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Billiger Sprit im Januar: Inflationsrate in Deutschland fällt ins Negative


Gesunkene Energiepreise  

Inflationsrate in Deutschland fällt ins Negative

30.01.2015, 15:55 Uhr | rtr, dpa

Das Leben in Deutschland wird dank fallender Ölpreise billiger - zum ersten Mal seit der schweren Wirtschaftskrise 2009. Waren und Dienstleistungen kosteten im Januar durchschnittlich 0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Dezember hatte die Inflationsrate noch plus 0,2 Prozent betragen.

"Der Rückgang ist den kräftig sinkenden Ölpreisen geschuldet", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Diese sind seit dem Sommer um mehr als die Hälfte zurückgegangen, was Tanken und Heizen erheblich billiger macht. Energie kostete im Schnitt 9,0 Prozent weniger als im Januar 2014. "Mehr und mehr werden die niedrigeren Preise für Rohöl, die sich seit Mitte 2014 mehr als halbiert haben, an die Verbraucher weitergegeben", erklärte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner.

Dienstleistungen und Mieten leicht gestiegen

Günstiger wurden auch Nahrungsmittel, für die 1,3 Prozent weniger bezahlt werden mussten. Hingegen verteuerten sich Dienstleistungen um 1,2 Prozent. Auch die Wohnungsmieten sind im Schnitt gestiegen, und zwar um 1,3 Prozent.

Während die bundesweiten Detailzahlen noch nicht vorliegen, deuten etwa Daten aus Hessen darauf hin, dass Verbraucher zudem für langlebige Gebrauchsgüter wie Fernseher oder Laptops weniger bezahlen mussten als vor einem Jahr.

Weitere Monate mit negativen Inflationsraten zu erwarten

Ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie hätten die Verbraucherpreise im Januar um 1,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat gelegen. Experten erwarten, dass die Preise noch einige Monate lang fallen und dann allmählich wieder steigen werden.

"In Deutschland sollte die anziehende Konjunktur dazu führen, dass die Inflationsrate trotz des dämpfenden Ölpreiseffektes im Sommerhalbjahr wieder den positiven Bereich erreicht", sagte Stefan Kipar von der BayernLB. Hingegen erwartet Ökonomin Jennifer McKeown von Capital Economics: "Niedrigere Energiekosten werden auch in den kommenden sechs Monaten für negative Inflationsraten sorgen."

Deflation erst bei weiteren Faktoren

Von einer Deflation - einem lang anhaltenden Preisverfall auf breiter Front - sprechen die meisten Experten aber nicht. "Zu den Merkmalen einer Deflation gehören auch sinkende Investitionen und ein schrumpfender privater Konsum", sagte Postbank-Experte Bargel. "Das sehen wir in Deutschland und auch in Europa nicht. Im Gegenteil." Die kleinere Energierechnung entlaste Verbraucher wie Unternehmen um Milliarden. "Das ist gut für das Wachstum", sagte auch Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Verbraucher sparen Geld, das sie für andere Dinge ausgeben können."

Auch die Preise in der Eurozone fallen immer schneller und schüren so die Sorgen vor einer wirtschaftlich gefährlichen Deflation. Die Lebenshaltungskosten sanken im Januar zum Vorjahr um 0,6 Prozent, wie das Europäische Statistikamt am Freitag mitteilte. Den Preisverfall spürten die Verbraucher besonders beim Heizen und Tanken: Die Energiekosten fielen um 8,9 Prozent. Zugleich verbilligten sich Nahrungsmittel um 0,1 Prozent.

Wegen der niedrigen Inflation in der Währungsunion flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit billigem Geld. EZB-Präsident Mario Draghi kündigte erst vorige Woche eines der größten Anleihe-Kaufprogramme an, das es je gab. Damit will er verhindern, dass die Wirtschaft in eine gefährliche Deflationsspirale abdriftet.

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