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Europa lebt über Verhältnisse: Nutzbare Flächen werden weltweit immer knapper


Europa lebt über Verhältnisse  

"Bodenatlas" warnt: Nutzbare Flächen werden immer knapper

08.01.2015, 15:49 Uhr | t-online.de

Europa lebt über Verhältnisse: Nutzbare Flächen werden weltweit immer knapper. Intensive Landwirtschaft für den Konsum der Europäer: Mähdrescher in der Region Mato Grosso in Brasilien. (Quelle: dpa)

Intensive Landwirtschaft für den Konsum der Europäer: Mähdrescher in der Region Mato Grosso in Brasilien. (Quelle: dpa)

Boden scheint unerschöpflich. Offenbar ist er einfach da, unter den Feldern, dem Gras oder den Bäumen. Doch allmählich werden die nutzbaren Flächen weltweit zur Mangelware, wie der neue "Bodenatlas" warnt. Nutznießer dieser Entwicklung ist vor allem Europa, wie es in der Studie heißt. Kein anderer Kontinent sei für seinen Konsum so stark auf fremdes Land angewiesen.

Allein in Deutschland werden durch Städte- und Straßenbau Tag für Tag mehr als 70 Hektar Bodenfläche vernichtet, so die Autoren der Studie, die von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem BUND und dem Potsdamer Nachhaltigkeitsinstitut IASS präsentiert wurde. Diese Fläche entspreche mehr als 100 Fußballfeldern, die damit nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung stünden. Aber auch die Landwirtschaft, die selbst von der Qualität der Böden abhängig ist, trage eine Mitverantwortung für diesen Verlust.

"Heben von Konto ab, auf das wir nicht einzahlen"

So verdichten große Maschinen die Bodenstruktur, Pestizide und Mineraldünger verringern zudem das Bodenleben, wie es heißt. Zudem sei ein Viertel aller Ackerflächen, also rund drei Millionen Hektar, von Wind- und Bodenerosion bedroht.

"Wir nutzen die Böden der Welt, als wären sie unerschöpflich, und heben dabei von einem Konto ab, auf das wir nicht einzahlen", so die Autoren. Es benötige häufig mehrere tausend Jahre, bis sich eine dünne Schicht fruchtbarer Oberboden bilden kann. Demgegenüber brauche es nur eine Stunde starken Regens, um ihn zu verlieren. "Böden sind in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar", lautet deshalb einer der Schlüsse der Experten.

Globale Verteilung von Risiken für Agrarsysteme (Quelle: Creative Commons (CC-BY-SA) - Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, IASS und Le Monde diplomatique )Globale Verteilung von Risiken für Agrarsysteme (Quelle: Creative Commons (CC-BY-SA) - Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, IASS und Le Monde diplomatique )

Doch nicht nur unsere Böden hierzulande beuten wir über die Maßen aus, heißt es weiter. Zugleich importiere Deutschland Agrar- und Verbrauchsgüter, deren Produktion mit knapp 80 Millionen Hektar mehr als das Doppelte der eigenen Landesfläche in Anspruch nehme.

Nicht viel anders sehe es im restlichen Europa aus. "Die EU ist der weltweit größte 'Importeur' von Landflächen. Das meiste davon geht auf das Konto der intensiven Fleischproduktion", sagte Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

60 Prozent der genutzten Flächen außerhalb der EU

Alles in allem, so die Studie, brauche ein durchschnittlicher Europäer im Jahr 1,3 Hektar für die Produktion der von ihm konsumierten Produkte. Das sei rund sechsmal mehr als einer Person in Bangladesch zur Verfügung stehe. Unterm Strich lägen fast 60 Prozent der für den europäischen Konsum genutzten Flächen außerhalb der EU.

Beispielhaft führen die Autoren den übermäßigen Fleischkonsum in Europa vor Augen: "Würde jeder Erdbewohner so viel Fleisch verzehren wie ein durchschnittlicher Europäer, so müssten 80 Prozent des weltweit verfügbaren Ackerlandes ausschließlich für die Fleischproduktion genutzt werden." Ein solches Ungleichgewicht könne nur verringert werden, wenn man sich zunächst eingestehe, dass ein kleiner Teil der Weltbevölkerung, der weitgehend in Industriestaaten lebt, mehr verbraucht, als ihm zusteht.

Dementgegen wachse der weltweite Hunger nach Nahrungsmitteln, Futtermitteln und Biomasse für Treibstoffe aber immer stärker - und damit auch der Wert nutzbarer Flächen weltweit. So trage Europas gewaltiger Bedarf an Land in Entwicklungsländern massiv zu einer Zerstörung des Ökosystems, zu Grundstückskäufen im großen Stil (dem sogenannten "Land-Grabbing") sowie zur Umsiedlung von indigenen Bevölkerungsgruppen bei.

In ihrem Fazit bemängeln die Autoren, dass auch aufgrund des deutschen Widerstands der Vorschlag für einen gemeinsamen europäischen Bodenschutz nicht umgesetzt wurde. Im Gegenteil zeigten "die zaghaften Reformen der EU-Agrarpolitik", wie schwer es sei, alte Strukturen zu verändern und nachhaltige und gerechte Produktionsweisen zu stärken.

Intensive Landwirtschaft in Brasilien: Europäer leben auf Kosten der Entwicklungsländer.  (Quelle: dpa)Intensive Landwirtschaft in Brasilien: Europäer leben auf Kosten der Entwicklungsländer. (Quelle: dpa)

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