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Von Deflation und Unternehmens-Gewinnen


Gastkolumne  

Von Deflation und Unternehmens-Gewinnen

04.02.2015, 10:20 Uhr | Von Uwe Zimmer für t-online.de

Über Deflation wird viel geschrieben und es wird viel Angst verbreitet. Panik ist jedoch nicht angebracht, denn ein Preisrutsch auf breiter Front ist nicht absehbar. Der Verfall der Preise betrifft vor allem das Öl. Weil es ein typisches Vorprodukt ist, profitieren davon viele Unternehmen – und schrauben ihre Margen in die Höhe. Das beflügelt die Gewinne und damit auch die Kurse. Aber nicht allzu lange.

Natürlich ist es schön, wenn die Lufthansa für den Sprit heute weniger bezahlen muss als lange. Das bedeutet eine große Entlastung auf der Kostenseite. Bleibt die Einnahmenseite gleich, kommt am Ende mehr Gewinn dabei heraus. Und selbst wenn manche Airlines ihre Kunden am Segen des billigen Öls beteiligen: Es bleibt mehr vom Umsatz übrig und das freut die Aktionäre. Mehr erwarteter Gewinn = Kurssteigerungen, dieser Zusammenhang stimmt und so könnten sich ausgewählte Aktien auch durchaus noch nennenswert verteuern.

Lange allerdings wird dieser Effekt nicht tragen. Die Börse handelt nicht mit den realen Gewinnen sondern den erwarteten. Wie dauerhaft sind also die Effekte, die derzeit für höhere Gewinne sorgen? Beim Ölpreis ist nicht mehr viel Luft nach unten, gerade erleben wir eine Erholung. Die Entlastung auf der Kostenseite ist also weitgehend durch und eingepreist, daraus werden sich 2015 keine Kursphantasien speisen.

Der schwache Euro hat eine ähnlich Wirkung: die Erlöse steigen, wenn in den Nicht-Euro-Raum verkauft wird, ohne dass die Kosten steigen. Aber auch hier wird es einen Rückschwung geben, zuletzt gab es bereits ein erstes Aufwärtszeichen. Das aber heißt, dass auch von dieser Seite nicht nachhaltig mit Gewinnsteigerungen zu rechnen ist.

Bleibt das klassische, gute alte Geschäft: mehr verkaufen, Marktanteile ausbauen, Produktion auslasten, neu investieren, neue Fabriken bauen, Leute einstellen – Wachstum eben. Und an diesem Wachstum hapert es noch. Obwohl Kredite günstig zu haben sind, obwohl Öl billig und der Euro schwach sind, ist die Investitionsbereitschaft noch nicht wirklich angesprungen. Die Angst vor den vielen Krisen lähmt. Das stört 2015 noch nicht, denn da wirken Euro, Zins und Ölpreisverfall. Ab 2016 werden die Karten neu gemischt. Die Börse urteilt bereits früher – für allzu große Erwartungen ist also kaum noch Raum.

Die Deflation ist für Investoren kurzfristig also wenig furchteinflößend, weil sie die Gewinne der Unternehmen sogar anschiebt. Mittelfristig wirkt sie zunächst neutral, es wird der Börse dann eher an neuer Phantasie fehlen. Und langfristig gesehen ist Deflation auch kein Auslöser einer Wirtschaftsschwäche, sondern deren Folge. Hier wird es auf das verhalten der Menschen ankommen: Lassen sie sich vom kaufen abhalten oder konsumieren sie? Derzeit stehen die Zeichen eher auf Geldausgeben – und das ist gut so.

Uwe Zimmmer, Vorstand bei niiio finance group (Quelle: niiio finance group)Uwe Zimmmer (Quelle: niiio finance group) Der Autor Uwe Zimmer ist Gründer und Vorstand der Meridio Vermögensverwaltung in Köln. Er verfügt über fast 30 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung - u.a. bei Prudential Securities, bei Hypo Capital Management und bei BB-PrivatFinanz-Service GmbH. 1998 gründete Uwe Zimmer via Management Buyout die Meridio Vermögensverwaltung.
Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de.

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