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Gastkolumne: Die Abenomics sind nicht gescheitert


Gastkolumne  

Japan: Die Abenomics sind nicht gescheitert!

13.01.2015, 13:03 Uhr | von Wolfgang Köbler für t-online.de

Gastkolumne: Die Abenomics sind nicht gescheitert. Wolfgang Köbler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung AG (Quelle: privat)

Wolfgang Köbler, KSW Vermögensverwaltung (Quelle: privat)

Seit einem Vierteljahrhundert dreht sich Japan in der Deflationsspirale. Konjunkturprogramme, Nullzinsen seit Jahren und eine Geldflut, größer als die der amerikanischen Notenbank, haben bisher nicht die erhoffte Wirkung gezeigt. Aktuell versucht Premierminister Shinzo Abe im Schulterschluss mit dem japanischen Notenbankpräsidenten Kurada, die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen. Mit vorgezogenen Wahlen will Abe mehr Rückenwind für seine Reformen bekommen. Doch seine Politik des lockeren Geldes ist umstritten.

Vor 25 Jahren platzte eine ungeheure Immobilien- und Börsenblase in Japan. Seitdem kämpft das Land gegen die Deflation. Derzeit liegen die Verbraucherpreise rund vier Prozent unter dem Niveau von 1998. Fallende Preise und sinkende Nominaleinkommen führten dazu, dass Schuldner ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Und dennoch: Billiges Geld der Zentralbank verhinderte bisher erfolgreich, dass Banken zusammenbrechen. Durch die expansive Strategie ist Tokio in Sachen Geldpolitik zum größten Versuchslabor der Welt geworden.

Mit Abes Amtsantritt vor knapp zwei Jahren schien der Aufbruch in eine neue Zeit möglich. Im ersten Jahr seiner Reformen sah es noch gut aus. 2014 zog die Inflationsrate sogar kurzfristig auf ein Prozent an, und das Quartalswachstum machte Sprünge auf bis zu fünf Prozent. Doch im dritten Quartal fiel die Wirtschaft zurück in die Rezession.

Export profitiert von schwachem Yen

Die geldpolitische Strategie sollte aber mittelfristig Wirkung zeigen. Der Yen wurde konsequent von der japanischen Notenbank geschwächt. Das stützt die Export-Industrie. Die Ergebnisse durch den stärkeren Export wirken sich jedoch immer mit einem gewissen Zeitverzug auf die Cashflows der Unternehmen aus. Analysten gehen derzeit davon aus, dass die Gewinne der Konzerne 2015 im Durchschnitt um 15 Prozent steigen werden. Im laufenden Jahr legte sie schon um sieben Prozent zu.

Der Yen wurde nicht nur gegenüber Euro und Dollar abgewertet, sondern auch gegenüber anderen asiatischen Währungen. Zum koreanischen Won betrug die Abwertung sogar zwei Drittel Prozent seit 2011. Dies bietet der japanischen Exportindustrie auch im asiatischen Markt erhebliche Absatzchancen.

Liquidität treibt Aktienkurse

Der Aktienmarkt honorierte diese Entwicklungen im Dezember mit Indexständen von 18.000 im Nikkei 225. Neu ausgegebene Staatsanleihen werden quasi von der Notenbank aufgesogen. Damit stehen dem größten staatlichen Pensionsfonds in Japan neue Mittel zur Verfügung, die er in japanische Aktien lenken kann. Dies im Verbund mit den gesetzlich steuerfrei gestellten Sonderanlagen für die japanische Bevölkerung wird in den nächsten Monaten zu weiteren Liquiditätszuflüssen in die Aktienmärkte führen. Dies lässt sich auch an verschiedenen Kapitalströmen im Land ablesen. Viele japanische Unternehmen haben die Chance erkannt und massive Aktienrückkaufprogramme gestartet.

Premierminister Abe setzt jetzt durch die vorgezogenen Wahlen alles auf eine Karte. Er fühlt sich durch Stimmungsumfragen in der Bevölkerung bestätigt, seinen Reformkurs weiter voranzutreiben und will nach dem Wahlerfolg noch tiefergreifende Reformen auf den Weg bringen.

Wir sehen in Japan auch für 2015 einen sehr interessanten Anlagemarkt, raten aber, Investitionen nur währungsgesichert vorzunehmen. Für ein Engagement stehen eine Vielzahl indexorientierter ETFs und aktiv gemanagte Fonds zur Verfügung.

Der Autor, Wolfgang Köbler, ist seit 2005 Partner und Vorstand der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. Er kann auf eine über 25-jährige Bank-Karriere zurückblicken - unter anderem als Direktor im Wealth Management der Dresdner Bank AG. Neben dem Management zweier Multi Asset Fonds und eines Family Office ist er mit der individuellen Betreuung von Vermögensverwaltungsmandaten betraut.

-- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --

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