Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Devisen >

Morgan-Stanley-Prognose: Grexit würde zu einem Euro-Crash führen

Morgan-Stanley-Prognose  

Grexit würde zu einem Euro-Crash führen

09.02.2015, 17:03 Uhr | t-online.de, dpa, rtr

Morgan-Stanley-Prognose: Grexit würde zu einem Euro-Crash führen. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde den Euro massiv belasten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde den Euro massiv belasten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Griechenland möchte den Euro behalten, die Eurozone möchte Griechenland behalten. Das klingt einfach. Doch die Fronten im Schuldenstreit zwischen EU und Athen sind verhärtet. Immer häufiger wird ein "Grexit" diskutiert, ein Ausscheiden der Hellenen aus dem gemeinsamen Währungsraum. Das erscheint zwar noch unwahrscheinlich, doch in den Banken wird bereits durchgespielt, was bei einem Grexit passieren könnte. Ein erster Leidtragender wäre der Euro.

Die US-Großbank Morgan Stanley etwa sieht das Grexit-Risiko steigen. "Unsere Szenario-Analyse deutet für einen Austritt Griechenlands auf einen Euro-Kurs von 0,90 Dollar hin", heißt es in einem aktuellen Report. Das entspricht einem Crash von rund 20 Prozent vom aktuellen Kursniveau bei gut 1,13 US-Dollar.

Angst vor einem chaotischen Euro-Austritt

Auch die britische Regierung spielt bereits auf höchster Ebene die Folgen eines Euro-Austritts durch. An den Börsen wuchs am Montag die Furcht vor einem chaotischen Euro-Austritt: Die Aktien in Europa rutschten ab. Die Tsipras-Regierung warnte, eine Destabilisierung des Landes hätte schwere Folgen für ganz Europa, etwa in Sicherheitsfragen.

Im Schuldenstreit rasen die griechische Regierung und die Gläubiger ungebremst aufeinander zu. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist ohne Reformzusagen nicht zu weiteren Hilfen bereit. Der neue Regierungschef in Athen, Alexis Tsipras, erklärte den bisherigen Kurs dagegen für gescheitert. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht kaum noch Chancen für eine rasche Einigung.

Griechenland will radikalen Kurswechsel

"Ohne (Reform-)Programm ist es für Griechenland schwierig", sagte Schäuble in Istanbul beim G20-Finanzministertreffen. Wenn Athen eine finanzielle Überbrückung von seinen europäischen Partnern wolle, "brauchen wir ein Programm". Ihm sei nicht klar, wie das Land sonst weitermachen wolle: "Ich habe nicht verstanden, wie die griechische Regierung das stemmen will", so Schäuble.

Tsipras hatte dagegen am Sonntag in seiner ersten großen Parlamentsrede bekräftigt, dass seine Regierung für einen radikalen Kurswechsel steht. Dafür strebt er eine Art Brücken-Finanzierung durch die internationalen Geldgeber bis Anfang Juni an. Um eine erneute Verlängerung des Ende Februar auslaufenden Hilfsprogramms will er nicht bitten.

Stattdessen will er die Reformauflagen zurückdrehen und etwa den Mindestlohn wieder anheben sowie entlassene Staatsdiener zurückholen, die etwa die Steuerhinterziehung im Land bekämpfen sollen. Gelingt kein Kompromiss, droht dem Euro-Land die Staatspleite. Die Euro-Zone und der Internationale Währungsfonds haben bereits 240 Milliarden Euro bereitgestellt.

Hellas-Banken geht das Geld aus

Derweil wächst eine weitere Gefahr, die kurzfristig weder die Hellas-Regierung noch die Troika abwenden können: In Griechenland könnte es zu einem sogenannten Bank-Run kommen. Tatsächlich haben zahlreiche Unternehmen und Bürger in den vergangenen Tagen aus Angst vor einer Verschlechterung der Finanzlage bereits ihre Geldeinlagen auf das geringste notwendige Maß verringert, hieß es aus Bankkreisen in Athen.

Die konservative Traditionszeitung "Kathimerini" hatte zuvor berichtet, die Geldeinlagen seien erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise auf 147 Milliarden Euro gefallen. Der bislang niedrigste Stand der Geldeinlagen war im Juni 2012 mit etwa 150 Milliarden Euro, hieß es. Danach waren die Einlagen wieder gestiegen.

Griechen kaufen verstärkt Gold

Griechische Bankkunden hätten im Dezember und Januar etwa 16 Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben. Aus Bankenkreisen in Athen verlautete, dass dieser Trend im Februar andauere. Die EU-Kommission forderte rasche Signale, die das Vertrauen der Menschen in die griechischen Banken stützten. Solche Signale könnten laut den Kreisen aber nur von der griechischen Regierung selbst kommen.

Die griechische Bevölkerung sucht mit ihrem Geld offenbar verstärkt Zuflucht in dem "sicheren Hafen" Gold. Der Online-Händler CoinInvest etwa verbuchte nach dem Syriza-Wahlsieg zeitweise eine Verzehnfachung der Gold-Bestellungen aus Griechenland. In einer Woche sei Edelmetall im Wert von zwei Millionen Euro bestellt worden. Sechs Prozent der Website-Besucher kommen normalerweise aus dem südeuropäischen Land, teilte CoinInvest mit. Derzeit liege der Wert wesentlich höher.

Auch beim Edelmetall-Händler Ophirum ist die Nachfrage nach oben geschnellt. Seit der Griechenland-Debatte seien die Gold-Umsätze um das Dreifache angesprungen. Der Januar war bei den Bestellungen ein Rekordmonat seit 20 Monaten und im Februar geht es ähnlich weiter. Der Nachfrageschub komme jedoch vor allem aus Deutschland.

Die Flucht in Gold ist verständlich. Im Falle eines Grexit würde sich das Edelmetall auf Euro-Basis deutlich verteuern - selbst sich wenn der Dollar-Preis - eine Feinunze Gold kostet derzeit am Terminmarkt etwa 1240 Dollar - nicht ändert.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal