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Gold legt wieder zu: 2015 könnte ein starkes Jahr werden


Gold in Euro  

2015 könnte ein starkes Jahr für Gold werden

16.02.2015, 14:31 Uhr | Von Jürgen Lutz für t-online.de

Gold legt wieder zu: 2015 könnte ein starkes Jahr werden. Kleines Vermögen in Gold-Münzen - mit guten Aussichten auf Wertwachstum. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kleines Vermögen in Gold-Münzen - mit guten Aussichten auf Wertwachstum. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der heimliche Gewinner des noch recht frischen Börsenjahres in Euroland ist Gold. Im Januar hat das Edelmetall auf Euro-Basis gerechnet satte 16 Prozent zugelegt! Damit schlägt Gold selbst die gut laufenden deutschen und europäischen Aktienmärkte. Und die Chancen, dass es auch in den nächsten Monaten weiterhin einen Lauf hat, stehen nicht schlecht.

Es gibt wohl kaum eine Anlageklasse, die mit mehr Emotionen verbunden ist, als Gold - entweder lieben es die Anleger oder sie hassen es. In diesem Umfeld ist ein rationaler Umgang mit dem Metall nicht gerade einfach. Das zeigt sich darin, dass die Gründe, warum der Goldpreis steigt, selbst vielen Goldfans kaum bekannt sind. So zeigten sich manche Finanzprofis erstaunt, dass Gold auf die Ukraine-Krise nicht reagierte - es sei doch das "Krisenmetall" par excellence. 

Gold reagiert stets als Währung

Doch die einzige Krise, auf die Gold reagiert, betrifft die Stabilität bzw. die Kaufkraft einer Währung: "Je mehr die Menschen bezweifeln, dass eine Währung ihre Kaufkraft behält, desto stärker steigt der Goldpreis in dieser Währung", sagt Claus Walter vom Freiburger Vermögensmanagement.

Zudem wird der Goldpreis vom Realzins beeinflusst. Das ist der  Zins, den Anleger nach Abzug der Inflationsrate vom Nominalzins erhalten - also der tatsächliche Zins.

Je niedriger der Realzins, desto attraktiver ist es, mit Gold die Kaufkraft abzusichern. "Ist der Realzins sogar negativ, wie bei Bankkonten und vielen Anleihen, ist das Motiv, Gold zu kaufen, noch größer", so der unabhängige Vermögensverwalter.

Preisexplosion im Januar

Treffen die Sorge vor schwindender Kaufkraft und negativer Realzins zusammen, kann es zu einer regelrechten Preisexplosion kommen - so wie im Januar, als das Edelmetall - gemessen in Euro - 16 Prozent bis auf 1150 Euro pro Feinunze (31,1 g) hinzugewann. Aktuell schwankt der Preis bei 1080 Euro.

Dass die Preisexplosion viele Finanzprofis und Privatanleger auf dem falschen Fuß erwischte hat, liegt an zwei Dingen: Zum einen achten die Profis in aller Regel ausschließlich auf den Goldpreis in der Handelswährung, also in US-Dollar.  

Charts zeigten frühzeitig das Potenzial

Zum anderen sehen sich nur wenige Anleger Charts an, doch zumindest in diesem Fall hätte dies helfen können. Denn über das vergangene Jahr hinweg hatte sich der Preis in einer sehr engen Spanne von 850 bis 990 Euro bewegt, bis zuletzt kaum noch jemand über Gold sprach. Ende 2014 war damit klar: Wenn Gold die Marke von 1000 Euro überwindet, ist ein neuer Aufwärtstrend sehr wahrscheinlich. Am 5. Januar war es dann so weit: Innerhalb von drei Wochen schoss die Feinunze um 150 Euro bzw. 15 Prozent nach oben.

"Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, den Anstieg des Goldpreises rein von den Problemen in Euroland herzuleiten", sagt Rainer Laborenz vom Privatinvestor Vermögensmanagement in Offenburg. Denn Gold hat auch in Dollar deutlich zugelegt - und zwar zeitweise um acht Prozent. Damit ließ das Edelmetall im Januar die Performance von US-Aktien ebenso hinter sich wie die von US-Staatsanleihen.

Das Fazit für Laborenz: "Gold-Anleger aus Euroland haben im Januar von zwei Faktoren profitiert: zum einen von einer echten Gold-Stärke in der Handelswährung, zum anderen von der Schwäche des Euro." 

Draghi treibt Gold weiter nach oben

Wie könnte es nun weitergehen? Für Claus Walter ist klar, dass das jüngst angekündigte  Anleihekaufprogramm der EZB den Goldpreis in Euro tendenziell weiter steigen lassen wird: "EZB-Präsident Mario Draghi pumpt über eine Billion Euro in den Markt. Das wird die Renditen der Anleihen weiter drücken. Davon profitieren Aktien und Gold", so der Vermögensverwalter.

Ähnlicher Ansicht ist auch Laborenz: "Wenn Geld, wie Draghi suggeriert, angeblich beliebig vermehrbar ist, werden knappe Güter im Preis steigen - und Gold ist eines der knappsten Güter überhaupt." Den Preis stützen sollte auch die wachsende Nachfrage aus Asien (Goldhunger haben vor allem Indien und China) sowie die Schließung etlicher unrentabler Goldminen.

Zehn Prozent Anteil können es schon sein

Anleger, die sich gegen die Geldschwemme und die weitere Aufweichung der Euro-Währung wappnen wollen, kommen an Gold daher nicht vorbei. Für Rainer Laborenz könnte Gold durchaus bis zu 15 Prozent im Depot ausmachen; als Mindestquote empfiehlt er fünf Prozent. Claus Walter rät zu einem Anteil zwischen fünf und zehn Prozent. Wer physisches Gold bei einem seriösen Händler erwerben möchte, sollte dies in Mindest-Stückelungen von einer Unze tun. Der Grund: Ist die Stückelung kleiner, fließt ein unnötig höher Anteil von Präge- bzw. Produktionskosten in die Kaufgebühren.

Unabhängig vom jüngsten Preisanstieg empfehlen beide Vermögensverwalter Anlegern, Gold als ultimative Versicherung gegen Inflation zu sehen: "Wenn die geldpolitischen Experimente der Notenbanken in eine weitreichende Geldentwertung münden, wird sich das sehr deutlich im Goldpreis bemerkbar machen", so Claus Walter.

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