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Karstadt-Pleite: 2015 geht es ums Ganze


Lichterkette aus - Sorgen an  

2015 geht es für Karstadt ums Ganze

23.12.2014, 12:36 Uhr | Von Uta Knapp & Erich Reimann, dpa

Karstadt-Pleite: 2015 geht es ums Ganze. Der schöne Schein trügt: Die Warenhauskette Karstadt steht am Scheideweg (Quelle: dpa)

Der schöne Schein trügt: Die Warenhauskette Karstadt steht am Scheideweg (Quelle: dpa)

Wenn der Weihnachtsfrieden endet, drohen bei der angeschlagenen Warenhauskette harte Auseinandersetzungen. Die Karstadt-Führung denkt laut über weitere Filialschließungen und fordert Lohnopfer der Beschäftigten. Die Gewerkschaft Verdi will da nicht mitspielen.

Noch lässt die Weihnachtsdekoration die Innenstadtkolosse der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt glänzen. Doch wenn zum Jahreswechsel der Stecker der letzten Lichterkette gezogen ist, muss sich der Handelsriese wieder der bitteren Realität stellen. 2015 geht es ums Ganze. Wenn der Konzern überleben will, muss er unter seinem neuen Eigentümer René Benko endlich einen Weg aus der Dauerkrise finden. Es dürfte ein steiniger Weg werden.

Denn Karstadt-Chef Stephan Fanderl hat bereits in den vergangen Monaten klar gemacht, dass im neuen Jahr weitere Filialschließungen drohen. Außerdem fordert das Unternehmen von den Beschäftigten finanzielle Opfer bei Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Doch beides stößt auf vehementen Widerstand der Gewerkschaft Verdi. "Allein durch einen Sparkurs kann Karstadt nicht nach vorne gebracht werden", widerspricht Stefanie Nutzenberger, das für Handel zuständige Mitglied des Verdi-Bundesvorstands. "Denn damit wird es keine Steigerung der Umsätze geben."

"Ernsthaftigkeit und Zielgerichtetheit"

Argumentative Unterstützung bekommen sowohl die Unternehmensleitung, als auch die Arbeitnehmervertreter vom Handelsexperten Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: "Das wichtigste für Karstadt ist jetzt wohl die rasche Umsetzung der Kostensenkungsprogramme." Aber fast genauso dringend sei es, das ganze Unternehmen konzeptionell neu aufzustellen. Die Idee, künftig die Karstadt-Filialen in Erlebnishäuser und Nahversorgungshäuser aufzuteilen, sei hier ein erster Schritt. "Aber notwendig ist wohl eine grundlegendere Überarbeitung des Konzepts", sagt Roeb.

"Seit dem Eigentümerwechsel wird mit einer neuen Ernsthaftigkeit und Zielgerichtetheit an der Lösung der Probleme gearbeitet", lobt Roeb die neue Führungsspitze unter Karstadt-Chef Stephan Fanderl.

Geld zählen mit bangem Gefühl

Auf allzu viel Rückenwind von der Konjunktur darf Karstadt dabei nicht hoffen. Zwar rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) damit, dass die Deutschen in Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr rund 85,5 Milliarden Euro ausgeben, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch ausgerechnet im für Karstadt besonders wichtigen Textilgeschäft verlief das Geschäft zuletzt enttäuschend. In den vielen Karstadt-Warenhäusern wird der Umsatz in diesem Jahr angesichts der ungewissen Zukunft mit einem besonders bangen Gefühl gezählt werden.

Filialschließungen kosten Geld

Ein Allheilmittel sind Filialschließungen für das finanzschwache Unternehmen ohnehin nicht, mahnt Thomas Roeb. Denn Schließungen von Warenhäusern sind teuer. "Die neue Konzernführung kann eigentlich nur Häuser schließen, die entweder so verlustbringend sind, dass die laufenden Verluste höher als die laufenden Mietzahlungen sind, oder solche, bei denen der Vermieter bei den Abstandszahlungen für den gekündigten Mietvertrag signifikante Konzessionen macht. Das ist nicht oft der Fall", erläutert der Handelsexperte. Berücksichtigt man dann noch die bei einer Schließung entstehenden Einmalkosten etwa für Sozialpläne, bleibe nicht viel Spielraum für schnelle harte Einschnitte im Filialnetz.

Opfer für das Warenhaus der Zukunft?

Eine Entwarnung für die Beschäftigten ist diese Einschätzung allerdings nicht. Sie werden nach Roebs Einschätzung weitere Opfer bringen müssen: "Ein Problem bei Karstadt ist, dass die Mitarbeiter dort im Durchschnitt noch immer besser - im Einzelfall sogar deutlich besser - verdienen als bei manchen Wettbewerbern. Dabei gibt das Geschäftsmodell das einfach nicht mehr her. Das müssen die Mitarbeiter begreifen und dauerhafte Lohneinbußen akzeptieren."

Die Gewerkschaft Verdi fordert allerdings einen anderen Kurs. Stefanie Nutzenberger mahnt, nur gemeinsam mit der Belegschaft könne die Konzernführung Karstadt fit für die Zukunft machen. Für die Gewerkschaft stünden Beschäftigungs- und Standortsicherung an erster Stelle. "Noch mehr Beschäftigte einzusparen, untergräbt das Warenhaus der Zukunft", glaubt die Gewerkschafterin.

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