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E.ON und RWE taumeln durch die Energiewende


Gewinne schrumpfen weiter  

RWE und E.ON taumeln durch die Energiewende

10.03.2015, 16:32 Uhr | rtr, t-online.de

E.ON und RWE taumeln durch die Energiewende. Bald gehen im bereits stillgelegten AKW Biblis auch die letzten Lampen aus. (Quelle: dpa)

Bald gehen im bereits stillgelegten RWE-Atomkraftwerk Biblis auch die letzten Lampen aus. (Quelle: dpa)

Die einst stolzen Energieriesen RWE und E.ON kämpfen weiterhin mit den Folgen der Energiewende. Der Essener RWE-Konzern kündigte für 2015 das dritte Mal in Folge wegbrechende Gewinne an. Dem Konkurrenten E.ON geht es kaum besser, er hat sich allerdings durch eine drastische Geschäftsumgestaltung bereits neu aufgestellt. Die Aktien von RWE und E.ON gehören am Dienstag zu den größeren Tagesverlierern im Dax .

"In der konventionellen Stromerzeugung verschlechtern sich die Rahmenbedingungen schneller, als wir gegensteuern können", räumte Vorstandschef Peter Terium auf der Bilanzpressekonferenz von RWE ein. Ursache hierfür seien die wegen des Ökostrom-Ausbaus und der Überkapazitäten der Kraftwerke stark gefallenen Strom-Großhandelspreise. Während RWE bereits 2013 hohe Abschreibungen auf seine Anlagen vornahm, steht dies E.ON noch bevor. Der Konzern wird am Mittwoch voraussichtlich einen Rekordverlust präsentieren.

Viele konventionelle Kraftwerke verdienen kein Geld mehr

"Die wirtschaftliche Situation in der konventionellen Stromerzeugung ist dramatisch", sagte Terium in Essen. Die Lage sei im vergangenen Jahr noch deutlich schlechter geworden. "Inzwischen sind es 35 bis 45 Prozent unserer konventionellen Kraftwerke, die unter den gegebenen Marktbedingungen kein Geld mehr verdienen."

Vor allem wegen des Einbruchs der Tochter RWE Generation fiel das Betriebsergebnis 2014 um ein Viertel auf vier Milliarden Euro. Terium erwartet 2015 einen weiteren Rückgang auf bis zu 3,6 Milliarden Euro.

Unter dem Strich konnte RWE im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro verbuchen, nachdem 2013 wegen hoher Abschreibungen auf Kraftwerke ein Verlust von 2,8 Milliarden Euro angefallen war. Für 2014 sollen die Aktionäre eine Dividende auf der Vorjahreshöhe von einem Euro je Aktie erhalten.

Terium: "Neue Wachstumschancen durch Energiewende"

Terium konzentriert sich nicht nur auf eine Verbesserung des Kraftwerksgeschäfts, in dem er mit Kostensenkungen beim Betrieb und der Stilllegung von Anlagen für Erleichterung sorgen will. Die Kraftwerke seien ohnehin nur eines von vier Standbeinen des Versorgers. "In den Bereichen Vertrieb, Netze sowie erneuerbare Energien eröffnet uns die Energiewende neue Wachstumschancen - und die wollen und werden wir nutzen." RWE versorgt insgesamt rund 23 Millionen Kunden mit Strom und Gas.

Die über Jahre hochgepäppelte Ökostrom-Tochter Innogy soll von 2015 bis 2017 ihr Ergebnis im Jahresdurchschnitt um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag steigern. Sie hatte 2014 ein Betriebsergebnis von 186 Millionen Euro erzielt - im Vergleich zu der knappen Milliarde des Kraftwerksgeschäfts eine kleine Summe. Im Konzern gibt es Überlegungen, beide Geschäfte zusammenzulegen. Nach den Milliardeninvestitionen der vergangenen Jahre soll Innogy nun unter anderem von neuen Windparks in der Nordsee profitieren.

RWE fährt Investitionen zurück

"Mittelfristig wollen wir RWE wieder auf Wachstumskurs bringen, ohne unsere strikte finanzielle Disziplin aus den Augen zu verlieren", kündigte Terium an. Der Niederländer führt den Konzern seit 2012, der Aufsichtsrat verlängerte seinen Vertrag gerade bis 2021. Der RWE-Chef will auch mit neuen Einsparungen gegensteuern. Bis 2017 sollen die Kosten gegenüber 2012 um zwei Milliarden Euro gesenkt werden - 500 Millionen Euro mehr als zuletzt geplant.

RWE drückt wie E.ON ein Schuldenberg von 31 Milliarden Euro. Für Erleichterung soll der Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea sorgen. Die Essener veräußerten trotz politischer Widerstände in Großbritannien die Tochter für 5,1 Milliarden Euro an eine Gruppe russischer Investoren. Auf der Verkaufliste steht noch der mit E.ON gehaltene Anteil an der Uranfirma Urenco.

Bis heute hat es bei RWE zwar noch keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben, doch künftig werde RWE "weniger Mitarbeiter beschäftigen", sagte der Vorstandschef. Personalvorstand Uwe Tigges ergänzte, die Mitarbeiterzahl folge dem Geschäft und dies sei "rückläufig". Von jetzt rund 59.700 Mitarbeitern plane RWE mittelfristig noch mit 58.200 und auch daran könne sich noch etwas ändern.

E.ON bekommt wohl die "rote Laterne"

E.ON-Chef Johannes Teyssen hat in den vergangenen Jahren mit Beteiligungsverkäufen versucht, die Branchenkrise zu kontern. Zugleich pumpte der größte deutsche Versorger hohe Summen ins Ausland. Doch das Russland-Geschäft läuft wegen des schwachen Rubels zurzeit nicht rund, das Brasilien-Geschäft überhaupt nicht. Das Kraftwerksgeschäft mit Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken will E.ON 2016 abspalten und sich auf den Ökostrom konzentrieren.

Vorher müssen die Düsseldorfer aber noch Milliardensummen auf ihre Kraftwerke abschreiben. Damit dürfte RWE die "rote Laterne" aus dem Jahr 2013 nun an E.ON abgeben. Zuvor befragte Analysten rechnen bei E.ON am Mittwoch - dem Jahrestag der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, die in Deutschland die Energiewende auslöste - mit einem Verlust von über drei Milliarden Euro. Dies wäre nicht nur der höchste Verlust in der Geschichte E.ON, sondern der höchste eines börsennotierten Versorgers in Deutschland überhaupt.

Wo die meisten Atomkraftwerke stehen. (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

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