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Grexit-Folgen: Was bei einem Griechenland-Austritt passieren könnte


Grexit-Folgen  

Was bei einem Griechenland-Austritt passieren könnte

14.03.2015, 10:06 Uhr | t-online.de, dpa

Grexit-Folgen: Was bei einem Griechenland-Austritt passieren könnte. Wenn Griechenland die Eurozone verlässt, drohen massive Turbulenzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn Griechenland die Eurozone verlässt, drohen massive Turbulenzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Stimmen werden lauter, die einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone fordern. Doch der - weiterhin sehr unwahrscheinliche - Grexit des hochverschuldeten Landes hätte gravierende Folgen auch für Deutschland.

Geht es nach der Bevölkerung in Deutschland ist das Urteil für Griechenland bereits gefällt: Laut dem "ZDF-Politbarometer" sprechen sich 52 Prozent der wahlberechtigten Bundesbürger gegen einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone aus. In der nicht repräsentativen Umfrage von t-online.de sind sogar mehr als 90 Prozent von gut 40.000 Teilnehmer für einen "Grexit".

Grexit könnte Ende der Eurozone einläuten

Verschiedene Politiker und Wirtschaftsfachleute hatten in den vergangenen Wochen praktisch ausgeschlossen, dass Griechenland die Eurozone verlassen wird. Doch unterschwellig wird das Szenario weiterhin diskutiert. EU-Währungskommissar Pierre Moscovici sah sich sogar genötigt, vor den Folgen eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone zu warnen.

In Europa seien sich im Grunde doch wohl alle einig, "dass ein Grexit eine Katastrophe wäre - für die griechische Volkswirtschaft, aber auch für die gesamte Eurozone", sagte er dem "Spiegel". "Wenn ein Land diese Union verlässt, werden die Märkte umgehend die Frage stellen, welches Land als Nächstes dran ist, und das könnte der Anfang vom Ende sein", fügte er hinzu.

Risiko eines Griechenland-"Unfalls" erhöht

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte am Vortag erklärt, er schließe einen von keiner Seite gewollten, unfallartigen Euro-Ausstieg Griechenlands nicht mehr aus. "Da ja die Verantwortung, die Möglichkeit, zu entscheiden was passiert, nur bei Griechenland liegt, und da wir nicht so genau wissen, was die Verantwortlichen in Griechenland tun, können wir es nicht ausschließen", sagte er am Rande eines Besuchs in Wien.

Am Freitag zeigte sich auch der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling besorgt über ein versehentliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Schäuble sagte Schelling, die Unerfahrenheit der griechischen Regierung erhöhe "das Risiko eines möglichen Unfalls". Der Begriff "Grexident" war schnell geprägt: In das Kunstwort "Grexit" (aus "Greece" und "exit") für das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone wurde noch der Unfall ("accident") eingeflochten.

Bis zu 85 Milliarden wären für Deutschland verloren

Ob Austritt oder Unfall - die Folgen wären teuer. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sprach in einem Interview mit der "Badischen Zeitung" von "gigantischen Schäden". Die rund 320 Milliarden Euro, die Griechenland den Gläubigern schuldet, wären verloren.

Knapp 80 Prozent der griechischen Schulden liegen bei öffentlichen Institutionen wie der EZB, dem Euro-Rettungsschirm und dem IWF. Das Ifo-Institut bezifferte die Kosten für Deutschland bei einer Griechen-Pleite auf bis zu 85 Milliarden Euro. Darin enthalten sind nicht nur die direkten Kredite aus dem ersten Hilfspaket und die Kredite des EFSF aus dem zweiten, sondern auch die anteiligen Zahlungen Deutschlands über den IWF und mögliche Verluste der EZB.

Spekulanten würden Eurozone zerpflücken

Der SPD-Finanzpolitiker und Fraktionsvize Carsten Schneider warnte schon vor Wochen vor den Folgen eines Grexit. "Wir haben fast 240 Milliarden an Krediten an Griechenland gegeben, um es zu stabilisieren und im Euro zu halten." Bei einem Umstieg auf die Drachme und einer Abwertung könnte Athen das nicht zurückzahlen.

Auch die Auffassung, dass ein "Grexit" heute besser beherrschbar wäre als noch vor einigen Jahren, teilt Schneider nicht. Es würde auseinandergehen. Jeder Spekulant würde zu Recht dann spekulieren, 'schauen wir mal, ob die tatsächlich Italien halten können'. Ein kleines Land könnte man vielleicht retten, "aber auf gar keinen Fall ein großes wie Italien oder Frankreich".

Holger Schmieding, Chef-Ökonom der Berenberg-Bank, verwies laut "Frankfurter Allgemeine" auf die chaotischen Folgen für Griechenlands Banken. Die Umstellung auf eine neue Drachme würde Kapitalverkehrskontrollen und längere Bankferien nach sich ziehen. Syriza-Abgeordneter Costas Lapavitsas hat ein derartiges Szenario bereits durchgespielt. Um einen Ansturm auf die Banken zu verhindern und den Abfluss des Kapitals ins Ausland zu bremsen, seien Abhebe-Limits und Kapitalkontrollen unerlässlich. Schuldscheine der Regierung könnten als Not-Zahlungsmittel fungieren.

Mehr Not-Kredite für Griechen-Banken

Apropos Not: Die EZB hat den Notkredit-Rahmen für griechische Banken am Donnerstag erneut erhöht. Der Rahmen für Notkredite ("Emergency Liquidity Assistance"/ELA) für griechische Banken steigt um 600 Millionen Euro, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit dem Beschluss vertraute Personen.

Bereits in der Vorwoche hatten die Geldhüter den Kreditrahmen nur unwesentlich um 500 Millionen Euro auf 68,8 Milliarden Euro angehoben. Die griechischen Banken leiden immer stärker unter den jüngsten Mittelabflüssen in Milliardenhöhe. Bürger und Unternehmen räumen wegen der ungewissen Zukunft des von der Pleite bedrohten Griechenlands ihre Konten leer.

Sollte dieser "Trend" auch auf andere südeuropäische Länder wie etwa Spanien oder Italien übergreifen, kämen viele weitere Banken in Bedrängnis - übrigens auch ohne Grexit. Durch die internationalen Geschäfts-Verbindungen wären auch deutsche Banken massiv betroffen. Am Ende könnte eine Panik zu einer weltweiten Bankenkrise führen - mit entsprechenden Verwerfungen an den internationalen Börsen. Eine neue, noch größere Finanzkrise als 2008 wäre nicht zu verhindern.

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