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Ölpreis-Verfall als Jobkiller: Fracking-Arbeiter werden entlassen


Fracking-Arbeiter werden entlassen  

Ölpreis-Verfall als Jobkiller - US-Energiefirmen geraten unter Druck

08.01.2015, 14:31 Uhr | dpa

Ölpreis-Verfall als Jobkiller: Fracking-Arbeiter werden entlassen. Wasser-Tanks an einer Fracking-Station in Nord Dakota: Die niedrigen Ölpreise kosten Jobs (Quelle: Reuters)

Wasser-Tanks an einer Fracking-Station in Nord Dakota: Die niedrigen Ölpreise kosten Jobs (Quelle: Reuters)

Die sinkenden Ölpreise könnten den Fracking-Boom in den USA abwürgen und zahlreiche Jobs vernichten. Die ersten Arbeiter bekommen ihre Kündigung. Aber der Preisverfall hat für die Wirtschaft der USA nicht nur Schattenseiten.

Als Marcus Benson aus der Ostküstenmetropole Philadelphia 2012 von der boomenden Energiewirtschaft in North Dakota erfuhr, setzte er sich kurzerhand ins Auto, fuhr mehr als 2400 Kilometer, um bei der Öl-Förderung mitzumachen. Der 28-Jährige, der sich bis dahin mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs durchgeschlagen hatte, fand sofort eine attraktive Stelle. In der Ölindustrie verdiente er rasch 30 Dollar pro Stunde. "Das war verrückt", sagte Benson dem US-Sender CNN.

Fracking-Investitionen werden gestrichen

Ende 2014 kam jedoch die Kündigung. "Sie sagten, der Hauptgrund sei der fallende Ölpreis." Benson steht stellvertretend für viele, die es in den letzten Jahren in US-Ölstaaten wie North Dakota oder Texas zog, wo sie vom Fracking-Boom profitieren wollten. Dank dieser - ökologisch höchst umstrittenen - Fördertechnik, bei der tief lagerndes Schiefergas und -öl mit Chemikalien gelöst wird, produziert Amerika wieder so viel Öl wie seit den 1970er Jahren nicht mehr. Der Staat schaute bei den Folgen für die Umwelt weg, weil die Energie-Revolution dringend benötigte Arbeitsplätze zurückbrachte, die nach dem Platzen der Immobilienblase und der folgenden Finanzkrise verloren gegangen waren.

Die gestiegene US-Förderung hat zu einem weltweiten Überangebot an Rohöl geführt. Denn andere große Produzenten wie Saudi-Arabien wollen ihre Marktanteile verteidigen und drosseln ihre Produktion nicht. Die Konsequenz aus zu hohem Angebot bei fallender Nachfrage: ein massiver Ölpreisverfall, durch den sich das Geschäft für immer mehr Fracking-Firmen nicht mehr rechnet.

Platzt der Traum vom günstigen Öl?

Die Ölpreise rutschten zuletzt auf das Niveau von April 2009 ab. Ein Fass Brent-Öl (159 Liter) kostete zeitweilig weniger als 50 US-Dollar, US-Öl der Sorte WTI wurde zu 47 Dollar gehandelt. Investitionen in neue Projekte werden nun gestrichen, Mitarbeiter gekündigt. Unternehmen, die zu viele Schulden haben, droht die Pleite.

Das ARD-Magazin "PlusMinus" glaubt, dass der Traum vom billigen Öl in den USA schon bald platzt. Eine Statistik der amerikanischen Energiebehörde zeige: Die Ausgaben für das Fracken der Quellen seien seit langem bereits deutlich größer als die Erträge. Seit Jahren mache die Branche mehr als 110 Milliarden Dollar Verlust pro Jahr. Und das, obwohl der Ölpreis in dieser Zeit noch viel höher lag als heute. Mehr als 430 Milliarden Dollar Schulden hätten die Fracking-Firmen schon jetzt.

Positive Effekte überwiegen die Nachteile

Finanzanalysten führten diese Auswirkungen der sinkenden Ölpreise zuletzt häufig auch als Grund für Unsicherheiten an den internationalen Börsen an. Die Ölindustrie sei in den vergangenen Jahren einer der größten Stabilisatoren des US-Arbeitsmarktes gewesen. Der Energiesektor sei eine wichtige Stütze der US-Konjunktur. Und die Öl-Jobs würden in der Regel gut bezahlt, hieß es. Wie problematisch sind die Folgen des abflauenden Schiefer-Booms für die weltgrößte Volkswirtschaft?

"Die positiven Effekte der niedrigeren Ölpreise für Konsumenten und viele Unternehmen überwiegen die Nachteile für die Energiefirmen bei weitem", sagt Expertin Liz Sonders von der Investmentberatung Charles Schwab. "Die US-Wirtschaft wird zu 68 Prozent von Verbraucher-Ausgaben getrieben." Die Neuinvestitionen in der Öl- und Gasindustrie machten hingegen nur etwa ein Prozent am US-Bruttoinlandsprodukt aus.

Die sinkenden Energiepreise wirken deshalb wie ein Konjunkturpaket und nicht wie eine Wachstumsbremse. Je günstiger das Öl, desto geringer die Produktionskosten vieler Firmen. Verbraucher haben mehr Geld übrig, weil sie weniger für Benzin und Heizen ausgeben. Somit ist der fallende Ölpreis für die Wirtschaft der USA insgesamt eine gute Nachricht - auch wenn das für Glücksritter wie Benson, der sich gerade arbeitslos gemeldet hat, ein schwacher Trost sein dürfte.

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