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Viertel aller Fernzüge nicht pünktlich - GDL droht mit neuen Streiks

Deutsche Bahn  

Viertel aller Fernzüge nicht pünktlich - Bahn wird aber etwas besser

18.01.2015, 15:33 Uhr | dpa-AFX

Viertel aller Fernzüge nicht pünktlich - GDL droht mit neuen Streiks. Viele Verspätungen: Deutsche Bahn erreicht eigene Pünktlichkeits-Ziele 2014 nicht ganz (Quelle: dpa)

Viele Verspätungen: Deutsche Bahn erreicht eigene Pünktlichkeits-Ziele 2014 nicht ganz (Quelle: dpa)

Fast jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn war im vergangenen Jahr unpünktlich. Zwar war die Bahn damit trotz Lokführer-Streiks und wetterbedingter Ausfälle insgesamt etwas pünktlicher als im Vorjahr - sie verfehlte damit aber ihr selbstgestecktes Ziel. Unterdessen droht die Lokführer-Gewerkschaft GDL vor neuen Tarifverhandlungen mit neuen Streiks.

Im Fernverkehr kamen 76,5 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich an. 2013 lag diese Quote noch bei 73,9 Prozent. Die Zielmarke der Bahn aber lag bei 80 Prozent. Das geht aus einer Statistik der Bahn hervor, über die zuerst die "Bild"-Zeitung berichtet hatte. 2012 lag die Pünktlichkeit bei 79,1 Prozent.

Umgestürzte Bäume verhageln Zeit-Bilanz

Der Fernverkehr rutschte laut Bahn ab Mai unter die Zielmarke von 80 Prozent. Dieser Einbruch sei wesentlich bedingt durch die monatelangen Unwetter-Serien von Mai bis Juli etwa mit dem Sturmtief "Ela" mit mehr als tausend umgestürzten Bäumen auf den Gleisen, hieß es. Dazu seien zahlreiche kriminelle Eingriffe gekommen wie Buntmetall-Diebstähle und Brandanschläge sowie die tagelangen Lokführerstreiks im September, Oktober und November.

"Gegen mutwillige und kriminelle Eingriffe in den Bahnverkehr, Personen im Gleis, extreme Witterung oder Streiks können wir nur wenig ausrichten", sagte Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg der "Bild"-Zeitung.

Pünktlichkeit bei allen Personenzügen leicht verbessert

In den vergangenen fünf Jahren stiegen nach den Angaben witterungsbedingte Verspätungen um 50 Prozent. Auch die Schienenwege seien sehr belastet, sagte Homburg. Trotz erforderlicher umfangreicher Erneuerungen des Schienennetzes wolle die Bahn aber pünktlich sein.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 94,5 Prozent aller Personenverkehrszüge pünktlich an, so die Bahn - nach 94,1 Prozent im Vorjahr und 94,6 Prozent im Jahr 2012. Die Nahverkehrszüge waren 2014 mit 94,9 Prozent etwa so pünktlich wie in den Vorjahren.

Weniger Überholgleise

Sogenannte Langsamfahrstellen konnten nach Bahn-Angaben nahezu vollständig beseitigt werden. Investitionen in den Ausbau von Hauptstrecken sind geplant, verursachen jedoch während der Bauphase zunächst Verspätungen. Zudem fehlen Fahrzeuge durch Lieferengpässe. Auch strengere technische Kontrollen der Züge sind danach für Unpünktlichkeit verantwortlich.

Kritik an der Bahn kam von den Grünen. Der Konzern könne für die nach wie vor mangelnde Pünktlichkeit im Fernverkehr nicht alleine externe Faktoren wie Unwetter verantwortlich machen, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel. "Die Verspätungen haben auch mit der lange vernachlässigten Infrastruktur und beispielsweise mit dem Rückbau von Überholgleisen zu tun."

Unpünktlichkeit beginnt bei 6 Minuten

Die Bahn veröffentlicht seit August 2011 Zahlen zur Pünktlichkeit für das Jahr und die einzelnen Monate. Damit soll für mehr Transparenz gesorgt werden. Auf dem etwa 34.000 Kilometer langen Schienennetz sind pro Tag etwa 39.000 Züge, davon 32.700 der Bahn, unterwegs. In die Statistik fließen die mehr als 800.000 Fahrten der Personenzüge pro Monat ein: 20.000 im Fern- und rund 780.000 im Nahverkehr, einschließlich der S-Bahnen.

Pünktlich sind laut Bahn alle Züge, die bis zu 5:59 Minuten nach Plan an einem Ort ankommen. Die Definition stammt noch aus der Zeit, als Bahnhofsuhren keine Sekundenzeiger hatten. Die fünfte Minute endete erst mit dem Sprung des Zeigers auf die sechste.

GDL droht mit neuen Streiks

Unterdessen hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mit neuen Streiks gedroht. Kurz vor der Fortsetzung von Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn hat sagte GDL-Chef Claus Weselsky der "Wirtschaftswoche": "Wenn die Bahn auf Zeit spielt, wofür es Hinweise gibt, werden wir darauf reagieren." Die Gewerkschaft werde Ende Januar eine Bilanz ziehen und entscheiden, wie es weitergeht. "Danach kann alles sehr schnell gehen. Dann sind wir quasi über Nacht wieder im Arbeitskampfmodus." Die GDL hatte in den vergangenen Monaten mehrfach gestreikt und über die Feiertage Ruhe versprochen.

Die Bahn reagierte mit Kritik auf die Äußerungen Weselskys: "Wir nehmen das mit Verwunderung zur Kenntnis", sagte eine Sprecherin. Vor Weihnachten noch habe die GDL von einem "Durchbruch" gesprochen. "Kurz vor neuen Verhandlungen zu drohen, bringt niemanden weiter, zumal es keine neue Lage gibt. Wir jedenfalls konzentrieren uns auf sachliche Verhandlungen und auf zügige Lösungen."

Verhandlungsbereit bei Lohnplus

Weselsky wiederum bekräftigte das Ziel, die Verhandlungen bis März abzuschließen. Nach dem Zugeständnis der Bahn, mehrere Tarifverträge für einzelne Berufsgruppen zu akzeptieren, werde nun über Inhalte geredet. "Zum Beispiel über die Frage, ob wir einen eigenen Tarifvertrag für Zugbegleiter brauchen oder ob sich diese in das existierende Tarifwerk für Lokführer integrieren lassen."

Bei der Lohnforderung von fünf Prozent zeigte sich die GDL kompromissbereit. "Jeder weiß, dass sich eine Gewerkschaftsforderung in der Regel nicht eins zu eins im Tarifabschluss niederschlägt." Eine Stunde Arbeitszeit-Verkürzung entspreche einer Lohnerhöhung von 2,6 Prozent. "Dass wir nicht nahe fünf Prozent abschließen, wenn es zu einer sinkenden Arbeitszeit kommt, ist logisch."

Nach monatelangem Ringen und sechs Streiks hatten beide Seiten kurz vor Weihnachten Fortschritte gemacht. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer sprach gar von einem Durchbruch. Vereinbart worden war für 2014 eine Einmalzahlung von 510 Euro für alle Mitglieder für 2014. Nun geht es um die Zeit ab 2015. Im Gegenzug dringt die GDL nicht mehr auf zwei Stunden weniger Wochenarbeitszeit, sondern verlangt nur noch eine Stunde weniger, was in eine 38-Stunden-Woche münden würde.

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