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EZB-Milliarden stoppen allmählich den Preisverfall: Trendwende beim Öl


Trendwende beim Öl  

EZB-Milliarden stoppen allmählich den Preisverfall

15.04.2015, 12:54 Uhr | dpa , rtr

Mit aller Macht stemmt sich die Europäische Zentralbank (EZB) gegen einen Preisverfall im Euroraum. Und die Inflation in Deutschland zieht tatsächlich wieder an. Wie das Statistische Bundesamt bestätigte, stieg die jährliche Inflationsrate im März von 0,1 Prozent im Vormonat auf 0,3 Prozent. Der Preisrückgang bei Haushaltsenergie und bei Kraftstoffen verlangsamte sich weiter.

Die Geldschwemme-Strategie der EZB in der Eurozone scheint aufzugehen. Denn zu niedrige Preissteigerungsraten sind genauso schlecht für die Wirtschaft wie zu hohe. Zielmarke der EZB ist eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Diese Zielmarke für stabile Preise haben sich die Währungshüter gesetzt, um zu starke Schwankungen in die eine wie in die andere Richtung zu vermeiden.

Inflation soll nicht lange niedrig bleiben

Der Plan von EZB-Chef Mario Draghi: Wenn die Geldhäuser im Zuge weiter sinkender Renditen Staatsanleihen verkaufen, die die EZB aufkauft, werden sie freiwerdende Gelder stärker für die Kreditvergabe einsetzen. Diese sollen für Investitionen eingesetzt werden, was der Konjunktur nützt und letztlich auch die Inflation wieder nach oben treiben dürfte.

EZB-Präsident Mario Draghi betont: "Dies ist ein Schlüssel dafür, dass die Wirtschaft wieder voll in Schwung kommt und dass die Inflation nicht zu lange zu niedrig bleibt." Auch Ökonom Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg glaubt, dass das Anleihenkauf-Programm über günstigere Kreditbedingungen oder einen schwächeren Euro alle Voraussetzungen erfüllt, um die Inflation zurück zur Zielmarke der EZB zu führen.

Deutsche Banken wollen derzeit keine Anleihen an EZB verkaufen

Doch die Chancen der EZB, Anleihen von deutschen Banken zu kaufen, stehen zurzeit nicht gut. Wie die Bundesbank im Rahmen einer regelmäßigen Umfrage unter Geldhäusern mitteilte, habe das Kaufprogramm zwar die Finanzierungsbedingungen der Banken verbessert. Indes: "Kaum eine deutsche Bank aus der Stichprobe beabsichtigt einen Verkauf marktfähiger Aktiva im Rahmen des Programms", schrieb die Bundesbank. Verglichen mit Deutschland stoße das EZB-Kaufprogramm im restlichen Euroraum aber auf deutlich größeres Interesse.

Mit ihrer lockeren Geldpolitik setzt die Zentralbank zudem den Euro unter Druck, der gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Monaten kräftig abgewertet hat. Das hilft Europas Exporteuren, verteuert gleichzeitig aber Importe. Auch deshalb sinken etwa die Energiepreise in Europa langsamer als zuvor - denn Rohöl und Benzin werden international in Dollar gehandelt.

Zuletzt zogen die Ölpreise wieder etwas an. Nordsee-Öl der Sorte Brent kostete am Terminmarkt wieder mehr als 60 Dollar je Barrel (157 Liter), US-Öl der Sorte WTI stieg zuletzt auf etwa 54 Dollar. An den Tankstellen macht sich das schon bemerkbar: Die Spritpreise steigen tendenziell.

Euro-Verfall treibt Preise aufwärts

Experten der Unicredit sind überzeugt, dass der schwächere Euro die Preise allgemein nach oben treiben wird. Dies zeige sich etwa bereits bei Lebensmitteln: "Während auf Dollar lautende Preise für Lebensmittel-Rohstoffe weiter nach unten tendieren, ziehen ihre auf Euro lautenden Pendants inzwischen an."

Die in den vergangenen zwei Jahren rückläufigen Energiepreise sind verantwortlich für die immer noch zu niedrige Inflationsrate. Im Vergleich zum März 2014 war Heizöl rund 19 Prozent günstiger, Diesel und Benzin knapp neun Prozent billiger. Insgesamt gingen die Energiepreise um 5,7 Prozent zurück. Im Februar waren die Preise in diesem Bereich noch um 7,3 Prozent gesunken.

Ölpreise haben großen Einfluss auf Inflation

Nur leicht rückläufig waren hingegen die Preise für Nahrungsmittel. Sie gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat nur um 0,1 Prozent zurück. Billiger waren Butter und H-Milch, deutlich teurer hingegen wurde Schokolade. Eine Tafel kostete rund 16 Prozent mehr als im März vergangenen Jahres. Kaffee war 17,5 Prozent teurer. Gegenüber dem Februar stiegen die Lebenshaltungskosten insgesamt um 0,5 Prozent.

Die Energiepreise haben traditionell einen großen Einfluss auf die Inflation ist. Das belegen detaillierte Berechnungen des Bundesamtes für Februar 2015: Würden Nahrungsmittel und Energie nicht berücksichtigt, hätten die Verbraucherpreise in dem Monat um 1,0 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Einschließlich beider Posten ergab sich eine Rate von 0,1 Prozent.

Warum sinkende Preise so gefährlich sind

Aus Verbrauchersicht sind fallende Preise gut. Wenn Benzin, Heizöl oder Gemüse billiger werden, können sich Konsumenten mehr anderes leisten. Auch deshalb hat sich das Konsumklima in Europa im ersten Quartal 2015 deutlich verbessert und ist nun nach Angaben des Marktforschungsunternehmens GfK so gut wie zuletzt vor sieben Jahren.

Für die Konjunktur kann ein allgemeiner Preisrückgang aber gefährlich sein. Denn das könnte dazu führen, dass Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen in Erwartung weiterer Preissenkungen aufschieben und die Wirtschaft erlahmt. Das wollen die Währungshüter mit ihrer lockeren Geldpolitik verhindern. Denn eine Deflation, also ein längerer Preisrückgang quer durch die Warengruppen, würde die Konjunktur auf Dauer lähmen.

EZB-Kurs birgt auch Gefahren

Kritiker wie EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger warnen indes vor der EZB-Geldflut: "Bei niedrigen Zinsen steigt die Gefahr von zu riskantem Anlageverhalten, es können sich leicht Überhitzungen oder Preisblasen (...) bilden." Zudem verzerrt die Geldflut der Zentralbank die üblichen Prozesse von Angebot und Nachfrage an Anleihemärkten.

Ein Großteil des Geldes landet letztlich an den Börsen. Die DZ Bank kommentiert: "Die EZB verstärkt den Aufwärtstrend an den Aktienmärkten in beispiellosem Maße und erhöht die Fallhöhe für die Zeit danach."

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