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Die Talfahrt des Ölpreises sorgt international für Zündstoff


Machtfaktor Erdöl  

Absturz des Ölpreises sorgt international für Zündstoff

01.03.2015, 15:16 Uhr | von Dr. Marc-Oliver Lux für t-online.de

Die Talfahrt des Ölpreises sorgt international für Zündstoff. Ölförderung in Russland: Das Putin-Reich leidet immens unter dem niedrigen Preis für das schwarze Gold. (Quelle: Reuters)

Ölförderung in Russland: Das Putin-Reich leidet immens unter dem niedrigen Preis für das schwarze Gold. (Quelle: Reuters)

In den letzten Jahren pendelte der Ölpreis relativ stabil über 100 Dollar. Doch das gehört längst der Vergangenheit an, wie die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Ölpreis-Absturzes zeigen. Viele Marktteilnehmer vermuten ein Machtspiel hinter den Kulissen, das zu mehr als einer Halbierung des Ölpreises geführt hat - auf Niveaus, wie wir sie allenfalls vor sechs Jahren zur Zeiten der Finanzkrise mal gesehen hatten.

Seit den Ölkrisen in den 70er Jahren, in denen die Saudis Ihre Ölmacht ausspielten, gilt die bittere Erkenntnis, dass das Lebenselixier der Wirtschaft zugleich eine ihrer gefährlichsten Waffen ist. Oder wie es US-Außenminister Henry Kissinger sagte: "Wer das Öl kontrolliert, der beherrscht die Staaten."

Vom Rohstoff zum Drohstoff

Fast genau 40 Jahre später ist das Erdöl erneut zum Drohstoff geworden. Nur unter umgekehrten Vorzeichen: Diesmal ist der Verfall des Ölpreises die Waffe, nicht der Anstieg. Diesmal scheinen Saudis und die USA zumindest teilweise gemeinsame Sache zu machen. Und diesmal trifft es vor allem andere Erdölproduzenten wie Russland, Venezuela und Iran.

Im Ölkartell OPEC gibt Saudi Arabien den Takt vor. Anders als man zunächst vermuten würde, widersetzten sich die Scheichs zuletzt einer Verringerung der Fördermenge. So wird zur Zeit etwa eine Million Barrel pro Tag mehr produziert als nachgefragt. Mengenmäßig ist das nicht wirklich viel, aber angesichts der schleppenden Weltkonjunktur genug, um den Preis zu drücken.

Das Überangebot rührt auch von der intensiven Fracking-Fördermethode in den USA. Zwar trifft der niedrige Ölpreis auch die amerikanische Fracking-Industrie, aber für Ölexporteure wie Russland, Iran und Venezuela ist der Preissturz gravierender. Sie müssen nun enorme Einnahmeausfälle verkraften und ihre staatlichen Leistungen zurückschrauben.

Rubel und Rial büßen dramatisch ein

Das Putin-Reich benötigt nach Meinung von Energieexperten einen Ölpreis von etwa 100 Dollar, um seine aktuellen Budgetverpflichtungen zu erfüllen. Die attackierten Ölländer zahlen für ihre Rohstoffabhängigkeit aber noch einen weiteren hohen Preis: Ihre Währungen werden weich, ihre Volkswirtschaften geraten in die Krise. Sowohl der russische Rubel als auch der iranische Rial haben in den vergangenen Wochen gegenüber dem Dollar massiv an Wert eingebüßt. Die russische Währung brach zeitweise bis zu 40 Prozent ein.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) prophezeit Russland eine Rezession: Die Wirtschaftsleistung stagnierte 2014 und soll in diesem Jahr um drei Prozent sinken. Damit geraten Putin und sein Land weiter unter Druck: Die Wirtschaft hängt am Öl- und Gashahn wie ein Junkie an der Nadel und wird zudem von den Sanktionen des Westens nach dem Einmarsch russischer Truppen auf der Krim geschwächt.

Riesiger Vorteil für Europa

Für Europa präsentiert sich das aktuelle Preisniveau als Geschenk des Himmels. Denn das mit Abstand schwächste Glied der Weltwirtschaft - im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone gerade mal um 0,8 Prozent - ist nach den USA der größte Ölverbraucher. Europa selbst produziert verhältnismäßig wenig Öl und ist der größte Energieimporteur weltweit. Per Saldo importiert es jährlich gut 440 Millionen Tonnen Öl.

Europa profitiert also in besonders hohem Maße davon, dass die Unternehmen billiger produzieren und die Verbraucher mehr Geld ausgeben können. Allein in Deutschland entsteht bei einem konstanten Ölpreis auf jetzigem Niveau zusätzliche Kaufkraft von jährlich gut 30 Milliarden Euro. Von dem gleichen Effekt, wenn auch nicht in dieser Größenordnung, profitieren die Krisenstaaten Südeuropas. Insgesamt dürfte es also das Wirtschaftswachstum in Europa fördern.

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