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EZB-Zinspolitik kann zu schwerwiegenden Folgen für Sparkassen führen


Folgen der Niedrigzinspolitik  

"Von 2018 an wird es massive Probleme für Sparkassen geben"

01.02.2015, 17:26 Uhr | are, t-online.de

EZB-Zinspolitik kann zu schwerwiegenden Folgen für Sparkassen führen. "Wenn's um's Geld geht Sparkasse" - wie groß sind die Auswirkungen der EZB-Niedrigzinspolitik auf die etablierten Sparkassen und Volksbanken? (Quelle: dpa)

"Wenn's um's Geld geht Sparkasse" - wie groß sind die Auswirkungen der EZB-Niedrigzinspolitik auf die etablierten Sparkassen und Volksbanken? (Quelle: dpa)

Die jüngst getroffene Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), eine Niedrigzinspolitik zu fahren, um so auf die Wirtschaftskrise zu reagieren, hat für Unruhe und Kritik auf dem Finanz- und Kapitalmarkt gesorgt. Die niedrigen Zinsen treffen insbesondere Sparkassen und Volksbanken: Ihr Kerngeschäft ist bedroht. Das könnte schwerwiegende Folgen für das von der Finanzkrise bislang unbescholtene und solide Einlagenmodell und die Belegschaft haben, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) berichtet.

Seit EZB-Chef Mario Draghi vor wenigen Tagen angekündigt hat, die Zinsen in Europa auf längere Zeit extrem niedrig zu lassen, wird im Sparkassen- und Volksbankenverbund über die Folgen dieser Politik diskutiert - und laut FAS-Bericht darüber spekuliert, wie lange die kleineren und regional tätigen Kreditinstitute die damit einhergehenden Einbußen in ihrem Kernbereich, dem Einlagengeschäft in Form von Bar- oder Sachleistungen für feste Zinsen, noch kompensieren können.

Keine alternativen Geschäftsmodelle

Dabei ist die Expertenmeinung geteilt. Viele Institute hätten noch satte Reserven aus der Vergangenheit, so der Stuttgarter Bankenprofessor Hans-Peter Burghof gegenüber der "FAS". Außerdem stünden sie innerhalb des Sparkassen- und Volksbankenverbundes im Notfall füreinander ein. "Aber von 2018 an wird es ganz massive Probleme geben", warnt Burghof.

Im Gegensatz zu global tätigen Kreditinstituten wie der Deutschen Bank, die in unterschiedlichen Geschäftsbereichen wie internationale Kapitalmarktgeschäfte, Aktien oder Investmentbanking tätig sind und Erträge einfahren, mit denen sie Verluste im Einlagengeschäft ausgleichen können, sind die Sparkassen auf das Geschäft mit der Veranlagung von Geldern von Privatkunden und Unternehmen angewiesen.

Einlagengeschäft als Achillesferse

Aus der Stärke werde womöglich die Achillesferse der Sparkassen und Volksbanken: Diese hingen zu 80 Prozent vom sogenannten Zinsüberschuss ab. Das heißt, die Finanzierung der laufenden Geschäfte und Deckung der Kosten für Belegschaft und das Filialnetz erfolgt zu einem sehr großen Teil aus den Zinseinnahmen, die sie von Privatkunden und Unternehmen für die Kreditvergabe und dank eigener Geldanlagen erhalten, abzüglich der Zinsen, die sie ihren Kunden für deren Spareinlagen auszahlen.

Laut "FAS" schrumpft dieser Überschuss sukzessive. Denn die Niedrigzinspolitik der EZB und ihre Auswirkungen macht dieses Geschäftsmodell zunehmend unattraktiv. "Wenn die Zinsen zehn Jahre so bleiben, muss man sich sehr große Sorgen machen", sagt Heiko Staroßom, Vorstandsmitglied der Sparkasse Bremen, gegenüber der "FAS".

Risikoreiche Geschäftsmodelle keine Lösung

Noch subventionieren laut "FAS" die betroffenen Kreditinstitute das schwindende Privatkundengeschäft mit dem angesichts der guten Konjunktur laufenden Firmenkundengeschäft. Denn die Unternehmen führen Gewinne ein und könnten ihre Zinsen für aufgenommene Kredite noch zurückzahlen.

Die Sparkassenchefs warnten jedoch vorsorglich vor risikoreichen alternativen Geschäftsmodellen auf der Suche nach neuen Ertragsmodellen. Der Verkauf von Wertpapieren falle weg, da die meisten Aktien über Online-Broker gehandelt würden. Und Gebühren für Spareinlagen würden sich die Kunden wohl kaum gefallen lassen und zu Tagesgeldanbietern im Internet wechseln, so Bankenexperte Burghof.

Einzige Möglichkeit: Kosten reduzieren und mehr Kredite vergeben

Die Postbank hat reagiert und erhebt ab April neue Gebühren für Papier-Überweisungen. Für Burghof bleibt nur der Weg, Kosten einzusparen. Und was das heißt, ist klar: Niederlassungen könnten geschlossen, Mitarbeiter entlassen und künftig mehr auf das Internet gesetzt werden. Damit würden Sparkassen auch einen Teil ihrer Tradition und Identität, nämlich den direkten Kontakt mit den Kunden vor Ort, aufgeben.

Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, wiegelt gegenüber der "FAS" ab: "Unsere Gruppe kann die Antwort auf diese Herausforderung nur unternehmerisch geben." Die Lösung lautet demnach denkbar einfach: mehr Kredite vergeben. Die Lage sei sicher und stabil, resümiert der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Georg Fahrenschon gegenüber der "FAS". Trotzdem wünscht er sich ein Signal der EZB zu einer anderen Zinspolitik. Und damit ist er nicht alleine.

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