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Blitz-Crash bei Staatsanleihen: Zinsen in zwei Tagen verdoppelt


Knall zu leise?  

Blitz-Crash bei Staatsanleihen - Massive Verluste auch am Donnerstag

01.05.2015, 08:30 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de

Blitz-Crash bei Staatsanleihen: Zinsen in zwei Tagen verdoppelt. Mit Staatsanleihen konnten Anleger in den vergangenen Jahren nichts falsch machen. Aber was nun? (Quelle: imago/Christian Ohde/Montage:t-online.de)

Mit Staatsanleihen konnten Anleger in den vergangenen Jahren nichts falsch machen. Aber was nun? (Quelle: imago/Christian Ohde/Montage:t-online.de)

An den europäischen Anleihemärkten rauschen die Kurse abwärts. Der wichtige Bund-Future, der auf zehnjährigen Bundesanleihen basiert, büßte binnen zwei Tagen fast drei volle Punkte ein - so viel wie noch nie in seiner Geschichte.

Am Mittwoch waren Bundesanleihen, aber auch viele andere Staatspapiere stark unter Druck geraten. Die Anleiheexperten der Commerzbank sprachen von einem "Flash-Crash". Am Donnerstag fiel der Terminkontrakt um bis zu 124 Ticks weiter auf ein Zwei-Monats-Tief von 156,49 Punkten. Die Rendite der Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit stieg spiegelverkehrt von 0,28 auf 0,38 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Mitte März.

Zehnjahreszins in zwei Tagen verdoppelt

Innerhalb der letzten 48 Stunden hat sich der Zehnjahreszins - ausgehend von sehr geringem Niveau - mehr als verdoppelt. Zuletzt stand der der Bund-Future bei 156,64 Punkten.

Analysten nannten zahlreiche Gründe für die abrupte Kehrtwende, darunter bessere Konjunkturdaten aus der Eurozone, Hoffnungen im griechischen Schuldenstreit und eine schlecht nachgefragte deutsche Anleiheauktion.

Strukturelle Schwäche des Bond-Marktes

Börsianer wollten allerdings keine Panik verbreiten: "Die Kursbewegung ist zwar stark, für das Platzen einer Blase ist der Knall aber zu leise", sagte ein Rentenanalyst in Frankfurt.

"Der Blitz-Crash fördert die strukturelle Schwäche des Bond-Marktes zutage", schrieb derweil Commerzbank-Analyst Markus Koch in einem Kommentar. Die Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) im Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro trockneten den Markt aus, weil immer weniger Papiere verfügbar seien. Durch diese Verknappung sei der Markt anfällig für Kursausschläge.

US-Zinserhöhung später?

Kochs Kollegen von der Royal Bank of Scotland (RBS) machten zusätzlich Gewinnmitnahmen, milliardenschwere Anleihe-Emissionen europäischer Staaten und die Hoffnung auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit für die Verkäufe verantwortlich. Eine mögliche Entspannung der Krise macht die als sicher geltenden, aber renditeschwachen Bundespapiere für viele Anleger unattraktiver.

Der Euro-Kurs kletterte zeitweise auf ein Zwei-Monats-Hoch bei 1,1248 Dollar, gab am Nachmittag dann wieder etwas nach. Er profitierte Börsianern zufolge von Spekulationen auf eine Verschiebung der bislang für Sommer erwarteten US-Zinserhöhung. Dieses Szenario hatte der Gemeinschaftswährung - ausgelöst durch das schwache Wirtschaftswachstum im ersten Quartal - bereits am Vortag zu einem Kursplus von rund eineinhalb US-Cent verholfen und den Dax im Gegenzug um mehr als drei Prozent abstürzen lassen. Am Donnerstag erholten sich viele Aktienkurse wieder.

Sicherer Hafen wird unsicherer

Staatsanleihen - vor allem die mit erstklassiger Bonität ausgestatteten deutschen - gelten in unsicheren Phasen (etwa Schuldenkrise) normalerweise als besonders sicherer Hafen. Auch durch die Politik der EZB wurden die Kurse immer höher getrieben, die Zinskupons fielen dadurch praktisch auf Null. Experten warnten zuletzt immer häufiger vor einer wachsenden Blase am Anleihenmarkt. Dirk Müller etwa sprach im Interview mit T-Online von der "Mutter aller Blasen". Andere Fachleute rieten zum Umschichten von Geld-Papieren in Sachwerte.

In eigener Sache: Am kommenden Dienstag, 5. Mai, beantwortet Dirk Müller im Experten-Live-Chat hier bei t-online.de ab 12 Uhr Ihre Fragen zu Geldanlagen und Vermögensaufbau. Termin vormerken!

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