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Schalke-Boss Clemens Tönnies muss juristische Niederlage einstecken


Machtkampf im Hause Tönnies  

Der Schalke-Boss muss eine juristische Niederlage einstecken

10.03.2015, 09:39 Uhr | dpa

Schalke-Boss Clemens Tönnies muss juristische Niederlage einstecken. Streit unter Metzgern. Im Hause Tönnies ist zwischen Onkel Clemens und Neffe Robert ein Machtkampf um Stimmenanteile im Großunternehmen entbrannt. (Quelle: dpa)

Niederlage im Familienstreit: Schalke-Boss Clemens Tönnies. (Quelle: dpa)

Für Clemens Tönnies könnte alles so schön sein. Sein FC Schalke 04 steht in der Fußball-Bundesliga gut da, und am Dienstag spielen die Königsblauen in der Champions League bei Real Madrid. Tönnies ist Aufsichtsratschef bei S04 in Gelsenkirchen. Aber der volksnahe Fußball-Fan ist auch der Chef beim größten deutschen Fleischkonzern - und da gibt es seit Jahren einen familieninternen Machtkampf, der nun vor Gericht ausgefochten wird.

Clemens Tönnies gehört eigentlich die Hälfte des florierenden Unternehmens, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro verbuchte. Über 8000 Menschen arbeiten für Tönnies, ein 1971 gegründetes Familienunternehmen. Aber die heile - wenn auch raue - Welt unter Schlachtern ist bedroht. Seit Jahren werden auch juristisch die Messer gewetzt.

Gilt die Zusage des sterbenden Vaters?

Robert Tönnies (36), Neffe von Clemens (58) und Sohn des 1994 verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies, kämpft um die Macht im Unternehmen. Robert hält wie Clemens genau die Hälfte an dem Schlachtkonzern. Roberts Bruder, Clemens Junior, gab seine Beteiligung aus gesundheitlichen Gründen an den Bruder ab. Beide zusammen hatten vom Vater ursprünglich 60 Prozent geerbt, ihr Onkel Clemens war eigentlich nur mit 40 Prozent in der schwächeren Position.

Seit 2008 ist das allerdings anders. Da gingen zehn Prozent von den Neffen an den Onkel über. Hintergrund für diese großzügige Geste des Juniors war eine Zusage des Vaters, um die jetzt erbittert gestritten wird: Firmengründer Bernd soll seinem Bruder auf dem Sterbebett versprochen haben, ihn bei den Anteilen mit seinen Söhnen gleichzustellen. Robert will diese Entscheidungen nun rückgängig machen.

"In unserer Branche gilt der Handschlag"

Längst beschäftigen sich mehrere Gerichte mit dem Streit. Dabei stoßen die Richter immer wieder auf das gleiche Problem. Bei Tönnies wurde nur wenig schriftlich festgehalten. "In unserer Branche gilt der Handschlag", sagte Clemens Tönnies noch im November vor Gericht nicht ohne Stolz.

Die Gerichte sehen das allerdings kritisch. In einer Urteilsbegründung in einem Verfahren um die Absetzung des Steuerberaters und ehemaligen Testamentsvollstreckers Josef Schnusenberg schreibt die 8. Kammer für Handelssachen am Landgericht Bielefeld: "Die Dokumentation relevanter Vorgänge in der Tönnies-Gruppe ist eher unterdurchschnittlich." Das scheint noch untertrieben. In vielen Streitfragen gibt es schlicht keine schriftlichen Unterlagen. Eine schwierige Position für Robert, der als Kläger Beweise vorlegen muss.

Gericht kippt nun doppeltes Stimmrecht

In dem Machtstreit muss Clemens Tönnies nun trotzdem eine Niederlage hinnehmen. Die Richter am Oberlandesgericht (OLG) in Hamm bestätigten ein Urteil des Landgerichts Bielefeld, das 2014 das umstrittene doppelte Stimmrecht des Unternehmenschefs gekippt hatte. Damit ist die Pattsituation (50:50), die Clemens bislang großen Einfluss im Konzern sicherte, aufgehoben.

Das doppelte Stimmrecht war in einem Vertrag von 2002 geregelt worden. Allerdings wurde es nicht bei der neu gegründeten Dachgesellschaft des Konzerns, der Tönnies Holding, eingetragen, sondern bei den bis dahin bestimmenden Fleischwerkegesellschaften. Die Anwälte von Clemens Tönnies sowie der Steuerberater und der Notar des Konzerns hatten dies vor dem Landgericht als Versehen bezeichnet. Das doppelte Stimmrecht hätte nach dem Willen aller Beteiligten eigentlich bei der Holding verankert werden müssen. Robert bestreitet das - und bekam nun Recht.

Zur Urteilsbegründung heißt es: Notariell beglaubigt wurden die Absprache an Heiligabend des Jahres 2002. Das Oberlandesgericht in Hamm schloss sich der Meinung des Landgerichts Bielefeld an, dass nicht alle Beteiligten an diesem Tag auch wirklich wollten, dass das doppelte Stimmrecht die Holding betraf, bzw. die Machtbefugnis von Clemens Tönnies damit massiv ausgeweitet würde. "Die jungen Erben sind vor dem Termin an Heiligabend nicht entsprechend ausreichend auf diese Entscheidung vorbereitet worden, wie man es erwarten könnte", erklärte das OLG in der mündlichen Verhandlung.

Motiv: gekränkte Eitelkeit

Was Robert antreibt, ist auch für Prozessbeobachter nur schwer zu erkennen. Er profitiert als Gesellschafter vom Erfolg der Tönnies-Gruppe. Gleichzeitig fühlt er sich seit Jahren bei wichtigen Entscheidungen übergangen, wirft seinem Onkel Undank vor und fühlt sich schlecht behandelt. Kenner der zerstrittenen Familien-Zweige gehen von persönlichen Kränkungen und enttäuschten Hoffnungen aus. Den Sprung ins Top-Management des Konzerns hat Robert nie geschafft.

Clemens Tönnies gilt als Macher und entwickelt neue Ideen. Aus Darmschleim der Schweine gewinnt Tönnies jetzt den Blutgerinnungshemmer Heparin. So wird der Schlachter zum Zulieferer für die Pharmaindustrie. Da schaut die Politik gerne vorbei, wie im Februar Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

Tiefe Wunden machen Handschlag unmöglich

Die Richter in den Verfahren appellierten immer wieder an die Streithähne, aufeinander zuzugehen - außerhalb des Gerichtssaals. Dazu scheint das Verhältnis von Onkel und Neffe aber zu sehr vergiftet. Einer müsste den ersten Schritt machen - kaum vorstellbar. Beide Familien plauderten - assistiert von Top-Juristen - die intimsten Details im Gerichtssaal über die jeweils andere Seite aus. Die Wunden sind tief. Ein Handschlag reicht da wohl nicht mehr.

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