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Turbulenzen am Devisenmarkt: Der Euro-Absturz hat auch Vorteile

Turbulenzen am Devisenmarkt  

Der Euro-Absturz hat auch Vorteile

22.01.2015, 17:19 Uhr | mmr, t-online.de, rtr, dpa-AFX

Turbulenzen am Devisenmarkt: Der Euro-Absturz hat auch Vorteile. Euro-Kurs auf Talfahrt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Euro-Kurs auf Talfahrt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Kursverfall des Euro hat sich mit der Ankündigung weiterer Milliarden-Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) beschleunigt. Am Donnerstag fiel der Euro fast bis auf die 1,14-Dollar-Marke und notierte damit so niedrig wie seit 2003 nicht mehr. Doch der Absturz der Gemeinschaftswährung hat seine Vorteile.

Der Euro ist unbestritten angeschlagen. Seit seinem Jahreshoch im vergangenen Mai bei 1,39 Dollar hat die Gemeinschaftswährung nun 18 Prozent eingebüßt. Zwei maßgebliche Gründe gibt es dafür: Mit dem Preissturz an den Ölmärkten haben sich laut Experten die Inflationserwartungen für die Eurozone kräftig eingetrübt, was die Wirtschaft bremst und die Zentralbank zu den gerade verkündeten Staatsanleihen-Käufen in Billionenhöhe drängt. Mehr Geld im Umlauf bei gleichzeitig kaum Auslandskapital anlockenden Niedrigzinsen - das drückt auf den Euro-Kurs.

USA-Leitzinsen könnten steigen

Als weiterer Grund für die Euro-Schwäche gilt die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA. Die US-Notenbank hatte im vergangenen Jahr die Geldschleusen für die inzwischen anziehende Konjunktur geschlossen und könnte in einigen Monaten erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 die Zinsen wieder erhöhen. Höhere Leitzinsen locken dort Gelder aus dem Ausland an, der US-Dollar steigt weiter.

Günstiges Öl wirkt wie großes Konjunkturpaket

Die Eurozone hingegen leidet nach wie vor unter den trüben Konjunkturaussichten insbesondere der Schuldenkrise-geplagten Mittelmeerländer. Da niedrige Leitzinsen die Investitionstätigkeit bislang nicht nachhaltig stimulieren konnten, sollen nun die Milliarden-Käufe von Staatsanleihen für einen Aufschwung sorgen. Gepaart mit der rasanten Talfahrt der Ölpreise und einem niedrigen Euro-Kurs sollen die EZB-Käufe die Konjunktur ins Laufen bringen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sprach von einem milliardenschweren Konjunkturpaket für die Eurozone, das den niedrigen Ölpreisen zu verdanken ist. Bleiben die Preise auf dem aktuellen Niveau, würden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Die Verbraucher profitierten sowohl bei den Benzin- als auch bei den Heizkosten.

Ähnlich sah das Carsten Brzeski. In einem Interview mit dem Fernsehsender n-tv sagte der ING-Diba-Chefvolkswirt vor einigen Tagen: "In Europa können wir uns über den schwachen Euro noch freuen."

Europas Exporte profitieren

Denn mit dem fallenden Euro-Kurs werden die in der Eurozone produzierten Waren im Rest der Welt (auf Dollar-Basis) günstiger. Anziehende Ausfuhren können die vom Export abhängige deutsche Konjunktur beflügeln. Arbeitsplätze in wichtigen Branche werden gesichert.

Exportunternehmen profitieren vom schwachen Euro. So können beispielsweise Autobauer wie Daimler, Volkswagen oder BMW ihre vergleichsweise teuren Fahrzeuge in den USA noch günstiger anbieten - ein enormer Vorteil im harten internationalen Wettbewerb. Auch Flugzeugbauer wie Airbus, deren Geschäfte in der Regel in US-Dollar abgewickelt werden, können dank niedrigem Euro ihre Produkte günstiger anbieten.

Es gibt auch Verlierer der Euro-Schwäche

Besorgte Bürger sprechen hingegen von einem verringerten Wert ihres Geldes. Das stimmt nur zum Teil. In der Eurozone merkt man das verschlechterte Wechselkurs-Verhältnis zum US-Dollar und zum Schweizer Franken nicht. Touristen aus Euroland hingegen, die ihre Reisen in die USA unter anderem zur Jagd auf Schnäppchen nutzen, müssen für Marken-Jeans oder Smartphone in den USA nun mehr bezahlen.

Generell wird der Urlaub in Ländern, in denen der US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel oder als Referenzwährung gilt, tendenziell teurer. So hat beispielsweise der Euro zum thailändischen Baht seit vergangenem Sommer um mehr als 15 Prozent abgewertet. Individual-Reisen werden entsprechend teurer, für Pauschalreisende ändert sich hingegen wenig.

Auch die Schweiz ist nach der überraschenden Entkoppelung vom Euro und der folgenden Franken-Aufwertung noch teurer geworden.

Griechenland bleibt Unsicherheitsfaktor

Auch die politische Entwicklung in Griechenland bleibt im Fokus der Devisenmärkte. Denn der am kommenden Sonntag anstehenden Neuwahl könnten die Wähler des Landes der ungeliebten Reformpolitik einen Denkzettel verpassen und gegen Europa stimmen. Dies hat eine neuerliche Debatte über einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion ausgelöst. Viele Börsianer fürchten für diesen Fall einen Dominoeffekt in der Eurozone. Ein Zerfall der Eurozone wäre schließlich der Super-GAU für Europas Volkswirtschaften.

Der Vize-Chef der EU-Kommission Jyrki Katainen hat allerdings die Sorgen über ein mögliches Euro-Ausscheiden Griechenlands zerstreut. "Die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone sind Zeitverschwendung", sagte Katainen bei einer Konferenz der Liberalen in Brüssel. "Die Mitgliedschaft in der Eurozone ist unwiderruflich."

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