Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Devisen >

Schulden explodieren: Hohe Millionen-Verluste für deutsche Städte wegen Franken-Aufwertung


Schulden explodieren  

Millionen-Verluste für deutsche Städte wegen Franken-Aufwertung

20.01.2015, 16:52 Uhr | dpa

Schulden explodieren: Hohe Millionen-Verluste für deutsche Städte wegen Franken-Aufwertung. Essen nahm in großem Stil Fremdwährungs-Kredite auf - Franken-Höhenflug bringt Millionenverluste (Quelle: imago/ biky)

Essen nahm in großem Stil Fremdwährungs-Kredite auf - Franken-Höhenflug bringt Millionenverluste (Quelle: imago/ biky)

Der nach der Abkoppelung vom Euro extrem erstarkte Schweizer Franken bringt auch vielen deutschen Städten hohe Verluste. Einige Kommunen in Nordrhein-Westfalen sind durch Absturz des Euro gegenüber dem Schweizer Franken gar in eine finanzielle Bredouille geraten. Sie haben Kredite in Franken aufgenommen. Auch zahlreiche Privatpersonen sind vom Währungs-GAU betroffen.

Durch die Freigabe des Franken drohten einigen Städten und Kommunen nun zusätzliche Kosten bei Krediten, die in fremder Währung aufgenommen sind. Von bis zu 900 Millionen Euro berichtete die "WirtschaftsWoche". Das NRW-Innenministeriums beruft sich auf Zahlen vom Statistischen Landesamt. Demnach hatten Ende 2013 fast 400 Gemeinden 29 Fremdwährungskredite in einem Volumen von 1,9 Milliarden Euro in den Büchern.

Essen blutet besonders

Ein großer Anteil soll dabei auf Schweizer Franken lauten, wie aus einer Aufstellung hervorgeht. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, André Kupper erklärte in einem Interview mit n-tv: "Kredite in Schweizer Franken waren damals ein bis zwei Prozentpunkte günstiger. Man konnte an der Stelle vermeintlich sparen."

Besonders hohe Fremdwährungskredite verzeichneten offenbar Essen (367 Millionen Euro), Bochum (180 Mio. Euro) sowie Münster (118 Mio. Euro). Würden die Kommunen diese Darlehen jetzt abbezahlen, müssten hohe Aufschläge gezahlt werden. Das seien "sehr schlechte" Neuigkeiten für den gerade erst verabschiedeten Haushalt, hieß es bei der Stadt Essen.

Rein fiktive Buchverluste

Mit jedem Cent Wechselkurs-Änderung unterhalb von 1,20 Franken sei für die Stadt ein finanzielles Risiko in Millionenhöhe verbunden, erklärte der Kämmerer der Stadt, Lars Martin Klieve. Zwar könne man von den gesunkenen Zinsen am Schweizer Kreditmarkt 2015 profitieren, allerdings kaum in der Höhe der zu befürchteten Wechselkursverluste. Derzeit notiert der Euro bei etwa 1,00 Franken.

Ein Sprecher der Stadt Bochum betonte aber, dass die nun entstandenen Buchverluste "rein fiktiv" seinen. Die Kommune plane derzeit nicht, ihre Kredite abzulösen. In den vergangenen Jahren hatte die Gemeinde wegen der günstigen Schweizer Zinsen Fremdwährungskredite in Franken aufgenommen. Außerdem hatte sich der Wechselkurs des Franken zum Euro über einen längeren Zeitraum als vergleichsweise stabil erwiesen.

Auch Osnabrück betroffen

Auch die Stadt und der Landkreis Osnabrück sind von dem Absturz des Euro gegenüber dem Franken betroffen. Die Stadt habe seit mehreren Jahren Kredite in Höhe von 49,4 Millionen Franken, sagte der Kämmerer der Stadt Osnabrück, Thomas Fillep. Durch die Entscheidung der Schweizer Notenbank in der vergangenen Woche, die Koppelung des Franken an den Euro aufzugeben, betrage der Buchverlust seit dem 31. Dezember 7,3 Millionen Euro.

Das sei aber nur ein theoretischer Wert, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU). Entscheidend sei der Kurs, der bei der Fälligkeit einer der neun laufenden Kredite gelte. "Der nächste Kredit wird im März fällig", sagte Griesert. Nach dem Beschluss der Notenbank hatte der Euro deutlich an Wert gegenüber dem Franken verloren.

Der Finanzwissenschaftler Max Otte sagte dem SWR, es sei ein Unding, dass deutsche Kommunen Kredite in einer anderen Währung aufnehmen dürften. "Die Kommunen würden ihre Steuern in Euro erheben, sie sollten deshalb auch ihre Kredite in Euro aufnehmen", so Otte. Der Steuerzahlerbund forderte gar ein kommunales Spekulationsverbot.

Deutsche Privatanleger heftig in Franken verschuldet

Auf Anfrage der "Deutschen WirtschaftsNachrichten" legte die Bundesbank Zahlen von November 2014 vor. Demnach lag die Verschuldung der öffentlichen Haushalte in Franken insgesamt bei 1,78 Milliarden Euro. Darin enthalten seien auch Fremdwährungs-Schulden des Bundes und der Bundesländer gewesen. "Insgesamt ist es in Deutschland nicht viel", sagte eine Sprecherin der Bundesbank laut "Deutsche WirtschaftsNachrichten".

Bei den Unternehmern liege der Anteil der Franken-Kredite ebenfalls nur bei etwa einem Prozent. Privatpersonen sind den Bundesbank-Angaben zufolge mit Verbindlichkeiten in Franken von über sieben Milliarden Euro betroffen.

Auch viele Millionäre sind von der Franken-Aufwertung betroffen - allerdings zu ihrem Vorteil. Die Reichen der Welt suchten seit Jahrzehnten den Stabilitätshort Schweiz für ihr Kapital und legten es im Alpenländle auf verschwiegene Konten. Dort hat es sich nun wundersam vermehrt.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018