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Ölpreis zu hoch oder zu niedrig: Öl auf Richtungssuche


Ausblick 2015  

Öl auf Richtungssuche

09.01.2015, 09:10 Uhr | von Uwe Zimmer für t-online.de

Ölpreis zu hoch oder zu niedrig: Öl auf Richtungssuche. Zu hoch oder zu niedrig: der Ölpreis kann es fast niemandem recht machen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zu hoch oder zu niedrig: der Ölpreis kann es fast niemandem recht machen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hohe Ölpreise würgen die Weltkonjunktur ab, niedrige zeigen, dass sie abgewürgt wurde. Recht machen kann der Ölmarkt es also eigentlich niemandem. Und trotzdem ist der Ölpreis ein wichtiger Faktor in der Beurteilung der Märkte - gerade für 2015.

Eigentlich ist es mit dem Ölpreis wie mit den Zinsen: niedrige Ölpreise wie niedrige Zinsen gelten als Beschleuniger der Wirtschaft. Oder sollen dazu dienen, die Konjunktur überhaupt wieder anzukurbeln. Während die Zinsen zu einem wesentlichen Teil aber von den Zentralbanken festgesetzt werden können und damit dem direkten Einfluss der Politik unterliegen ist das beim Ölpreis nicht ganz so. Oder?

In den vergangenen Monaten haben viele Verschwörungstheorien die Runde gemacht. Da sollte von den USA ausgehend der niedrige Ölpreis als Druckmittel gegen Russland genutzt werden. Oder Saudi-Arabien habe ein Interesse an niedrigen Preisen, weil so die jüngst erst entstandenen Konkurrenten wieder von Markt gedrückt werden könnten. Etwa die vielen Fracking-Unternehmen in den USA, die erst für das steigende Angebot an Öl gesorgt haben. Da diese durch Kredite finanziert seien, könnten sie einen dauerhaft niedrigen Preis nicht durchhalten.

Das mag für das ein oder andere Unternehmen zwar zutreffen. Klar ist aber auch, dass Fracking - sofern nicht noch große Widerstände aus Umweltsicht aufgebaut werden - nicht einfach wieder verschwinden wird. Dass also das gewonnene Zusatzangebot bestehen bleibt. Zu den Verschwörungstheorien gehören am Rande auch die Ölverkäufe der Terroristen der IS, die auf den Preis drücken sollen. Ganz glaubhaft ist das alles nicht.

Unterschiedliche Abhängigkeiten vom Ölpreis

Richtig ist, dass es Länder gibt, die sehr stark von hohen Ölpreisen profitieren, andere können das eher gelassen sehen. Machen also Ölexporte einen hohen Anteil an der Wirtschaftsleistung aus, ist die Abhängigkeit groß. Das betrifft dann tatsächlich viele der Opec-Staaten, das trifft Russland.

Allerdings haben sich hier auch Änderungen ergeben. Die mit dem Ölexport groß gewordenen Volkswirtschaften wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Kuwait und Katar verfügen über gut gefüllte Staatskassen beziehungsweise haben ähnlich wie Norwegen staatliche Fonds geschaffen, mit denen Schwankungen des Ölpreises auch ausgeglichen werden können.

Zudem hat in den Golfstaaten bereits vor Jahren ein grundlegender Umbau der Wirtschaft begonnen, wodurch sich mittlerweile die Abhängigkeit vom Öl deutlich verringert hat. Sultan Bin Saeed Al Mansouri, Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, berichtete gerade, dass nur noch 31 Prozent der Wirtschaftsleistung vom Öl abhängen. Hier ist die Diversifikation der Wirtschaft bereits weit fortgeschritten.

In Ländern wie Russland dagegen stand der Ölsektor lange Jahre zwar nicht für den größten, aber den entscheidenden Anteil an der Wirtschaftskraft. Da ohne weiteren Aufwand alleine durch die steigenden Preise die Einnahmen stiegen, konnte die Schwäche der restlichen Wirtschaft überdeckt werden. Reformen oder gezielte Umbaumaßnahmen wurden nur zögerlich angegangen, was sich nun in Zeiten fallender Preise rächt.

Situationen können sich schnell ändern

Auf der anderen Seite freuen sich die Abnehmerstaaten über den Schub für ihre Konjunktur. Hier sorgt der niedrige Ölpreis zumindest kurzfristig für Entlastung auf der Kostenseite und damit dafür, dass sich manche Investition wieder besser rechnen lässt. Darauf verlassen sollten sich aber weder Investitionsentscheider noch Anleger, denn der Ölpreis ist eben nicht formbar wie der Zins. Eine Verschärfung der Krisen in Nahost oder der Ukraine, eine andere Haltung etwa Saudi-Arabiens zur Ölfördermenge - und das Bild sieht wieder ganz anders aus.

Uwe Zimmmer, Vorstand bei niiio finance group (Quelle: niiio finance group)Uwe Zimmmer (Quelle: niiio finance group)

Der Autor Uwe Zimmer ist Gründer und Vorstand der Meridio Vermögensverwaltung in Köln. Er verfügt über fast 30 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung - u.a. bei Prudential Securities, bei Hypo Capital Management und bei BB-PrivatFinanz-Service GmbH. 1998 gründete Uwe Zimmer via Management Buyout die Meridio Vermögensverwaltung.

Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de.

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