommt zwar Europas Exportindustrie zugute. Doch den Schwellenländern bekommt ein noch stärkerer Dollar gar nicht. Denn sie haben sich in großen Teilen im US-Dollar verschuldet, um ihre Investitionen zu finanzieren. Für die Unternehmen, die Dollar-Schulden haben, schwillt ihre Schuldenlast in Heimatwährung gerechnet immer weiter an.

Hinzu kommt ein anderes Problem: "Viele Schwellenländer nehmen die benötigten Dollar zum überwiegenden Teil über Verkäufe von Rohstoffen ein, die traditionell in der US-Währung abgerechnet werden", schreibt die "Welt". Der Dollar-Preis der meisten Rohstoffe ist in den vergangenen Monaten aber deutlich zurückgegangen, Erdöl erlebte einen regelrechten Crash. Gut 40 Prozent sackten die Ölpreise seit dem Sommer ab.

Billionen-Bombe am Devisenmarkt

Am Aktienmarkt herrscht derweil eitel Sonnenschein. Die Rekorde bei DAX und Dow Jones werden von den Medien gepusht, doch die große Masse ist gar nicht in Aktien oder Fonds engagiert. Das wirklich große Rad wird am Devisenmarkt gedreht. "Die Währungsmärkte sind die größten und liquidesten Märkte der Welt", schrieb Analyst Graham Summers von Phoenix Capital Research kürzlich bei goldseek.com. Diese Märkte bewegen sich immer als erstes, wenn sich die Lage ändert.

"Die gesamte Welt versinkt derzeit in Geld - und der überwiegende Teil dieses Geldes sind US-Dollars", so Summers weiter. Die britische Zeitung "Telegraph" meldete kürzlich: "Die Kreditvergabe in US-Dollar an das Ausland ist auf 9 Billionen Dollar explodiert und stellt nun für die Schwellenmärkte wie auch für die globale Finanzstabilität ein zunehmendes Risiko dar, so die Warnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ." Die BIZ ist so etwas wie die Zentralbank der Notenbanken.

Schwellenländer kommen in die Bredouille

Die Tatsache, dass zur selben Zeit auch der Ölpreis implodiere, sei kein Zufall. Die weltweiten Ölproduzenten und Ölexplorations-Unternehmen finanzierten ihre Projekte nämlich auch in US-Dollar.

Diese Entwicklung werde schon bald auf die Schwellenmärkte und andere Vermögenswerte überspringen, befürchtet Summers. "Stellen Sie sich mal eine Welt vor, in der 9 Billionen ausgeglichen werden müssen." Der Abverkaufsdruck der Schuldtitel würde wohl auch andere Vermögenswerte in die Tiefe ziehen. Das sei genau wie in 2008, als die Finanzkrise die Welt an den Abgrund brachte.

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