Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Griechenland: IWF-Chefin Lagarde lässt Varoufakis abblitzen

Griechenland verzockt sich im Schuldenstreit  

IWF-Chefin Lagarde lässt Varoufakis abblitzen

17.04.2015, 12:56 Uhr | Aus Washington berichtet Marc Pitzke, Spiegel Online

Griechenland: IWF-Chefin Lagarde lässt Varoufakis abblitzen. Doziert gerne in saloppem Outfit: Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis. (Quelle: AP/dpa)

Doziert gerne in saloppem Outfit: Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis. (Quelle: AP/dpa)

Die Zeit wird knapp im griechischen Schuldenstreit. Am Rande der IWF-Frühjahrstagung in Washington bemühte sich Athens Finanzminister Varoufakis um einen Zahlungsaufschub. Weit kam er nicht.

Die Uhr tickt für Griechenland: Im Mai und Juni muss Athen rund 2,5 Milliarden Euro Hilfsgelder an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Doch die Syriza-Regierung hat dieses Geld derzeit nicht. Also müsste Finanzminister Gianis Varoufakis eigentlich bei IWF-Chefin Christine Lagarde demütig um eine Gnadenfrist bitten.

Doch bekanntlich will Varoufakis immer alles anders machen, allein schon durch sein Auftreten. Das gilt auch und gerade in Washington: Ringsum Maßanzüge, gestärkte Hemden, pastellschimmernde Krawatten, Insignien der Macht - doch Griechenlands Finanzminister erscheint salopp, in Sportsakko und offenem Hemd. Sein rechter Kragen ist keck nach oben geknickt.

Politik mit Wortspielen

"Wir werden Kompromisse machen, wir werden Kompromisse machen, und wir werden Kompromisse machen", sagt Varoufakis. "Aber wir werden uns nicht kompromittieren lassen."

Flott gesagt, doch folgenschwer: Es ist eines dieser Wortspiele, die Varoufakis zum Darling des Anti-Establishments gemacht haben. Zugleich illustrieren allein diese zwei Sätze die Aussichtlosigkeit der Sache, die ihn am Donnerstag erneut nach Washington gebracht hat.

Nein, er ist nicht wegen des griechischen Unabhängigkeitstags hier, zu dem Präsident Barack Obama ins Weiße Haus geladen hat. Den VIP-Empfang im East Room lässt sich Varoufakis zwar nicht entgehen. Doch das ist ein ironischer Zufall des Timings - ein Nebenschauplatz an diesem Tag, an dem es um nichts geringeres geht als Europas Einheit.

Griechenlands Verhandlungen mit seinen Gläubigern stecken fest. Ein Verzug bei den Rückzahlungen hätte dramatische Folgen, nicht nur für Griechenland.

Ähnlich flott

Also ist Varoufakis abermals in Washington, wo diese Woche die IWF-Frühjahrstagung stattfindet. Alle sind da, die etwas zu sagen haben in der Griechenland-Krise. Varoufakis hofft, mit seinem spröden Charme weiterzukommen - allen voran bei IWF-Direktorin Christine Lagarde.

Die begrüßt ihn denn auch ähnlich flott, in schwarzer Lederhose und hohen Hacken. Aber damit sind die Gemeinsamkeiten schon vorbei.

Es muss ein kühles Gespräch gewesen sein, hoch über dem lichtdurchfluteten IWF-Glasatrium. Anschließend dementiert Varoufakis ein zuerst von der "Financial Times" kolportiertes Gerücht, Athen habe informell um Zahlungsaufschub gebeten - und sei damit abgeblitzt.

Doch Lagarde gibt Varoufakis sogar eine öffentliche Abfuhr. Sie bestätigt die Meldung zwar nicht, lobt deren Co-Autor Chris Giles aber augenzwinkernd als "sehr gut informiert". Ein Aufschub sei jedenfalls so unerwünscht wie beispiellos: "Noch nie hat uns eine entwickelte Volkswirtschaft um Zahlungsaufschub gebeten." Für alle gälten die gleichen Spielregeln: "Wie Sie wissen, basiert der IWF auf Regeln."

Eine Frage der Regeln

Die Regeln: Darauf pochen sie hier immer wieder. Was, wenn Athen sich nicht an diese Regeln hält und die Frist verstreichen lässt? "Wir kennen das Konzept der Gnadenfrist nicht", heißt es in IWF-Kreisen spitz. "An dem Tag, an dem eine Zahlung nicht erfolgt, wird das als Nichtzahlung verbucht." Und wieder: "Wir halten uns an die Regeln."

Darauf besteht nicht nur der IWF. "Europa erwartet, dass sich alle an das vereinbarte Programm halten", mahnt auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der seinen Besuch hier mit einer Fragestunde an der Brookings Institution veredelt, einem der ältesten Think Tanks.

Zwar warnt Schäuble vor allzu lautem "Griechenland-Bashing". Doch müsse Athen Ernst machen mit seinen Reformen. So wie Irland, Spanien, Portugal: Die Länder, die "echte Reformen implementiert haben, beginnen die Früchte ihrer Anstrengungen zu sehen", sagt er.

Dass er freilich bei Griechenland kaum mehr Hoffnungen habe, ließ Schäuble schon tags zuvor bei einer Rede in New York erkennen. "Niemand erwartet, dass es eine Lösung geben wird", sagte er zum Treffen der EU-Finanzminister Ende nächster Woche im lettischen Riga.

Vorlesung im rappelvollen Saal

Denn auch Varoufakis gibt keinen Deut nach. "Nichts wäre für mich persönlich einfacher, als auf der gepunkteten Linie zu unterschreiben", sagt er, als er eine halbe Stunde nach Schäuble auftritt. "Doch das wäre falsch." Klartext: Varoufakis will die Reformen in Einzelteilen verhandeln - während der IWF auf dem kompletten Paket beharrt.

Varoufakis verwandelt seinen Auftritt in eine Vorlesung, deren Publikum sowohl hier im rappelvollen Saal sitzt wie auch in Athen: Er doziert, zitiert, schulmeistert, gibt sich herablassend-souverän - und zugleich als Opfer: Griechenland werde zu Unrecht angegriffen.

Nach der Brookings-Runde fährt er zur Feier ins Weiße Haus. Als Leiter der griechischen Delegation und erster Vertreter der neuen Regierung schüttelt er Obama da die Hand. Zu mehr als einem kurzen Smalltalk kommt es allerdings nicht: Ein formelles Treffen der beiden, sagt Obama-Sprecher Josh Earnest, sei von Anfang an nicht eingeplant gewesen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Palazzo-Trend: farbenfroh, an- gesagt & locker geschnitten
zu den Palazzo-Hosen bei C&A
Anzeige
Mieten statt kaufen: „Technik-Trends, die du brauchst“
OTTO NOW entdecken
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe