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Griechenland: Lässt Athen die EU wieder hängen?


Entscheidende Runde  

Lassen die Griechen die EU heute erneut hängen?

20.02.2015, 13:46 Uhr | dpa

Griechenland: Lässt Athen die EU wieder hängen?. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein griechischer Kollege Gianis Varoufakis (re.). (Quelle: Reuters)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein griechischer Kollege Gianis Varoufakis (re.). (Quelle: Reuters)

Viel hängt vom Ausgang der heutigen Runde ab. Zum dritten Mal innerhalb weniger Tage treffen sich die Finanzminister der Eurogruppe in Brüssel, um über einen Ausweg aus der Schuldenkrise mit Griechenland zu beraten. Zweimal schon hat die neue Regierung in Athen die 18 Partner auflaufen lassen. Ist das heute die letzte Chance? Vier Szenarien, was am Ende herauskommen könnte:

Europartner erzwingen weitere Zugeständnisse

1. Deutschland und die anderen Europartner zwingen Griechenland zu weiteren Zugeständnissen. Das Hilfsprogramm wird inklusive der Spar- und Reformauflagen fortgeführt. Die Regierung des neuen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras muss ihr Wahlversprechen brechen, sich nicht mehr dem Diktat der Geldgeber zu unterwerfen.

FOLGE wäre wohl ein großes Aufatmen an den Finanzmärkten und in der Politik. Eine Verlängerung des Hilfsprogramms um sechs Monate würde Griechenland weitere Kredite sichern und das Land vor dem drohenden Staatsbankrott retten. Es könnte in aller Ruhe über weitere Unterstützung verhandelt werden.

Finanzminister erzielen Kompromiss

2. Griechenlands Europartner akzeptieren einen Kompromiss. Das Hilfsprogramm wird fortgesetzt, bei den Spar- und Reformauflagen bekommt die Regierung in Athen allerdings mehr Freiraum. Das könnte aber für Misstöne in anderen Euroländern, wie zum Beispiel Portugal, sorgen, die für Finanzhilfen ebenfalls einen harten Sparkurs einschlagen mussten.

FOLGE wäre wohl eine ähnliche Erleichterung wie bei Variante 1. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und andere Geldgeber müssten aber zuhause erklären, warum sie Zugeständnisse gemacht haben. Wenn ihnen das nicht gelingt, könnte die Verlängerung des Hilfsprogrammes noch scheitern. In Ländern wie Deutschland muss das Parlament zustimmen.

Fortschritte, aber kein Durchbruch

3. Bei den Verhandlungen gibt es Fortschritte, aber keinen Durchbruch. Die Eurogruppe verständigt sich darauf, dass Experten weiter an einer Einigung arbeiten. Dann gibt es ein weiteres Eurogruppentreffen oder eine Telefonkonferenz.

FOLGE wäre eine Verlängerung der Zitterpartie. Die griechische Regierung muss allerdings damit rechnen, dass die Europartner zunehmend genervter sind.

Neuer Streit

4. Es kommt erneut zu großem Streit und die Verhandlungen werden endgültig für gescheitert erklärt. Griechenland, aber auch die Europartner gehen den Weg in eine äußert ungewisse Zukunft. Ein Staatsbankrott innerhalb weniger Wochen, vielleicht sogar ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone - alles wäre dann möglich.

Im Fall einer Staatspleite würde die griechische Regierung vermutlich versuchen, einen Forderungsverzicht der Geldgeber zu erreichen. Die Regierung von Tsipras hätte aber noch deutlich weniger politischen und finanziellen Handlungsspielraum als jetzt.

Sollte sich das Land für den Ausstieg aus der Eurozone (Grexit) und für die Rückkehr zur Drachme entscheiden, könnte die neue Währung das Land zwar wettbewerbsfähiger machen. Die neue Währung verlöre aber zum Euro sowie Dollar massiv an Wert, was Importe, beispielsweise Rohstoffe, und auch die bisherigen Schulden deutlich verteuern würde.

Die Griechen würden vorher noch intensiver als schon jetzt ihre Euroguthaben abheben. Das könnte das griechische Bankensystem in die Knie zwingen. Im schlimmsten Fall könnte Athen keine Sozialleistungen, Renten und Beamtengehälter mehr bezahlen. Neue Bürgerproteste wären vermutlich nur eine Frage der Zeit.

Alle, die Athen Geld geliehen haben, müssten weitere milliardenschwere Ausfälle verbuchen. Unternehmensbilanzen und die Haushalte defizitärer Euroländer würden zusätzlich belastet. Die Ratingagentur Standard & Poor's geht allerdings davon aus, dass der Ausstieg die Eurozone in einem verkraftbaren Umfang belasten würde.

Auftreten von Athener Regierung "unverschämt"

Unterdessen bewertet die Mehrheit der Deutschen das streitlustige Auftreten der neuen griechischen Regierung in der Schuldenkrise kritisch. Laut einer N24-Emnid-Umfrage halten 52 Prozent der rund 1000 Befragten das Verhalten Athens für "unverschämt", 41 Prozent eher für "naiv".

Aber es gibt auch Verständnis: Immerhin 25 Prozent finden das Vorgehen von Tsipras und Varoufakis "strategisch geschickt". Und 13 Prozent geben zu, die Chuzpe der beiden "insgeheim zu bewundern".

Etwa 47 Prozent glauben, dass ein Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone ein Einzelfall ohne größere Folgen für den Rest des gemeinsamen Währungsraums bleiben würde. 39 Prozent fürchten hingegen eine Kettenreaktion, die zum Zerfall des Euroraums führen könnte.

Bei der Frage nach einem möglichen griechischen Euro-Austritt selbst ist inzwischen fast jeder zweite Deutsche der Ansicht, dass Athen dies tun sollte: In einer repräsentativen Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagten 48 Prozent der rund 1000 Teilnehmer, sie würden es vorziehen, wenn Griechenland die Eurozone verlässt. Dagegen sprach sich nur etwas mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Befragten für einen Verbleib Griechenlands im Euro aus.

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