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"Graccident" droht: Griechenland sitzt auf "Pulverfass"


"Graccident" droht  

Griechenland sitzt auf einem "Pulverfass"

15.03.2015, 16:29 Uhr | AFP, dpa

"Graccident" droht: Griechenland sitzt auf "Pulverfass". Griechenlands Regierung pokert hoch mit ihren Geldgebern. Experten werden nervös. (Quelle: Reuters)

Griechenlands Regierung pokert hoch mit ihren Geldgebern. Experten werden nervös. (Quelle: Reuters)

Im Drama um die Schulden Griechenlands wächst aus Sicht von DIW-Chef Marcel Fratzscher die Gefahr eines unbeabsichtigten Austritts des Landes aus der Eurozone - eines sogenannten "Graccident". "Die Gefahr eines 'Graccident' ist hoch, und wird mit jedem Tag ohne eine klare Strategie für Griechenland größer", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

"Athen sitzt mit einem brennenden Feuerzeug auf dem Pulverfass", so Fratzscher. "Jede Fehlentscheidung kann in den kommenden Wochen die Lage in Griechenland zur Explosion bringen. Die Regierung hat jeglichen Vertrauensvorschuss verspielt."

Das Kunstwort "Graccident" besteht aus Greece (Griechenland) und dem englischen Wort für "Unfall" (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für "Zufall" stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar wäre, wenn Athen das Geld ausgeht.

"Grexit" eher unwahrscheinlich

Im Gegensatz zu einem "Graccident" hält Fratzscher die Gefahr eines "Grexit", also eines Ausstiegs oder Rauswurfs Griechenlands aus der Eurozone, für gering. "Denn niemand kann die griechische Regierung aus dem Euro zwingen, und für Griechenland wäre ein 'Grexit' der sichere Weg in die wirtschaftliche und soziale Katastrophe."

Der DIW-Chef sagte außerdem, Athen müsse nun als allererstes das Vertrauen der Finanzmärkte und der europäischen Partner zurückgewinnen. "Die größte Gefahr ist, dass die Kapitalflucht der griechischen Bürger das Bankensystem und damit das Land in den Kollaps zwingen wird. Athen muss ein klares Signal senden, dass es den Reformprozess fortsetzen wird, und dass ein Schuldenschnitt und ein Grexit keine Optionen sind."

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis hatte zuvor Zugeständnisse an die Eurogruppe angedeutet. Man könne die Umsetzung einiger Wahlversprechen aufschieben, wenn dies nötig sei, sagte er bei einer Konferenz in Italien. Weil er deswegen nicht an einem Treffen der griechischen Regierung in Athen teilnehmen konnte, gab es Gerüchte, Varoufakis sei entmachtet worden. Das wurde aus griechischen Regierungskreisen jedoch dementiert.

Schulz: Tsipras soll Rechtspopulisten rauswerfen

Der europäische Druck auf die Athener Regierung hielt unterdessen an. Nach neuen verbalen Ausfällen gegen Berlin legte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz dem Athener Regierungschef Alexis Tsipras den Rauswurf seines rechtspopulistischen Koalitionspartners nahe. Anel-Parteichef Panos Kammenos, der zugleich Verteidigungsminister ist, hatte zuvor in der "Bild"-Zeitung Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) attackiert und in die Nähe von Korruption gerückt.

Schulz sagte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Ich halte die jetzige Koalition der Linkspartei mit diesen Rechtspopulisten für einen Fehler." Dies habe er auch Syriza-Parteichef Tsipras bei ihrem Treffen am Freitag in Brüssel deutlich gemacht. Über Kammenos fällte der SPD-Politiker Schulz folgendes Urteil: "Der Elefant im Porzellanladen erscheint mir verglichen mit Herrn Kammenos wie ein feinziselierter Diplomat."

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